Horst Pommerening, Dr. jur., Rechtsanwalt
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Zum Staatsanwalt wurde Horst Pommerening im Juli 1945 ernannt. Zunächst arbeitete er für die Frankfurter Stadtverwaltung, dann trat er in die Justizverwaltung des Landes Hessens ein. Im Zuge eines mehrmonatigen Aufenthaltes in den USA, in dem er für das Executive Office of the President arbeitete, erwarb er sich 1947 gute Englischkenntnisse und veröffentlichte später auch im American Journal of International Law.
Um 1950 machte sich Horst Pommerening im Umfeld des Frankfurter Arztes Hans Giese (1920–1970) für eine Reform des § 175 StGB. Den Vater Gieses kannte er bereits aus der Zeit vor 1945, denn an der Frankfurter Universität war er als Referendar mehrere Semester dessen Assistent gewesen. Horst Pommerening engagierte sich in der frühen Nachkriegszeit neben den „Homosexuellenanwälten“ Erich Schmidt-Leichner (1910–1983) und Alf bzw. John Adolf Block (1908–?) auch in der Frankfurter Gesellschaft für Bürgerrechte. Hier fungierte er als zweiter Vorsitzender nach Konrad Mommsen. Die Gesellschaft für Bürgerrechte sprach sich 1951 in einem Kurzmemorandum, das sie dem hessischen Ministerpräsidenten überreichte, ebenfalls für die Reform des Paragrafen § 175 StGB, der männliche Homosexualität mit Strafe belegte, und ein Ende aller einschlägigen Verfahren aus.
Die „Eingabe an die Gesetzgebenden Organe in Bonn betr. §§ 175, 175a StGB“, die 1953 nebst Äußerungen von Hans Giese und Horst Pommerening in Humanitas abgedruckt wurde, sollte ursprünglich um weitere Ausführungen ergänzt werden. Doch ließ die Zeitschrift in der Folgeausgabe (Nr. 2/1953, S. 6) verlauten, man sei aus verlagsrechtlichen Gründen nicht mehr in der Lage, den Beitrag fortzusetzen. Vermutlich hatten Pommerening und/oder Giese – ähnlich wie Giese dies im Fall von Gerhard Preschas (1909–1996) Zeitschrift Der Ring drei Jahre später tat – Protest eingelegt.
Anfang 1952 wurde Horst Pommerening als Legationssekretär in den diplomatischen Dienst der Bundesrepublik Deutschland einberufen. Zunächst war er Vizekonsul der BRD in Neu-Delhi (Indien), dann Konsul am Generalkonsulat in der britischen Kronkolonie Hongkong, und 1961 übernahm er die Leitung des Konsulats in Belo Horizonte bzw. Recife (Brasilien). 1967 wurde er zum Vortragenden Legationsrat Erster Klasse ernannt, und ein Jahr später legte er eine Studie zum chinesisch-sowjetischen Grenzkonflikt vor. Anfang 1971 sollte Pommerening von Bonn aus als Gesandter an die Botschaft in Moskau (RUS, damals Sowjetunion) versetzt werden, doch dazu kam es nicht mehr.
Horst Pommerening war offenbar nicht homosexuell. Er war seit Oktober 1957 verheiratet. Ende 1970 trat er einen mehrwöchigen Kuraufenthalt in Badenweiler (Hochschwarzwald) an, in dem er durch Suizid aus dem Leben schied.
Veröffentlichungen
Pommerening, Horst (1949): [Rezension zu:] Deutschlands Rechtslage. By Rolf Stödter [auf Englisch], in: The American Journal of International Law (Jg. 43), Nr. 3 (Juli), S. 609.
Pommerening, Horst (1949): Bericht über die Erfahrungen während eines Studienaufenthaltes bei der Bundesverwaltung der Vereinigten Staaten, in: Hessisches Ministerium für Erziehung und Volksbildung (Hrsg): Die politischen Wissenschaften an den deutschen Universitäten und Hochschulen. Wiesbaden: Hessisches Ministerium für Erziehung und Volksbildung, S. 113-116.
Pommerening, Horst (1950): Die Rechtslage des Lehrstandes. Referat anläßlich der Vertreterversammlung des Landesverbandes Hessen der GEW am 2. April 1950 in Marburg, in: Archiv der Sozialen Demokratie (AdsD), Bonn, GEW-Hauptvorstand, 3/040012.
Pommerening, Horst (1950): Ergebnis der Arbeitstagung vom 11. April 1950, in: Zeitschrift für Sexualforschung (Jg. 1), Nr. 3/4, S. 316-326 [siehe auch: Pommerening, Horst: Ergebnis der Arbeitstagung vom 11.4.1950, in: Humanitas 1953 (Jg. 1), Nr. 1 (Juli), S. 3].
Pommerening, Horst (1951): Der Einfluss der Grundrechte des Bonner Grundgesetzes auf die praktische Polizeiarbeit. Polizei und Meinungs-, Versammlungs- und Vereinsfreiheit. Zwei Vorträge. Frankfurt/Main: [Arbeitsgemeinschaft des kommunalen Polizeichefs in Hessen] .
Pommerening, Horst (1968): Der chinesisch-sowjetische Grenzkonflikt. Das Erbe der Ungleichen Verträge. Olten & Freiburg (im Breisgau): Walter.
Weiterführende Literatur
[Anonym] (1950): Eingabe an die Gesetzgebenden Organe des Bundes in Bonn betr. §§ 175, 175a StGB, in: Zeitschrift für Sexualforschung (Jg. 1), Nr. 3/4, S. 311-332.
[Anonym] (1953): Eingabe an die Gesetzgebenden Organe des Bundes in Bonn betr. §§ 175, 175a StGB. (Zur Lage in Deutschland), in: Humanitas (Jg. 1), Nr. 1 (Juli), S. 2.
[Anonym] (1953): An unsere Leser, in: Humanitas (Jg. 1), Nr. 1 (Juli), S. 6.
[Anonym] (1970): Legationsrat vermisst [Kurzmeldung], in: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28.12.1970.
[Gesellschaft für Bürgerrechte, Frankfurt am Main] (1952): Kurzmemorandum zur Frage der Verfolgung von Straftaten gegen 175 StGB [unterzeichnet von John Adolf Block, Karl W. O. Daniel, Hans Henrich, Konrad Mommsen, Horst Pommerening, H. Schmidt und Erich Schmidt-Leichner], in: Der Weg zu Freundschaft und Toleranz: Eine Monatsschrift (Bundesorgan des Weltbundes für Menschenrechte, angeschlossen: Internationale Freundschaftsloge) (Jg. 2), Nr. 11, S. 24-28.
Koppel, Thomas Paul (1972): Sources of change in West German Ostpolitik. The grand coalition, 1966–1969 [PhD diss., University of Wisconsin].
Plogmann, Bernd (1971): „Du weißt, daß ich eine andere liebe“. Das schrieb der seit 18 Tagen verschwundene Diplomat an seine Frau, in: Bild-Zeitung, 9.1.1971.
Wolfert, Raimund (2020): Gerhard Prescha (1909–1996), ein Verleger der deutschen „Homophilenbewegung“, in: Mitteilungen der Magnus-Hirschfeld-Gesellschaft, Nr. 65/66, S. 59-69, hier S. 63.
Weitere Archivalien
P 14 Personalakte Neues Amt: Horst Pommerening, Politisches Archiv des Auswärtigen Amts (PAAA), Berlin, P 14/55187.
