Institut für Sexualwissenschaft (1919-1933)eine Online-Ausstellung der Magnus-Hirschfeld-Gesellschaft

Ehe- und Sexualberatung

Erste Beratungsstellen für Frauen werden in Holland bereits 1884 eingerichtet, die Amsterdamer “Unterweisungsstätten für unbemittelte Frauen”. In Deutschland gibt es zwar in den Reformbewegungen Pläne für den Aufbau von Ehe- und Sexualberatungsstellen, aber erst mit der Gründung des Instituts für Sexualwissenschaft, das Ehe- und Sexualberatung anbietet, existiert eine Beratungseinrichtung in Deutschland.

Die Tätigkeit der Ehe- und Sexualberatungsstelle am Institut ist – insbesondere in den ersten Jahren – von den ärztlichen Sprechstunden schwer zu unterscheiden. Die für 1919/20 angegebene Besucherzahl lässt vermuten, dass hier sämtliche Beratungen der Institutsärzte gezählt werden 2 .

“Die Anzahl der Beratungen, die in den verschiedenen Abteilungen stattfanden, belief sich im Berichtsjahr auf über 18000 (davon über die Hälfte unentgeltlich), im Tage durchschnittlich 50-60. Diese verteilten sich auf etwa 3500 Personen, wovon 2/3 männlich, 1/3 weiblich. Ein nicht ganz geringer Teil hiervon (ca. 30%) gehörte genau genommen allerdings weder dem einen, noch dem andern Geschlecht an, sondern den intersexuellen Varianten …” (Bericht über das erste Tätigkeitsjahr, 1920)

Ab 1922 bis 1932 werden in Deutschland über 400 Sexualberatungsstellen mit unterschiedlichen Ansätzen und Schwerpunkten von öffentlichen Trägern und Reformbewegungen gegründet, davon 40 allein in Berlin. Im Institut wird die Eheberatungsstelle um 1924 wöchentlich “von ca. 20 neuen Fällen aufgesucht”.

Ebenso wichtig wie die Einzelberatung ist die anonyme Beratung während der Frageabende im Institut, anfangs einmal monatlich, später vierzehntägig wegen des großen Andrangs. Hier können anonym und unbeobachtet Zettel mit Fragen in einen dafür aufgestellten Briefkasten geworfen werden, die dann beim nächsten Frageabend beantwortet werden 5 (siehe Geschlechtskrankheiten).