Magnus-Hirschfeld-Gesellschaft e.V. Forschungsstelle zur Geschichte der Sexualwissenschaft

Homosexualität im besetzten Norwegen (1940–1945)

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Eine Gruppe von Forscher:innen hat Archivmaterial aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs durchgesehen und neue Informationen über Homosexualität während der Nazi-Besatzung Norwegens gefunden. Ein übersehenes Kapitel der norwegischen Kriegsgeschichte wird so sichtbar gemacht. Es zeigt, wie sich „queere“ Menschen angesichts der Gefahr durch Verfolgung und den neuen Möglichkeiten für sexuelle und romantische Begegnungen bewegten.

Anfang Herbst wurden drei Artikel über die Lebensbedingungen von Homosexuellen zwischen 1940 und 1945 in der norwegischen Zeitschrift „Historisk tidsskrift“ veröffentlicht. 250.000 deutsche Soldaten marschierten in das Land ein, was für viele traumatische Folgen hatte, für einige jedoch auch neue Möglichkeiten eröffnete.

Was geschah?

Als so viele Männer in den Dörfern und Städten Norwegens auftauchten, hatte dies Folgen für sowohl norwegische als auch deutsche Homosexuelle. Über 80 Jahre später werden Gefängnisprotokolle, Gerichtsunterlagen und Verhöre mit neuen Augen gelesen. Was geschah? Was tat die norwegische Quisling-Regierung, was die deutschen Besatzungsbehörden?

Die Forschungsergebnisse aus der „Historisk tidsskrift“ wurden am 21. November 2025 im Litteraturhuset in Oslo vorgestellt. Zu sehen sind die Vorträge jetzt auch auf YouTube (Link rechts). Die Forschungsarbeit entstand in Kooperation zwischen Camilla Maartmann vom norwegischen Grinimuseet (MiA), Maria Fritsche von der Technisch-Naturwissenschaftlichen Universität Norwegens (NTNU) in Trondheim, Hans Wiggo Kristiansen von der Osloer Metropolitan University (Oslo Met) und Runar Jordåen vom „queeren Archiv“ Skeivt arkiv in Bergen. Von Seiten der Magnus-Hirschfeld-Gesellschaft nahm Raimund Wolfert an der Veranstaltung in Oslo statt.