Magnus-Hirschfeld-Gesellschaft e.V. Forschungsstelle zur Geschichte der Sexualwissenschaft

Siegfried Merzbach, Kaufmann

geb. 1.12.1870 (Offenbach) gest. 28.2.1936 (Berlin)

Zur Biografie

Siegfried Merzbach wurde 1870 im hessischen Offenbach in eine angesehene und weitverzweigte, offenbar liberale jüdische Familie geboren. Die Eltern hatten als Cousin und Cousine geheiratet. Der Großvater mütterlicherseits und Großonkel väterlicherseits war Selig Siegmund Merzbach (1805–1869), der 1832 das Bankhaus Merzbach gegründet hatte. Zu einem nicht näher genannten Zeitpunkt soll Siegfried Merzbach zum Katholizismus konvertiert sein. Vermutlich tat er dies um 1905 aus Anlass seiner Eheschließung mit Marie Krämer (1880–1960).

Wann genau Siegfried Merzbach nach Berlin gezogen ist, hat sich noch nicht ermitteln lassen. Noch 1902 wohnte er im bayrischen Mittelsinn und meldete von hier aus in Paris ein Patent für ein Verfahren zur Herstellung von Verschlussknöpfen für Brieftaschen und ähnliche Gegenstände an. Spätestens ab 1906 wohnte Siegfried Merzbach als Ingenieur und Hypothekenmakler zusammen mit seiner Frau in Wilmersdorf (Güntzelstraße 44), und um diese Zeit gehörte er dem Unabhängigen Orden Bne Briss (U.O.B.B.) – heute B’nai B’rith – an, der sich der Förderung von Toleranz, Humanität und Wohlfahrt verschrieben hat. Später zog die Familie nach Schöneberg in die Martin-Luther-Straße 49. Siegfried Merzbachs letzte Anschrift in Berlin lautete Eisenacher Straße 63 (Schöneberg).

Im Jahrbuch für sexuelle Zwischenstufen wird Siegfried Merzbach ab 1908 mehrfach genannt. Zum Obmann des Wissenschaftlich-humanitären Komitees (WhK) wurde er am 1. November 1907 erstmals gewählt. Die Position hielt er bis mindestens 1920 bei.

Siegfried und Marie Merzbach hatten vier Kinder, unter ihnen einen Sohn, Herbert Merzbach (1905–1986), der später katholischer Priester in Frankreich und den USA wurde, und eine Tochter, die nach ihrer Emigration aus Deutschland unter ihrem Namen Elizabeth Gallinek (?–1972) als Ärztin in New York praktizierte. Herbert Merzbach starb als Rev. H. Merzbach in Nampa, Idaho. Dort wurde 1960 auch seine Mutter Marie [jetzt: Maria] Merzbach beigesetzt. Sie war 1947 von Berlin aus in die USA übergesiedelt, wo sie zunächst einige Jahre in New York lebte, bevor sie zu ihrem Sohn nach Idaho zog.

Weiterführende Literatur

Monatsbericht des Wissenschaftlich-humanitären Komitees vom 1.11.1907 (Jg. 6, Nr. 11), S. 212.