Institut für Sexualwissenschaft (1919-1933)eine Online-Ausstellung der Magnus-Hirschfeld-Gesellschaft

Prostitution und Menschenrechte

Liebe und Sexualität bilden für Hirschfeld eine natürliche Einheit, deren Trennung eine Entfremdung des Menschen zur Folge habe. Prostituierte lieben die Männer nicht, denen sie sexuelle Dienste verkaufen und sie werden von diesen nicht geliebt. Daher ist für Hirschfeld Prostitution eine beklagenswerte Erscheinung.

“Überwunden kann die Prostitution nur werden durch eine Verbesserung der menschlichen Natur nach den Gesetzen der Eugenik, auf das kein Mensch die Neigung hat, seinen Körper zu verkaufen, und zum anderen durch die Verbesserung der Lebensbedingungen nach den Gesetzen der Ökonomie, damit keiner nötig hat, sich aus wirtschaftlichen Gründen zu prostituieren.”(Hirschfeld 1930)

Zunächst ist es Anliegen der Institutsmitarbeiter, die soziale und juristische Situation der Prostituierten zu verbessern. Als Voraussetzungen für die Verbesserung sehen sie die Gleichberechtigung der Geschlechter und die Straffreiheit der Prostitution an. Bestrafung fordern sie dagegen für ausbeuterische Zuhälterei und Mädchenhandel.

Prostituierte schließen sich zur Verbesserung ihrer Lage zu Berufsorganisationen zusammen, die Namen wie “Lotterieverein ‘Goldene Dose’ “ tragen. 1919 wird der Hilfsbund der Berliner Prostituierten, eine Prostituiertenkasse und einen Prostituiertenrat gegründet 3 . Hirschfeld schreibt:

“Als sich während der Revolution in Deutschland überall Betriebsräte bildeten, traten auch einige Prostituierte aus ihren Schlupfwinkeln an die Öffentlichkeit, um für ihre natürlichen Menschenrechte zu kämpfen.”
“In den Prostituiertenrat wurden mehrere Prostituierte…, einige Herren…und ich selbst gewählt. Ich nahm die Wahl an, um den Prostituierten in dem Kampf um ihre Menschenrechte behilflich zu sein.” (1930)