Wolfgang [Eberhard Dietrich] Wirsig, Schriftsteller
Zur Biografie
Zur Identität und zum Lebensweg von Wolfgang [Eberhard Dietrich] Wirsig haben sich bislang nur wenige Angaben ermitteln lassen. Für die Zeitschrift Humanitas schrieb Wirsig 1954 nur einen Beitrag. Im Jahr zuvor hatte er in der Frankfurter Eremiten-Presse einen schmalen Band unter dem Titel „Tanz der Marionetten“ vorgelegt.
Wolfgang Wirsig stammte gebürtig aus dem niederschlesischen Jauer (heute Jawor, Polen). 1949 wohnte er in Göttingen und leistete im Rahmen des Internationalen Zivildienstes (IZD, heute: Service Civil International, SCI) Hilfe beim Bau von Siedlungshäusern für Flüchtlinge in Donaueschingen, und Anfang der 1950er Jahre war er Mitglied der Bremer Internationalen Freundschaftsloge (IFLO), in der er mit Sekretärsaufgaben betraut war. In dieser Zeit veröffentlichte er auch Gedichte und Glossen in der Schweizer „Homophilenzeitschrift“ Der Kreis und in Rolf Putzigers Der Weg (zu Freundschaft und Toleranz) (Hamburg), wohl unter (bislang unbekanntem) Pseudonym. Noch 2001 stand die Magnus-Hirschfeld-Gesellschaft kurzzeitig in Kontakt mit Wirsig und erhielt von ihm einen kurzen Erfahrungsbericht unter dem Titel „Erinnerungen an die Iflo“.
Anfang der 1960er Jahre wohnte Wolfgang Wirsig in Düsseldorf. Von hier aus trat er unter anderem als Schreiber eines Leserbriefs im Nachrichtenmagazin Der Spiegel hervor. Noch in dieser Zeit fühlte er sich mit dem Internationalen Zivildienst verbunden, wie aus einem seiner Beiträge hervorgeht, wenngleich er heftige Kritik an der damaligen „Ostpolitik“ des IZD übte. Spätestens in den 1980er Jahren lebte Wirsig dann in Mönchengladbach, wo er sich als Mitglied der Partei Die Grünen politisch betätigte. Er war Gründer der Bundesarbeitsgemeinschaft „Mensch und Tier“ innerhalb der Partei und gab sich als entschiedener Gegner von sexuellen Beziehungen zwischen erwachsenen Männern und Minderjährigen sowie einer möglichen Absenkung der Schutzaltersgrenze zu erkennen.
Veröffentlichungen
Wirsig, Wolfgang (1953): Tanz der Marionetten. Frankfurt am Main: Eremiten-Presse.
Wirsig, Wolfgang (1954): Verstehen von Mensch zu Mensch, in: Humanitas (Jg. 2), Nr. 8 (August), S. 244-245.
Wirsig, Wolfgang (1962): Leserbrief unter dem Schlagwort „Übergangslösung“ im Spiegel, online hier.
Wirsig, Wolfgang (1963): Unsere Freiheit verteidigen, in: Mitteilungen des Internationalen Zivildiensts, Deutscher Zweig des Service Civil International, Nr. 24 (Oktober/November), [S. 4-5].
[Wirsig, Wolfgang] (1985): Die Grünen in Nordrhein-Westfalen. Der Streit um die Pädophilie, in: Du & Ich, Nr. 6 (Juni), S. 18-20.
Wirsig, Wolfgang (1998): Nazivergangenheit, political correctness und Zuwanderung, in: Koschyk, Hartmut und Rolf Stolz (Hrsg.): 30 Jahre Zuwanderung. Eine kritische Bilanz. München: Olzog, S. 95-103.
Weiterführende Literatur
Beljan, Magdalena (2014): Rosa Zeiten? Eine Geschichte der Subjektivierung männlicher Homosexualität in den 1970er und 1980er Jahren in der BRD. Bielefeld: transcript, S. 136.
Pretzel, Andreas (2001): Berlin – „Vorposten im Kampf für die Gleichberechtigung der Homoeroten“. Die Geschichte der Gesellschaft für Reform des Sexualrechts e.V. 1948–1960 (Hefte des Schwulen Museums, 3). Berlin: Verlag rosa Winkel, S. 64.
Schwartz, Michael (2024): „Eine Schmach verschwindet“. Der lange Weg zur Beseitigung des Sonderstrafrechts für Homosexuelle in Deutschland 1968/69 bis 1989/94. Berlin: B & S Siebenhaar Verlag, S. 82, 86, online hier.
Weitere Archivalien
Wirsig, Wolfgang (2001): Erinnerung an die Iflo (unveröffentlichter Bericht im Archiv der Magnus-Hirschfeld-Gesellschaft, 3 Seiten).
