Magnus-Hirschfeld-Gesellschaft e.V. Forschungsstelle zur Geschichte der Sexualwissenschaft

Georg Plock, Pastor, Sekretär

geb. 7.3.1865 (Celle) gest. 10.11.1930 (Berlin)

Georg Plock war vom 21. Januar 1909 bis 1923 Sekretär des WhK. In dieser Funktion war er 1919 ganz maßgeblich am Aufbau der Bibliothek des Instituts für Sexualwissenschaft beteiligt, in die die bereits bestehenden Bestände der Bibliothek des WhK aufgingen. Zum Obmann des WhK wurde er 1920 gewählt.

Zur Biografie

Georg Plock war von 1894 bis 1904 erster Pastor in Hage/Ostfriesland.

Inmitten seiner Vorbereitungen für die Abreise nach Amerika würdigte Hirschfeld den langjährigen Mitstreiter in einem Nachruf: „Seine hervorragendste Eigenschaft war eine Zutrauen erweckende Ruhe und Milde, die es sehr schnell mit sich brachte, daß man sich ihm erschloß. Zu wie vielen Eltern ist er gegangen, um ihnen klar zu legen, daß ihr Sohn, den sie wegen seiner Homosexualität verstoßen hatten, nur das bedauernswerte Opfer einer unglücklichen Veranlagung sei und noch in höherem Grade das Opfer einer falschen Vorstellung und ebenso unrichtigen wie unrechten Beurteilung. Wie viele Kinder hat er den Eltern, wie viele Eltern den Kindern wiedergewonnen.“ (Magnus Hirschfeld: Zum Tode von Georg Plock; in: Die Freundschaft 12 (1930) 12, 12.12.1930, S. 178)

Viel weniger freundlich urteilte Kurt Hiller über Georg Plock: „Viele, viele Jahre lang war leitender Sekretär des Komitees ein Herr P., ein ehemaliger Pastor mit Affäre und Gefängnis, der durch den Pfarrer Friedrich Naumann, einen sehr namhaften Führer der gemäßigten Linken Deutschlands, in Hirschfelds Schutz befohlen worden war. Herr P. zeigte sich besten Willens und treu wie Gold, aber er war ein salbungsvoller Vollbart und im geistigen Kampf unmöglich. Gerade als der Kampf die Ebene der bloßen Theorie zu verlassen und, nach 1918, den Berg der Verwirklichung zu erklimmen begann, versagte der spießbürgerliche P. Vollkommen eingesponnen in seine kleine Abseitswelt, war er außerstande, Fühlung zu gewinnen mit den fortschrittlichen Persönlichkeiten der großen majoritären Welt – eben die Fühlung, auf die es ankam. Er wurde zur ständigen Verzweiflung sämtlicher Temperamente im Komitee. Hirschfeld war und war nicht dazu zu bringen, ihn abzuschaffen. Als 1922 der hervorragende junge Richard Linsert entdeckt war, benötigten wir fast ein Jahr, um Hirschfeld bereitzumachen, diesen wenigstens als Nebensekretär unter P. anzustellen. Die alte Mähre und der junge Jaguar waren vor dem Pfluge der ‚Bewegung‘ ein schier unmögliches Gespann; entsetzlich viel Kraft fürs Ziel wurde fürs innere Gegeneinander verpulvert; aber Hirschfeld entschloß sich erst dann zum Abbau P.s, als er in der Lage war, diesem Manne Verlag und Redaktion einer ‚einschlägigen‘ Zeitschrift zuzuschanzen… welche dann auch entsprechend wurde.“ (Kurt Hiller: Persönliches über Magnus Hirschfeld; in: Der Kreis/Le Cercle 16 (1948) 5, S. 4f. Nachdruck in Zeitschrift für Sexualforschung 6 (1993) 4, 353)

Diese „einschlägige“ Zeitschrift war die Freundschaft, deren Redaktion Plock 1924 übernahm und bis zu seinem Tode innehatte. Die Freundschaft brachte (bis 1926), wohl bedingt durch diese Personalie, auch die offiziellen Mitteilungen des Wissenschaftlich-humanitären Komitees, dessen Jahrbuch für sexuelle Zwischenstufen inflationsbedingt sein Erscheinen hatte einstellen müssen.

Am Grabe Plocks hielt nicht Hirschfeld, sondern Karl Besser die Trauerrede. Seine freundlichen Abschiedsworte stehen nicht unbedingt im Widerspruch zu Hillers ätzendem Urteil: „Seine hervorragendsten Eigenschaften lassen sich vielleicht am besten mit zwei Worten charakterisieren: Schlichtheit und Menschenliebe.“ (Mitteilungen des Wissenschaftlich-humanitären Komitees Nr. 29, Sept. 1930/Febr. 1931; Reprint S. 290)