Magnus-Hirschfeld-Gesellschaft e.V. Forschungsstelle zur Geschichte der Sexualwissenschaft

Georges Eekhoud, Schriftsteller

geb. 27.5.1854 (Antwerpen, Belgien) gest. 29.5.1927 (Schaerbeek, Belgien)

Georges Eekhoud wird 1910 und 1920 als Mitglied des Obmännerkollegiums genannt.

Zur Biografie

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Der belgische Schriftsteller und Kunstkritiker Georges Eekhoud entstammte einer bürgerlichen Familie und wuchs in eher bescheidenen Verhältnissen auf. 1880 ließ er sich in Brüssel nieder, wo er Redakteur der Tageszeitung L’Étoile belge wurde und zum Umfeld der Zeitschrift La Jeune Belgique gehörte, an der er von der ersten Ausgabe an (1881) aktiv mitwirkte. Später schloss er sich der Pariser Zeitschrift Mercure de France bzw. deren Vorläufer an und fungierte zwanzig Jahre als deren belgischer Korrespondent.

1883 erschien Georges Eekhouds erster Roman, Kees Doorik, der 1893 ins Deutsche übersetzt wurde. Es folgten mehrere Werke, in denen er das harte Leben der Bauern und Schicksale von Menschen beschrieb, die sich gegen die bürgerliche Moral auflehnten. Eekhoud wurde vor allem durch seinen Roman Escal-Vigor (1899) bekannt, der 1903 von Richard Meienreis (1865–1926) ins Deutsche übersetzt wurde und bei Max Spohr (1850–1905) in Leipzig erschien. Mit Escal-Vigor löste Eekhoud 1899 einen Skandal aus, da es sich um den ersten Roman in der französischsprachigen Literatur Belgiens handelte, in dem Homosexualität offen thematisiert wurde. In der Folge kam es zu einem Prozess gegen Eekhoud in Belgien.

Georges Eekhoud hatte 1891 den jungen Buchdrucker Alexandre (Sander) Pierron (1872–1945) kennengelernt, und die Begegnung sollte beider Leben grundlegend ändern. Eekhoud stellte Pierron als Sekretär ein, um ihm aus der prekären Lage als Arbeiter zu helfen. Die 250 Briefe, die sie zwischen 1892 und 1927 miteinander wechselten, und das Tagebuch Eekhouds wurden 2001 in dem Buch Mon bien aimé petit Sander (Mein geliebter kleiner Sander) veröffentlicht. Die Dokumente zeugen von einer echten Liebesbeziehung, die von den beiden verheirateten Männern diskret gelebt und von ihren jeweiligen Ehefrauen gebilligt wurde.

Im Jahrbuch für sexuelle Zwischenstufen bemühte sich Numa Praetorius (Eugen Wilhelm, 1866–1951) bereits 1900, den deutschsprachigen Lesern das Werk Georges Eekhouds vorzustellen. Selbst steuerte Eekhoud im selben Jahr einen Beitrag unter dem Titel „Un illustre uraniste du XVII siècle. Jérôme Duquesnoy“ in französischer Sprache für das Jahrbuch für sexuelle Zwischenstufen bei.

Um 1905 nahm Georges Eekhoud den niederländischen Schriftsteller Jacob Israël de Haan (1881–1924) bei sich auf, nachdem dieser vor Kritik und Angriffen von Seiten niederländischer Sozialisten und Künstler geflohen war. De Haans homoerotische Erzählung Pijpelijntjes (1904) hatte ähnlich wie Eekhouds Escal-Vigor zuvor einen Skandal ausgelöst, weil der Autor in ihr sein eigenes Leben und Erleben mit zahlreichen homosexuellen Affären offen schilderte. Georges Eekhoud und Jacob Israël de Haan verband fortan eine tiefe Freundschaft, die sich auch in ihren literarischen Arbeiten niederschlug.

Schriften (Auswahl)

Eekhoud, Georges (1903/2007): Escal-Vigor. Roman. Deutsch von Dr. Richard Meienreis, Leipzig: Max Spohr; Neuausgabe Hamburg: Männerschwarm 2007 [im Anhang S. 199-242 die Erzählungen „Liebesselbstmord“ und „Eine schlimme Begegnung“].

Eekhoud, Georges (1996): Un illustre uraniste. Lille: Cahiers Gay Kitsch Camp.

Weiterführende Literatur

Schlagdenhauffen, Régis (2012): À propos d’une rencontre. Numa Praetorius et Georges Eekhoud. In: M. Lucien und Patrick Cardon (Hg.): Georges Eekhoud: Un illustre uraniste: GayKitschCamp (Question de Genre), S. 77-81.

Setz, Wolfram (2016): Oscar Wilde & Co. Historisch-literarische Spurensicherungen. Hamburg: Männerschwarm Verlag (Bibliothek rosa Winkel, Sonderreihe Wissenschaft, 5).