Institut für Sexualwissenschaft (1919-1933)eine Online-Ausstellung der Magnus-Hirschfeld-Gesellschaft

Das Institut und die Pharmaindustrie

Die Sexualhormone steuern die Sexualität. Das ist eine Annahme der jungen Sexualendokrinologie und der Institutsmitarbeiter. Man verspricht sich, sexuelle Impotenz und Frigidität mit Hormongaben behandeln zu können.

Als erster berichtet der Institutspsychiater Arthur Kronfeld 1922 von der Erprobung des Potenzmittels “Juvenin”(Bayer) an Patienten des Instituts. Im Ergebnis plädiert er für eine die Psychotherapie begleitende medikamentöse Behandlung.

Ab Mitte der 20er Jahre werden am Institut Potenzmittel entwickelt, erst “Testifortan” 1 2 von Hirschfeld und Schapiro, dann “Titus-Perlen” von Hirschfeld. Beide Mittel sind fast identische Gemische von altbekannten Aphrodisiaka mit einem “nachweisbaren Gehalt” an Hormonen. Die Potenzmittel sollen auch bei psychischer Impotenz die Psychotherapie ersetzen, weil diese zu langwierig und kostspielig sei.

Während “Testifortan” verschreibungspflichtig ist, sind die “Titus-Perlen” ohne Rezept über Versandhandel erhältlich 3 5 . Geworben wird mit der Seriosität des Instituts und seines Leiters 4 . Der Vertrag über die Produktion von “Testifortan” mit der Hamburger Firma Promonta sichert Hirschfeld und Schapiro einen Teil der Einnahmen. Das Mittel wird in der BRD noch bis 1988 nach der alten Rezeptur produziert. Herstellerin der “Titus-Perlen” ist die Fabrik Titus in Berlin-Pankow. Nach 1933 wird Hirschfelds Name aus deren Werbebroschüre getilgt. 1935 sollen aus den Einnahmen von den Nazis konstruierte Steuerschulden Hirschfelds beglichen werden.

Ende der 20er Jahre wird das chemische Verhütungsmittel “Patentex” vom Institut “biologisch kontrolliert”. Hirschfeld und Linsert empfehlen, es nur gemeinsam mit einem mechanischen Mittel wie Präservativ oder Pessar zu verwenden. Dass dieser Hinweis in der Werbung der Chemischen Exportgesellschaft Vauka fehlt, wird Hirschfeld später vorgeworfen.