Institut für Sexualwissenschaft (1919-1933)eine Online-Ausstellung der Magnus-Hirschfeld-Gesellschaft

Eugeniker, Ehe- und Sexualberater

Porträt Hans Graazvergrößern
Porträt Hans Graaz, um 1950 (Heilkunde und Heilwege. 13. Jg. 1963, H.4)

Dr. med. Hans Graaz

1879-1953 – Naturheilkundler, Eugeniker und Lebensreformer, Nudist

Graaz war Turner und Gymnast, Kupferschmied, Bademeister und Masseur bevor er Medizin studierte und 1920 die ärztliche Approbation erhielt.

Im Institut arbeitet Graaz 1923 und leitet ein Jahr lang die eugenische Abteilung. Er wird vor allem aufklärerisch tätig. In seiner “Ehe-, Familien- und Frauenberatung” gibt er biologische “Zuchtwahl”—Ratschläge für eine “Eltern- und Kinderhygiene”, die auch die Ehevermittlung einschließt.

Ab 1924 fungiert er als ärztlicher Leiter in der privaten Heilpädagogischen FKK-Schule von Adolf Koch in Berlin, an der auch die Institutsmitarbeiter Magnus Hirschfeld und Karl Besser tätig werden. Außerdem führt er eine Praxis als Arzt für Naturheilverfahren.

Schattenriss

Karl Besser (1900 – 1931)

Graphologe

Ohne sein Medizinstudium abgeschlossen zu haben, ist Besser Mitarbeiter Im Institut von 1924/25 bis zu seinem Tode 1931. Er leitet zunächst die “Hilfsstelle für Stammbaum- und Familienforschung”, richtet dann die “Hilfsstelle für Graphologie und Ausdruckskunde” ein und legt eine Autographensammlung an. Besser erstellt zur Eheberatung graphologische Gutachten. Besonders interessiert war er an der Handschrift von Homosexuellen.

Regelmäßig beteiligt er sich an den Instituts-Lehrveranstaltungen. 1929 wohnt er im Institut und wird im gleichen Jahr in den Vorstand des Wissenschaftlich-humanitären Komitees gewählt. Er bietet in dessen Auftrag eine Sprechstunde für “Seelische Nothilfe” an. Zeitweilig ist er Vorsitzender der Deutschen Graphologischen Studiengesellschaft und leitet deren Geschäftstelle vom Berliner Institut für Sexualwissenschaft aus.

Schattenriss

Dr. med. Walter Wolf

Neurologe

Im Institut wird Wolf 1924 zunächst in der “Hilfsstelle für Stammbaum- und Familienforschung” tätig. Er befaßt sich mit “Erblichkeitsuntersuchungen zum Problem der Homosexualität” und erstellt u.a. Anfang 1924 zusammen mit Hirschfeld ärztliche Gutachten. 1925 arbeitet er in der neurologischen Abteilung bei Arthur Kronfeld, offenbar bis letzterer 1926 das Institut verlässt.

CD
Hans Kreiselmaier (Stiftung Archiv der Parteien und Massenorganisationen der DDR im Bundesarchiv,SAPMO/BArch, Bild Y 10-7947)

Dr. med. Hans Kreiselmaier

1892-1944 – Arzt

Kreiselmaier arbeitet von 1924 bis 1926 als Assistenzarzt im Institut. Ihm obliegen Beratungen zur ‘Fortpflanzungshygiene’, Ehe und Mutterschaft sowie zur Geburtshilfe. In seiner Arztpraxis behandelt er Frauenleiden und Allgemeinerkrankungen.

Kreiselmaier zieht 1927 nach Lehnin bei Beelitz und praktiziert dort, 1938 eröffnet er eine eigene Praxis in Berlin-Zehlendorf.

1941 kommt das NSDAP-Mitglied Kreiselmaier in Kontakt mit der illegalen KPD-Widerstandsgruppe Saefkow-Bästlein-Jacob. 1944 wird er verhaftet, zum Tode verurteilt und hingerichtet.

Porträt Levy-Lenz vergrößern
Porträt Levy-Lenz (Kaiser: Liebeslehre. Berlin 1928, S. IX)

Dr. med. Ludwig Levy-Lenz (1889 – 1976)

Sexualarzt, Chirurg

Levy-Lenz war Leiter der Frauenabteilung im Institut zwischen 1925 und 1933 und war aktiv beteiligt an der Sexualberatungsstelle.
Er erstellt Gerichtsgutachten, publiziert über Abtreibungstechniken und übernimmt Ende der 20er Jahre die Schriftleitung der Zeitschrift “Die Ehe”.
Er führt erste operative Geschlechtsumwandlungen an Transvestiten durch.

Daneben unterhält Levy-Lenz eine Privatklinik für Sexualleiden in Berlin. 1939 wurde er ausgebürgert und ging ins Exil nach Kairo.

Nach dem Krieg praktiziert er abwechselnd in Kairo und Baden-Baden als bekannter plastischer Chirurg.

Porträt von Max Hodann vergrößern
Porträt von Max Hodann (Kaiser: Liebeslehre. Berlin 1928, S. VII)

Dr. med. Max Hodann

1894-1946 – Arzt, Eugeniker, Sexualpädagoge, Sozialist

Ab 1921 arbeitet Hodann zeitweilig als Arzt für Geschlechtskrankheiten; 1922-1933 Stadtarzt in Berlin-Reinickendorf. Im Institut ist Hodann von 1926 bis 1929 regelmäßiger Mitarbeiter. Er leitet die Sexualberatungsstelle als “Eugenische Abteilung für Mutter und Kind” und veranstaltet öffentliche Frageabende zur Sexualaufklärung.

Hodann ist Mitglied im Verein sozialistischer Ärzte und im Reichsverband für Geburtenregelung und Sexualhygiene.

Er wird 1933 verhaftet und ohne Verfahren einige Zeit lang gefangen gehalten. Im englischen Exil bemüht er sich um die Wiedererrichtung eines Instituts. Er stirbt in Schweden.