Magnus-Hirschfeld-Gesellschaft e.V. Forschungsstelle zur Geschichte der Sexualwissenschaft

Jules Siber, Dr. jur., Violinist

geb. 30.10.1871 (Dettelbach, Unterfranken) gest. 24.5.1943 (Berlin)

Jules Siber war Jurist, Komponist, Schriftsteller und „der Paganini” des WhK. Er gehörte dem WhK ab 1912 und mindestens bis 1922 an.

Zur Biografie

Jules (eigentlich Julius) Siber wurde am 30. Oktober 1871 im unterfränkischen Dettelbach geboren. Nach dem Besuch des Gymnasiums in Würzburg studierte er zunächst Rechtswissenschaften, wandte sich aber bald der Musik zu. Er studierte unter anderem bei Max Reger und lebte lange Jahre als Komponist und Violinvirtuose in München. Später wohnte er in Berlin-Wilmersdorf und wurde Professor am Stern’schen Konservatorium. Wegen seiner beeindruckenden Konzerte wurde Siber oft als „Teufelsgeiger“ und „Paganini redivivus“ (wiedererstandener Paganini) bezeichnet. Zeitgenössischen Berichten zufolge verband er bei seinen Auftritten die Musik mit eigenen Erzählungen, aus denen er rezitierte. Er spielte vor zahlreichen europäischen Königshäusern und versetzte sein Publikum in wahre Ekstasen.

Siber schrieb auch mehrere Romane, unter ihnen Seelenwanderung (1914) und Paganini. Ein Roman von alten Göttern und Hexentänzen (1920). Ersterer erschien 2011 in der von Wolfram Setz herausgegebenen Reihe Bibliothek rosa Winkel erneut. Über den italienischen Violinisten Niccolò Paganini (1782–1840) und die Jünglingsliebe veröffentlichte Siber ebenfalls eine „psychologische Studie“, die 1914 im Jahrbuch für sexuelle Zwischenstufen erschien. Siber war mit dem norwegischen Schriftsteller und späteren Literaturnobelpreisträger Knut Hamsun (1859–1952) befreundet und widmete sich in Zeitschriftenbeiträgen Fragen der Esoterik und des Okkultismus.

Mitglied des WhK wurde Jules Siber 1912. Kurt Hiller schrieb in einer Besprechung von Sibers Seelenwanderung später, Siber sei um jene Zeit „der Paganini unsrer Komitee-Abende“ gewesen. 1920 wurde er auch zum Obmann des WhK ernannt. Jules Siber starb am 24. Mai 1943 in Berlin.

Weiterführende Literatur

Hiller, Kurt (1914): Wo bleibt der homoerotische Roman?, in: Jahrbuch für sexuelle Zwischenstufen (Jg. 14), S. 338-341

Setz, Wolfram (2011): „Seelenwanderung und okkulter Zauber“, in: Siber, Jules: Seelenwanderung. Mit einem Vorwort von Olaf n. Schwanke und einem Anhang (Bibliothek rosa Winkel 57). Hamburg: Männerschwarm Verlag, S. 165-182