Institut für Sexualwissenschaft (1919-1933)eine Online-Ausstellung der Magnus-Hirschfeld-Gesellschaft

Institutsgründer

Magnus Hirschfeld, 1930vergrößern
Magnus Hirschfeld, 1930 (Die Aufklärung. 1930, H. 4/5, S. 87)

Sanitätsrat Dr. Magnus Hirschfeld (1868-1935)

Arzt, Naturheilkundler, Sexualwissenschaftler, Sexualreformer, Sozialist, Gerichtsgutachter, Eugeniker, Monist, Aufklärungsredner, Sexualpolitiker, führende Figur der ersten deutschen Homosexuellenbewegung

Hirschfeld begründet das seit 1896 geplante Institut für Sexualwissenschaft mit einer privaten Stiftung seines Namens 1918.

Er ist mit Eröffnung 1919 Leiter des “Instituts für Sexualwissenschaft”.
Seine “Forschungs-, Lehr-, Heil- und Zufluchtsstätte” soll “der Befreiung des Menschen von körperlichen Leiden, seelischen Nöten und sozialen Schäden…” dienen.

Sein Instituts-Leitspruch:

AMORI ET DOLORI SACRUM
(der Liebe und dem Leid geweiht)

Hirschfelds Handvergrößern
Hirschfelds Hand und deren charakteriologische Begutachtung (Die Ehe. Berlin 1931, H. 4, 108)

Hirschfelds Empfangs- und Sprechzimmer ist Anlaufpunkt vor allem für jene Besucher, die er als “sexuelle Zwischenstufen” diagnostiziert und denen er sich in besonderer Weise verbunden fühlt (Adaptionstherapie). Sein Freund Karl Giese gilt als “Frau des Hauses”.

Hirschfeld ist als Institutsleiter in fast allen Institutsabteilungen präsent. Er bestimmt die theoretische Ausrichtung des Instituts mit dem Schwerpunkt Hormonforschung.

Porträt Magnus Hirschfeld, in den 20er Jahrenvergrößern
Porträt Magnus Hirschfeld, in den 20er Jahren (Magnus-Hirschfeld-Gesellschaft)

Sexualwissenschaft bildet für ihn und seine Kollegen die Grundlage einer sozialpolitisch intendierten, praktischen Sexualreform. Diese umfaßt im weiteren Ehereform und eugenische Eheberatung, Empfängnisverhütung und Bevölkerungspolitik, Sexualaufklärung und Freikörperkultur u.v.a.m.
Unermüdlich engagiert er sich für eine Strafrechtsreform. Er kämpft mit dem Wissenschaftlich-humanitären Komitee für die Abschaffung des § 175 RStGB, engagiert sich im Bund für Mutterschutz, setzt sich für die Abschaffung des Abtreibungsparagraphen 218 RStGB ein.

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"Im Kreis japanischer Kollegen Rechts der erste Prof. Hata; neben ihm der Leibarzt des Kaisers; links vom Verfasser Prof. Koichi Miyake" Hirschfeld 1931 während seiner Weltreise in Japan und China (Weltreise eines Sexualforschers. Brugg/Schweiz 1933, Taf. 4)

Maßgeblich beteiligt er sich an den Institutsweiterbildungslehrgängen für Ärzte, geht auf Vortragsreisen und organisiert Aufklärungsveranstaltungen an Volkshochschulen.

Hirschfeld entwickelt mit Institutsärzten Potenzmittel. Optimistisch propagiert er auch “Verjüngungskuren” durch Hormonbehandlungen.
(siehe auch Vom Stigma zum Feindbild)

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"Der Verfasser mit einigen Mitgliedern des chinesichen Frauenclubs; neben ihm Frau Ma, Frau Moy und Frau Mei; der erste links: Dr. Reiß" Hirschfeld 1931 während seiner Weltreise in Japan und China (Weltreise eines Sexualforschers. Brugg/Schweiz 1933, Taf. 12)

Biographisches:

14.5.1868 in Kolberg geboren;
1887-92 Studium: Philologie, Medizin
1894 Eröffnung einer naturheilkundlichen Arztpraxis
1897 Gründung des “Wissenschaftlich-humanitären Komitees” (bis 1929 Vorsitzender)
1908 Mitbegründer der Berliner Zweiggruppe der Wiener Psycho-analytischen Vereinigung;
1913 Mitbegründer der “Ärztlichen Gesellschaft für Sexualwissenschaft und Eugenik” in Berlin;
1914-18 Kriegsteilnahme als Lazarett-Arzt;
1919 Eröffnung des Instituts für Sexualwissenschaft;
1921 Initiator der Ersten Internationalen Tagung für Sexualreform auf sexualwissenschaftlicher Grundlage;
1926 Reise auf Einladung der Regierung der UdSSR nach Moskau und Leningrad;
1931 Weltreise durch Nordamerika, Asien und den Orient 4 5 ;
1932 Rückkehr nach Wien, Beginn seines Exils in der Schweiz;
1933 Schließung und Zerstörung seines Berliner Instituts, Übersiedlung nach Paris, dort Versuch einer Institutsneugründung;
1934 Übersiedlung nach Nizza; (Gästebuch Hirschfelds)
1935 Hirschfeld stirbt an seinem 67. Geburtstag.