Institut für Sexualwissenschaft (1919-1933)eine Online-Ausstellung der Magnus-Hirschfeld-Gesellschaft

Adaptionstherapie

Für Homosexuelle, Transvestiten und andere Zwischenstufen ist das Institut für Sexualwissenschaft als Beratungsstelle die erste Adresse im In- und Ausland. Hirschfeld entwickelt bereits 1914 eine neue therapeutische Methode für homosexuelle, transvestitische und andere intersexuelle Patienten: die Adaptionstherapie oder auch psychische Milieutherapie. Eine Bestärkung der Ratsuchenden, ‘ihrer Natur entsprechend’ zu leben:

“Adäquate Milieutherapie sucht den Patienten in eine Umgebung zu bringen, die dem entspricht, was er ist.”

Hier endet die Kompetenz und Aufgabe des Arztes, der den PatientInnen Zugang zum Kreis “geistig hochstehender Gleichgesinnter” schaffen soll:

“Deshalb muß eine Ablösung des Arztes stattfinden durch Personen, die dem Patienten gleichfalls Verständnis und Toleranz entgegenbringen, mit denen er sich ebenso vertrauensvoll aussprechen kann wie mit dem Arzt selbst. Besonders eignen sich hierzu ‘Leidensgefährten’, die bereits eine höhere Stufe der Erkenntnis errungen haben.”(Hirschfeld 1927) 5

Wenn auch hier noch nicht als politisches Programm formuliert, so sind damit bereits erste Ansätze geschaffen für Selbsthilfegruppen von Schwulen, Lesben und Transsexuellen – die sich später erst wieder in den 70er Jahren neu gründen werden. Im Institut ist dafür in mehrerer Hinsicht gesorgt: politisch für Homosexuelle durch den Kontakt mit dem Wissenschaftlich-humanitären Komitee, für Transvestiten/Transsexuelle später durch Vermittlung in den Club D’Eon 3 ; ganz informell aber durch das im Institut gepflegte gesellige Leben: auf der Couch bei Karl Giese trifft man sich zum Tee.

Hirschfelds Adaptionstherapie wird von Zeitgenossen aufs heftigste angegriffen, die sich darüber entrüsten, dass eine “krankhafte Veranlagung” bzw. “erworbene Krankheit” statt weg therapiert nun bekräftigt werden soll.