Johanna Hermance Wouters-de Vries Robbé, Bewährungshelferin
Zur Biografie
Zur Biografie von Johanna Hermance Wouters-de Vries Robbé liegen nur wenige Angaben vor. Sie wurde am 23. Juli in Arnheim (Niederlande) geboren und war mindestens zweimal verheiratet. Die erste Ehe, mit Hugo Willebrord Bloemers (1908-2001) wurde 1943 geschieden. Zur Zeit ihrer Eheschließung mit Bloemers war de Vries Robbé Referendarin der Niederländischen Gesellschaft für Resozialisierung. Belegt ist ferner, dass sie Ende der 1950er Jahre in Bussum und später in Utrecht gelebt hat. Von Beruf war sie Bewährungshelferin, und sie hat sich vor allem mit Fragen der Resozialisierung von Straffälligen beschäftigt.
Johanna Hermance Wouters-de Vries Robbé nahm als Angehörige einer niederländischen Studienkommission auf dem Gebiet der Homosexualität an dem Brüsseler Kongress des International Committee for Sexual Equality (ICSE) teil und verfasste anschließend einen kurzen Kongressbericht für die Zeitschrift Maandblad voor Berechting en Reclassering (dt. „Monatszeitschrift für Justiz und Resozialisierung“). In diesem Bericht stellte sie sich insbesondere kritisch zu den auf dem Kongress vorgetragenen Ausführungen von Willhart S. Schlegel und behauptete, der Däne Oluf Martensen-Larsen habe mit seiner vorgestellten Theorie das meiste Aufsehen erregt.
Nach Martensen-Larsen hätten männliche Homosexuelle ähnlich wie ihre Väter und Großväter „immer“ mehr Brüder als Schwestern, und lesbische Frauen hätten ebenso wie ihre Mütter und Großmütter mehr Schwestern als Brüder. Spöttisch fügte Wouters-de Vries Robbé hinzu, dass Martensen-Larsen im Anschluss an seinen Vortrag einen Darsteller des eingeladenen Kabarett-Ensembles angesprochen habe, weil er erfahren hatte, dass dieser unter seinen Geschwistern das jüngste Kind war. Martensen-Larsen fragte den Darsteller nach dem Alter seiner Großmutter und versuchte ihm daraufhin klarzumachen, dass ihm bei der Einstudierung seiner mit so viel Elan vorgetragenen Darbietungen sicher das Bild seiner Großmutter vor Augen geschwebt haben muss.
Johanna Hermance Wouters-de Vries Robbé schloss ihren Beitrag über den Brüsseler ICSE-Kongress mit den nüchternen Sätzen: „Auf der Abschlusssitzung wurde von den Organisatoren die Frage aufgeworfen, ob und welchen Nutzen ein Kongress wie dieser haben könne. Man war so bescheiden anzuerkennen, dass man noch in den Kinderschuhen stecke und eine Koordinierung der verschiedenen nationalen Forschungen anscheinend […] noch nicht möglich sei. Dennoch war man allgemein der Auffassung, dass diese […] Treffen fortgesetzt werden sollten, um sich über die Forschungsbemühungen in anderen Ländern zu informieren, um Fakten, Theorien, Meinungen und Gedanken auszutauschen und um persönliche Kontakte zu knüpfen.“
Auf dem Brüsseler ICSE-Kongress ist Johanna Hermance Wouters-de Vries Robbé offenbar durch ihre Fragen als kritische Kommentatorin und Beobachterin aufgefallen, wie eine entsprechende Bemerkung in den „Brief Minutes of the Business Session of the I.C.S.E. at Brussels“ nahelegt.
Weiterführende Literatur
Anonym (1958): Brief Minutes of the Business Session of the I.C.S.E. at Brussels, 1958, S. 5, online hier.
Wouters-de Vries Robbé, Johanna Hermance (1958): Van een congres van en over homosexuelen, in: Maandblad voor Berechting en Reclassering (Jg. 37) Nr. 8, S. 194-195.
