Konstantin [Berthold] Ortloff, Journalist
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Ortloff benutzte bei seinen Veröffentlichungen verschiedene Akronyme und Pseudonyme (so etwa: „korf“, „Foltro“ bzw. „Ffoltro“, was dem Namen Ortloff rückwärts gelesen entspricht, „Harry Stein“ und „Oliver Masturba“). Aber er verfasste – was für seine Zeit ungewöhnlich ist – auch auffallend viele seiner Beiträge unter seinem Klarnamen, wobei er allenfalls seinen Vornamen mit „K.“ abkürzte. Gleichzeitig baute er in seine Texte immer wieder auch Bezüge zu seiner Heimatstadt Würzburg ein. Für viele Vertreter der nachkommenden Generation der „Schwulen“ galt Ortloff gleichwohl als „Vielschreiber von Homo-Story-Banalitäten“.
Konstantin Ortloff hatte einen jüngeren Bruder, Ludwig Ortloff (1921–1941) der ebenfalls homosexuell war, zur Zeit des Nationalsozialismus nach § 175 RStGB kriminalisiert wurde und 1941 im KZ Mauthausen (Österreich) ums Leben kam. Ortloff behauptete später, der gewaltsame Tod seines Bruders sei die zentrale Begebenheit gewesen, die ihn veranlasst habe, sich überhaupt als „Homopublizist“ zu engagieren. Auffallend ist aber, dass er die Verurteilung und die anschließende KZ-Haft seines Bruders in seinen Publikationen nie explizit thematisiert hat. In Humanitas veröffentlichte Konstantin Ortloff 1953 nur einen einzigen Beitrag.
Noch um 1970 verstand sich Konstantin Ortloff als Linker, der mit den etablierten politischen Parteien der Bundesrepublik Deutschland haderte. Erhebliche Vorbehalte hatte er insbesondere gegenüber der SPD. Ende der 1990er Jahre distanzierte sich Ortloff dann aber deutlich von seinem früheren politischen Engagement. Nicht nur vom Thema Homosexualität wollte er nun nichts mehr wissen. Er bekannte auch, dass er jetzt mit dem rechtsextremen Politiker, Journalist und Autor Franz Xaver Schönhuber (1923–2005), dem Mitbegründer und Bundesvorsitzenden der Partei Die Republikaner, sympathisiere. In dessen Sinne schreibe er Leserbriefe, unter anderem an den Stern und Nation & Europa.
Veröffentlichungen (Auswahl)
Ortloff, K[onstantin] (1953): Warum?, in: Humanitas (Jg. 1), Nr. 3 (September), S. 7.
Ortloff, K[onstantin] (1954): Der Boxer, in: Der Weg zu Freundschaft und Toleranz (Jg. 4), Nr. 10 (Oktober), S. 355.
Ortloff, Konstantin (1982): Sprachlos war die Liebe nie. Skizzen einer dunklen Zeit, in: Hohmann, Joachim S. (Hrsg.): Keine Zeit für gute Freunde. Homosexuelle in Deutschland 1933–1969. Ein Lese- und Bilderbuch. Berlin: Foerster 1982, S. 43-49.
Ortloff, Konstantin (1982): Von vielem enttäuscht, in: Hohmann, Joachim S. (Hrsg.): Keine Zeit für gute Freunde. Homosexuelle in Deutschland 1933–1969. Ein Lese- und Bilderbuch. Berlin: Foerster 1982, S. 188-189.
Weiterführende Literatur
Wolfert, Raimund (2024): In memoriam Ludwig Ortloff (1921–1941). In: Mitteilungen der Magnus-Hirschfeld-Gesellschaft, Nr. 73/74, S. 38-39.
Wolfert, Raimund (2024): Konstantin Ortloff (1913–2003), ein zwiespältiger Autor der deutschsprachigen Homophilenbewegung. Eine biografische Skizze, in: Mitteilungen der Magnus-Hirschfeld-Gesellschaft, Nr. 73/74, S. 39-51.
