Magnus-Hirschfeld-Gesellschaft e.V. Forschungsstelle zur Geschichte der Sexualwissenschaft

Christian Hansen Schmidt, Verleger

geb. 25.1.1909 (Flensburg) gest. 7.9.1962 (Hamburg)

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Das Emblem des Christian Hansen Schmidt-Verlags.
Über den Lebensweg von Christian Hansen Schmidt liegen bislang nur wenige Angaben vor. Dies ist umso erstaunlicher, als der Verlag Hansen Schmidts in den 1950er Jahren eine der markantesten Einrichtungen der bundesdeutschen „Homophilenbewegung“ war. In dem Verlag erschienen ab 1953 nicht nur die Zeitschriften Humanitas und Hellas, sondern auch freond und Das kleine Blatt sowie Buchtitel wie Strichjunge Karl (1954) von Botho Laserstein (1901–1955). Über den Christian Hansen Schmidt-Verlag konnten ferner mehr als fünfzig Buchtitel der bis damals vorliegenden „Freundschaftsliteratur“ bezogen werden. Erscheinen sollte in dem Verlag ursprünglich auch ein Buchmanuskript unter dem Titel „Gefangene einer verbotenen Liebe! Hinter den Mauern der Gerechtigkeit“, in dem Erwin Haarmann (1915–1972) wohl auch seine eigenen Erfahrungen als Häftling, der nach § 175 StGB verurteilt worden war, reflektierte. Ein Nachwort wurde von Botho Laserstein in Aussicht gestellt.

Wie Charles Grieger (1903–1972), Gerhard Prescha (1909–1996) und andere war auch Christian Hansen Schmidt als Verleger in den 1950er Jahren den Nachstellungen durch Polizei, Justiz und Bundespost sowie die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften ausgesetzt. 1954 wurden zwei Ausgaben von Humanitas unter Verweis auf das „Schmutz- und Schundgesetz“ von der Hamburger Staatsanwaltschaft vorübergehend beschlagnahmt. Als die Behörden dann wenig später Hellas, das „Schwesterprojekt“ der Zeitschrift, in ihr Blickfeld nahmen und verboten, geriet der Verlag Christian Hansen Schmidt-Verlag in eine erhebliche Schieflage, die letztlich in die Einstellung auch von Humanitas und den Konkurs mündete.

Dem vorausgegangen waren erhebliche Auseinandersetzungen auch juristischer Art zwischen dem Verleger Rolf Putziger (1926–1977) und Christian Hansen Schmidt. Putziger hatte in Der Weg (zu Freundschaft und Toleranz) seine Leser vor „minderwertigen Nachahmungen“ seiner Zeitschrift gewarnt, worin Hansen Schmidt einen Angriff auf seine Zeitschrift Hellas sah. Vor dem Landgericht Hamburg konnte er durch eine einstweilige Verfügung erwirken, dass Putziger die Verbreitung seiner abfälligen Äußerung unter Androhung einer Geld- oder Haftstrafe untersagt wurde. Putziger musste auch die Kosten des Verfahrens tragen. Öffentlich kritisiert wurde Christian Hansen Schmidt damals unter anderem von „Reinhard Wolter“, einem Pseudonym, hinter dem sich vermutlich der Bremer Gründer der Internationalen Freundschaftsloge (IFLO) Hans Hurrelmann (1910–1995) verbarg. Auch Rudolf Jung (1907–1972) hielt sich im Schweizer Kreis nicht mit Kritik an der „undurchsichtigen“ Geschäftsführung der Zeitschrift Humanitas und damit Christian Hansen Schmidts zurück.

Christian Hansen Schmidt hatte ursprünglich eine Ausbildung zum Opern- und Konzertsänger gemacht. Von ihm sind keine namentlich gezeichneten Beiträge in Humanitas erschienen. Als Herausgeber der Zeitschrift bediente er sich des Pseudonyms „Christian Schmieden“. Nach dem Zusammenbruch seines Verlags betrieb Hansen Schmidt ab Herbst 1955 zusammen mit seinem Geschäftspartner Erwin Haarmann das Hamburger Szenelokal „Bronzekeller“ (Neustädter Straße 27-29), das in unmittelbarer Nachbarschaft zur Wohnung der beiden lag.

Das Haus in der Neustädter Straße 48 in Hamburg, das über längere Zeit Christian Hansen Schmidt und seinem Mitarbeiter, dem Redakteur Erwin Haarmann als Wohnadresse diente, war nicht nur Sitz des Christian Hansen Schmidt-Verlages, sondern auch der Gesellschaft für Menschenrechte (GfM). Es wurde 1958 abgerissen und durch einen eingeschossigen Neubau ersetzt.

Christian Hansen Schmidt starb am 7. September 1962 in Hamburg-Eimsbüttel.

Weiterführende Literatur

J., R. [d.i. Jung, Rudolf] (1955): Offener Brief an meine deutschen Kameraden, in: Der Kreis (Jg. 23), Nr. 10 (Oktober), S. 15-16.

Lorenz, Gottfried (2010): Hamburg als Homosexuellenhauptstadt der 1950er Jahre. Die Homosexuellenszene und ihre Unterstützer für die Abschaffung des § 175 StGB, in: Pretzel, Andreas und Volker Weiß (Hrsg.): Ohnmacht und Aufbegehren. Homosexuelle Männer in der frühen Bundesrepublik (Edition Waldschlösschen, 9). Hamburg: Männerschwarm Verlag, S. 117-151.

Rosenkranz, Bernhard und Gottfried Lorenz (2005): Hamburg auf anderen Wegen. Die Geschichte des schwulen Lebens in der Hansestadt. Hamburg: Lambda Edition.

Rosenkranz, Bernhard, Ulf Bollmann und Gottfried Lorenz (2009): Homosexuellenverfolgung in Hamburg 1919–1969. Hamburg: Lambda Edition.

Schlüter, Bastian, Karl-Heinz Steinle und Andreas Sternweiler (2008): Eberhardt Brucks. Ein Grafiker in Berlin. Berlin: Schwules Museum.

Wolfert, Raimund (2020): Gerhard Prescha (1909–1996), ein Verleger der deutschen „Homophilenbewegung“, in: Mitteilungen der Magnus-Hirschfeld-Gesellschaft, Nr. 65/66, S. 59-69.

Wolfert, Raimund (2022): Zwischenspiel. Anmerkungen zu einem Kapitel aus der ungeschriebenen Geschichte der „Homophilenzeitschrift“ Der Weg, in: Mitteilungen der Magnus-Hirschfeld-Gesellschaft, Nr. 69/70, S. 62-68.

Wolfert, Raimund (2025): Erwin Haarmann (1915–1972). Annäherungen an einen „kämpferischen Typ“, den man zur Strecke bringen wollte, in: Mitteilungen der Magnus-Hirschfeld-Gesellschaft (Nr. 75/76), S. 78-103.

Wolter, R[einhard] (1954): Erklärung, in: Der Weg (Jg. 4), Nr. 6, S. 227 [Bei der Namensform „R. Wolter“ handelt es sich offenbar um einen Schreibfehler, gemeint dürfte „R. Walter“ gewesen sein].