Magnus-Hirschfeld-Gesellschaft e.V. Forschungsstelle zur Geschichte der Sexualwissenschaft

Hugo von Thun, Dr. med., Arzt

geb. 26.6.1878 (Bjerge, Dänemark) gest. 1.5.1922 (Nakskov, Dänemark)

Hugo von Thun wurde 1914 zum Obmann des WhK gewählt. Vermutlich war er erst im Jahr zuvor in Kontakt mit Magnus Hirschfeld und dem WhK getreten. Im Jahrbuch für sexuelle Zwischenstufen wird er zwischen 1913 und 1920 einige Male erwähnt. Vor 1919 stiftete er Hirschfeld ein signiertes Foto von sich, das fortan im Institut für Sexualwissenschaft neben etlichen anderen Fotos von “zeitgenössischen Gelehrten und Sexualforschern” an der Wand hing.

Zur Biografie

Über den dänischen Oberarzt Hugo von Thun liegen nur wenige Angaben vor. Nach seinem Studium der Medizin in Horsens legte Hugo von Thun das medizinische Examen 1906 ab. Er wurde zunächst zwei Jahre als Reservearzt am Frederiksberg Hospital tätig, wechselte dann an das Aarhus Kommunehospital, arbeitete vorübergehend an zwei Krankenhäusern in der dänischen Hauptstadt Kopenhagen und wurde 1918 schließlich Oberarzt am Amts- und Stadtkrankenhaus in Nakskov auf der Insel Lolland.

Magnus Hirschfeld dankte seinem Kollegen Hugo von Thun neben etlichen anderen im Vorwort zu Die Homosexualität des Mannes und des Weibes (1914) für “wertvolle Beiträge über die homosexuellen Verhältnisse im Ausland”, in diesem Fall Dänemark. An anderer Stelle hob Hirschfeld lobend hervor, dass von Thun sich zur Zeit des Ersten Weltkriegs vor allem bei der Ermittlung des Aufenthaltsortes deutscher Kriegs- und Zivilgefangener “in den gegnerischen Staaten” verdient gemacht habe. Er habe so dazu beigetragen, die Angehörigen dieser Gefangenen zu beruhigen, zu trösten und zwischen den Gefangenen und ihnen die Korrespondenz zu vermitteln.