Magnus-Hirschfeld-Gesellschaft e.V. Forschungsstelle zur Geschichte der Sexualwissenschaft

Friedrich Rickel, Vertreter, Lagerverwalter

geb. 21.3.1914 (Bremen) gest. 4.2.2008 (Bremen)

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Friedrich Rickel (1914–2008), o.J.
Friedrich Rickel wurde am 21. März 1914 als Sohn eines Schlossers und dessen Ehefrau in Bremen geboren. Ab dem 14. Lebensjahr absolvierte er eine Lehre als Maschinenschlosser, nach dem Zweiten Weltkrieg war er aber vornehmlich als Jugendhelfer und dann als Vertreter, Expedient und Lagerverwalter bei den Borgward-Werken und schließlich als Nachtportier und Verwaltungsmitarbeiter einer Berufsfachschule in Bremen tätig.

Rickel engagierte sich früh in der sozialistischen Jugendbewegung und wurde als Mitglied einer antifaschistischen Organisation bereits im März 1933 verhaftet und wegen vermeintlichen Landfriedensbruchs zu einem Jahr Gefängnis verurteilt. 1936 wurde er ein zweites Mal verhaftet und wegen „Vorbereitung zum Hochverrat“ zu vier Jahren Zuchthaus verurteilt. Nach der Haftverbüßung wurde er in das Strafbataillon 999 einberufen, und im Mai 1945 geriet er auf der griechischen Insel Rhodos in britische Kriegsgefangenschaft. Erst 1947 konnte er aus einem Internierungslager in Ägypten in seine Heimatstadt zurückkehren.

Ende der 1940er Jahre lernte Rickel seinen späteren Lebenspartner Günter Lieder (1929–2011) kennen. Die Ehe, die er 1941 aus Opportunitätsgründen eingegangen war und aus der eine Tochter hervorging, wurde 1953 geschieden. Rickel wurde 1948 Mitglied der SPD und fungierte in den 1950er Jahren als Erster Vorsitzender der Internationalen Freundschaftsloge (IFLO), die am 22. September 1951 gegründet worden war. Anders als die ihr übergeordnete Gesellschaft für Menschenrechte (GfM), die zunächst den Namen „Weltbund für Menschenrechte“ trug, hatte die IFLO ein dezidiert „homophiles“ Profil. Sie sollte ihren überwiegend männlichen Mitgliedern ein Hort der Geselligkeit, Unterhaltung und des Gedankenaustausches sein und organisierte Feiern, Vorträge und Diskussionsabende, die in einer leerstehenden Etage des Hotels „Zur Schleifmühle“ (Außerhalb der Schleifmühle 67) stattfanden. Dienstags gab es einen sogenannten „Damenabend“ in einem separaten Raum.

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Das Signet der Bremer IFLO mit dem eingravierten Sinnspruch „Ehret und achtet die Freundschaft“. Spiegelverkehrte Abbildung der erhaltenen Druckvorlage. © stilbrand C. Siebke.
Nachdem Rickel Kontakt mit dem Hamburger Verleger Rolf Putziger (1926–1977) aufgenommen hatte, wurde dessen Zeitschrift Die Insel bzw. Der Weg (zu Freundschaft und Toleranz) zum „Bundesorgan“ der IFLO ausgebaut. In der Folge gründeten sich mehrere „Tochterlogen“ der IFLO in bundesdeutschen Städten wie Hamburg, Stuttgart, Berlin, Köln, München und Schweinfurt. Zu ihrer „Hochzeit“ dürfte die IFLO in Bremen allein etwa 150 Mitglieder gezählt haben. Dank ihrer „gebefreudigen“ Mitglieder konnte die IFLO auch den zweiten internationalen Kongress für sexuelle Gleichberechtigung, den das International Committee for Sexual Equality (ICSE) im Herbst 1952 in Frankfurt am Main abhielt, zur Hälfte finanzieren.

1953 verstummte die IFLO in der Zeitschrift Der Weg für einen Zeitraum von mehr als einem Jahr. In der Zwischenzeit konzentrierte sie sich auf die Konzeption und Herausgabe einer eigenen Zeitschrift, die als „offizielles Organ der Gesellschaft für Menschenrechte“ erschien: Humanitas. Als Redakteure fungierten Friedrich Rickel und „J. Baumgärtel“ – vermutlich ein Pseudonym von Hans Hurrelmann (1910–1995) –, doch bereits zum Jahresende 1953 ging die redaktionelle Verantwortung in die Hände von Erwin Haarmann (1915–1972) und Christian Hansen Schmidt (1909–1962) in Hamburg über. Hansen Schmidt hatte den Alleinvertrieb der Zeitschrift im Oktober 1953 übernommen. Mit eigenen namentlich gezeichneten Beiträgen in Humanitas trat Friedrich Rickel nie in Erscheinung.

Die Bremer IFLO geriet nach dem Wechsel von Humanitas von Bremen nach Hamburg in eine tiefe Krise. Sie versuchte vorübergehend, mit dem Frankfurter Verein für humanitäre Lebensgestaltung (VhL) zu fusionieren, doch warb die „IFLO-Sektionsleitung Nord“ ab Sommer 1954 wieder um eigene Mitglieder im alten „Bundesorgan” der IFLO Der Weg. Friedrich Rickel zog sich ab 1957 aus der aktiven Mitarbeit in der IFLO zurück. Zu diesem Zeitpunkt hatte die Organisation noch immer etwa 50 Mitglieder. Der Vereinsnachlass der IFLO ging vermutlich bei einer Sturmflut Anfang der 1960er Jahre verloren.

Friedrich Rickel starb am 4. Februar 2008 in Bremen. Die Beziehung zu seinem Lebenspartner Günter Lieder hielt er bis zu seinem Tod aufrecht. Das Freundespaar bemühte sich nie um die staatliche Registrierung ihrer Partnerschaft, was nach Inkrafttreten des Lebenspartnerschaftsgesetzes im Herbst 2001 möglich gewesen wäre, da Rickel erklärter Gegner der sogenannten „Homo-Ehe“ war. Die Urne Günter Lieders wurde 2011 gleichwohl im Grab Friedrich Rickels beigesetzt.

Mit eigenen, namentlich gezeichneten Artikeln in Humanitas trat Friedrich Rickel nicht in Erscheinung.

Weiterführende Literatur

Wolfert, Raimund (2011): Mehr als tanzen, tunten, schwuchteln, sich bewundern lassen. Die Internationale Freundschaftsloge (IFLO) im Kampf gegen ein „törichtes“ Gesetz, in: Mitteilungen der Magnus-Hirschfeld-Gesellschaft Nr. 48 (Dezember 2011), S. 29-52.

Wolfert, Raimund (2012): Zur Geschichte der Internationalen Freundschaftsloge (IFLO). Ein Nachtrag, in: Mitteilungen der Magnus-Hirschfeld-Gesellschaft Nr. 49 (August 2012), S. 38-51.

Wolfert, Raimund (2025): Zeugnisse einer vergangenen „Clubkultur“. Eine Fotostrecke aus dem Umfeld der Bremer Internationalen Freundschaftsloge (IFLO). In: Mitteilungen der Magnus-Hirschfeld-Gesellschaft Nr. 75/76 (November 2025), S. 75-77.