Magnus-Hirschfeld-Gesellschaft e.V. Forschungsstelle zur Geschichte der Sexualwissenschaft

Stolpersteine für Georg und Zerline Marcuse

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Stolpersteine für Georg und Zerline Marcuse, Mommsenstraße 70, Charlottenburg

Diese Stolpersteine wurden auf Wunsch von Gabriella Ruth Cohen (Brighton/Victoria, Australien), der Enkeltochter von Georg und Zerline Marcuse, am 20.5.2014 verlegt.

Georg Marcuse wurde als Sohn von Max und Henriette Marcuse, geb. Jacobi, am 18. September 1866 in Landsberg an der Warthe, das damals zu Brandenburg gehörte, geboren. Verheiratet war er seit 20.9.1902 mit Zerline Marcuse, geb. Cohn, die am 23. Mai 1869 in Berlin geboren wurde. Er handelte mit Parfümeriewaren. Seit 1927 bis 1937 war er als Kaufmann und Bewohner der Mommsenstraße 70 im Adressbuch eingetragen. Das Ehepaar hatte zwei Kinder (Elli, geb. 16.9.1903 in Berlin, gest. 12.11.1989 in Melbourne, verehelichte Oppenheim; Gerda Betty, geb. 26.7.1906 in Berlin, gest. 15.11.1996 Melbourne, verehelichte Hauck) und wohnten im 4. Stock.

Eines Tages wurde das Ehepaar Marcuse im Sammellager Artilleriestraße 31 zur Deportation registriert. Am 3. Oktober 1942 mussten sie am Gleis 17 des Bahnhofs Grunewald den Zug nach Theresienstadt besteigen, in dem dicht gedrängt 1042 Menschen saßen. Sie wurden ins Ghetto zunächst ins Gebäude Z 409 eingewiesen. Zerline Marcuse starb am 28. Januar 1943. „Herzschwäche“ aufgrund einer „Herzmuskelentartung“ wurde auf der Todesurkunde vermerkt. Nur wenig später, am 24. Februar 1943, ist auch Georg Marcuse gestorben, nach Angaben der Ärzte auf dem Totenschein an einem „Gesichtsfurunkel“ und einer „Blutvergiftung“.

Gaby Ruth Cohen, geb Hauck, war wiederholt in Berlin, das erste Mal mit ihrem Ehemann Leon Cohen auf Einladung des Senats von Berlin, und zuletzt 2013 anläßlich ihres 75. Geburtstags mit ihren Kindern und Enkeln. Sie ist die Großnichte des Sexualwissenschaftlers und Mitbegründers der Homosexuellenbewegung Dr. Magnus Hirschfeld. Ihr Vater Günter Rudi Hauck (gestorben 1976), war ein Neffe Hirschfelds, Sohn von dessen jüngster Schwester Jenny Hauck geb. Hirschfeld. Gaby Cohen wurde von Staatssekretärin Hella Dunger-Löper im Berliner Rathaus empfangen. Der Besuch wurde von der Magnus-Hirschfeld-Gesellschaft begleitet.

Mehrere Familienmitglieder von Gaby Cohen sind in Konzentrationslagern ermordet worden, auch die älteste Schwester Magnus Hirschfelds, Recha Tobias geb. Hirschfeld und deren Tochter Marga. Für Recha Tobias hat die Magnus-Hirschfeld-Gesellschaft einen Stolperstein an der Kongresshalle im Tiergarten legen lassen. [Link einfügen]
Für Magnus Hirschfeld gibt es eine Gedenksäule, ebenfalls auf Initiative der Magnus-Hirschfeld-Gesellschaft, und ein Denkmal für sein Institut für Sexualwissenschaft am Spreeufer; außerdem wurde in Berlin das Magnus-Hirschfeld-Ufer nach ihm benannt.

Text von Helmut Lölhöffel mit Informationen von Lea Junghans, ergänzt von Ralf Dose
Quellen: Informationen der Familie, Bundesarchiv, Berliner Adressbücher, Opferdatei Theresienstadt

Bilder von der Verlegung