Magnus-Hirschfeld-Gesellschaft e.V. Forschungsstelle zur Geschichte der Sexualwissenschaft

Oluf Martensen-Larsen, Dr. med., Arzt, Psychiater

geb. 3.12.1912 (Kopenhagen, DK) gest. 18.4.2000 (vermutl. Kopenhagen, DK)

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Oluf Martensen-Larsen, o.J. Unbekannter Fotograf.
Oluf Martensen-Larsen wurde am 3. Dezember 1912 als Sohn eines Domprobstes und dessen Frau im dänischen Kopenhagen geboren. Er ließ sich zum Arzt ausbilden und spezialisierte sich früh auf das Gebiet der Psychiatrie, wobei er sich etwa fünfzig Jahre seines Lebens mit der Geschwisterforschung beschäftigte. Ab den frühen 1950er Jahren untersuchte er die Familienverhältnisse von ca. 15.000 Probanden in Dänemark und Schweden, um herauszufinden, inwiefern die Tatsache, dass sie als Einzelkinder oder in Mehrkindfamilien aufgewachsen waren, sie geprägt hatte. Im Vordergrund stand für ihn dabei das Problem des Alkoholismus.

Schon in den 1940er Jahren hatte sich Martensen-Laren mit dem damals neu entwickelten Präparat Antabus beschäftigt, das in der Behandlung von Alkoholikern eingesetzt wurde. Später arbeitete er mit dem Präparat Apomorphin. Martensen-Larsen erkannte früh, dass eine medikamentöse Behandlung allein nicht ausreiche, sondern dass zusätzlich eine psychosoziale Betreuung nötig sei. 1948 gründete er die dänische Interessenorganisation für Patienten „Ring i Ring“ (dt. „Ring im Ring“).

Auf dem Brüsseler Kongress des International Committee for Sexuality (ICSE) hielt Oluf Martensen-Larsen 1958 einen Vortrag unter dem Titel „The Difference between the Family Constellation in Homosexuality and Other Psychological Deviations“. Offenbar trat er hier in weiblicher Begleitung auf – mit seinem „lady-collaborator“, wie es in den Unterlagen des ICSE hieß. Die Organisation kündigte den Vortrag intern mit der Wiedergabe eines entsprechenden Artikels an, den Martensen-Larsen im Jahr zuvor in der Zeitschrift Acta Genetica et Statistica Medica veröffentlicht hatte und in dem er sich unter anderem auf die Forschungen des deutschen Rassenhygienikers Theobald Lang (1898–1957) bezog. Hier behauptete Martensen-Larsen unter anderem, Homosexualität sei in der Mehrheit der Fälle „eine psychologische Folge davon, dass Kinder in einer ungesunden, unisexuellen Atmosphäre aufwachsen.“

Zusammen mit der dänischen Journalistin Kirsten Sørrig (geb. 1957) schrieb Oluf Martensen-Larsen später das Buch Forstå dit ophav og bliv fri (1989, dt. „Verstehe deine Herkunft und werde frei“), das in zahlreiche Sprachen übersetzt wurde und ihn auch international bekannt machte. Auf Deutsch erschien das Buch 1991 unter dem Titel „Große Schwester, kleiner Bruder. Prägung durch die Familie“.

Oluf Martensen-Larsen war mit Else Martensen-Larsen (1911–1996) verheiratet, die ab 1962 mit dem Dienstgrad Oberst in der dänischen Luftwaffe tätig war. Sie schuf das dänische „weibliche Fliegerkorps“ (Kvindeligt Fyverkorps). Oluf Martensen Larsen starb am 18. April 2000, vermutlich in Kopenhagen, und wurde neben seiner vier Jahre vor ihm verstorbenen Frau auf dem „Snesere Kirkegård“ in Næstved, etwa 100 km südwestlich von Kopenhagen, beigesetzt.

Schriften (Auswahl)

Martensen-Larsen, Oluf (1957): The Familiy Constellation and Homosexualism, in: Acta Genetica et Statistica Medica, Nr. 7, S. 445-446, schriftliche Wiedergabe im ICSE-Newsletter hier.

Martensen-Larsen, Oluf und Kirsten Sørrig (1991): Große Schwester, kleiner Bruder. Prägung durch die Familie. Wie man Schlüsselereignisse in der eigenen Familiengeschichte erkennen, interpretieren und für den eigenen Lebensweg nutzen lernt. Mit einem Vorwort von Peter Kutter. Bern u.a.: Scherz.

Weiterführende Literatur

Anonym (1958): [Ankündigung des Vortrags von Oluf Martensen-Larsen], in: ICSE Periodical Newsletter, Nr. 4 (April 1958), S. 1-2, online hier, mit anschließender Zusammenfassung (2 S.), online hier.

Anonym (1958): Brief minutes of the business session of the I.C.S.E. at Brussels, 1958, online hier.

Martensen-Larsen, Annette (2016): My Father Oluf Martensen-Larsen, auf: Apomorphine, a forgotten treatment for alcoholism.

Torp, Niels (2000): Martensen-Larsen, Oluf [Kurzeintrag], in: Den danske Lægestand (17. Ausg.). København: Lægeforeningens forlag, S. 1270.