Die sexuelle Provokation – Magnus Hirschfeld und die Geschlechter


Wer sich heute mit der Diskussion über Transgeschlechtlichkeit beschäftigt, könnte meinen, es handle sich um ein modernes Thema. Doch bereits vor mehr als einem Jahrhundert gab es Menschen, die ihr Geschlecht angleichen ließen und sich für ihre Rechte einsetzten – lange bevor der Begriff „Transgender“ allgemein bekannt wurde. Eine Schlüsselfigur dieser frühen Bewegung war der Sexualwissenschaftler Magnus Hirschfeld. Im Jahr 1919 rief er in Berlin das erste Institut für Sexualforschung ins Leben.
Hirschfeld kämpfte für die rechtliche Anerkennung queerer Identitäten und war damit seiner Zeit weit voraus. Erst seit Ende 2024 erlaubt das deutsche Selbstbestimmungsgesetz, dass Menschen selbst über Vornamen und Geschlechtseintrag entscheiden. Doch das Gesetz entfacht eine hitzige Debatte: Wer definiert das Geschlecht?
Schon vor 100 Jahren stehen queere Menschen im Zentrum eines Kulturkampfs. Hirschfelds Einsatz für Vielfalt und Entkriminalisierung macht ihn selbst zur Zielscheibe. 1920 wird er nach einem Vortrag niedergeschlagen und für tot erklärt – er überlebt jedoch und arbeitet weiter, bis die Nationalsozialisten an Macht gewinnen. Sie plündern und verwüsten sein Institut, Hirschfeld flieht ins Exil. Es ist das Ende des liberalistischen Geistes der Weimarer Zeit und der Beginn grausamster Verfolgung queerer Menschen.
In der Dokumentation „Die sexuelle Provokation – Magnus Hirschfeld und die Geschlechter“ versucht der Regisseur Miguel Kaluza der Geschichte des Sexualpioniers näher zu kommen und fragt: Warum provoziert Vielfalt bis heute? Droht ein neuer Backlash?
In eigener Sache:
An der Arte-Dokumentation „Die sexuelle Provokation – Magnus Hirschfeld und die Geschlechter“ Interessierte möchten wir darüber informieren, dass die Magnus-Hirschfeld-Gesellschaft nicht an deren Zustandekommen beteiligt war und keinen Einfluss auf die Kontextualisierung und Kommentierung der aus ihren Beständen zur Verfügung gestellten Fotos hatte. Dies ist insbesondere hervorzuheben, da in der Doku Nacktaufnahmen von Institutspatient_innen gezeigt werden, die in grober Weise gegen die Vorgaben zur Bildverwendung der MHG verstoßen und voyeuristischen Interessen folgen. Hingewiesen sei auch auf die irreführende Rahmung von Hirschfelds Wirken durch Filmsequenzen aus der Sexpositiv-Bewegung sowie darauf, dass unser Vorstandsmitglied Rainer Herrn, der sich für ein Interview zur Verfügung gestellt hatte, keinerlei Einfluss auf den Inhalt und die Gestaltung des Films sowie die Wahl weiterer Interviewpartner_innen hatte. Der von Nora Eckert auf Queer.de geäußerten Kritik an der Doku schließt sich die MHG an.
