Magnus-Hirschfeld-Gesellschaft e.V. Forschungsstelle zur Geschichte der Sexualwissenschaft

Heinz Liehr, Journalist, Dressman

geb. 24.1.1917 (Berlin) gest. 11.9.1990 (Positano, Italien)

Zur Biografie

Heinz (Fritz Siegfried) Liehr wurde am 24. Januar 1917 in Berlin-Neukölln geboren. Über seinen frühen Lebensweg ist so gut wie nichts bekannt, so ist auch nicht belegt, ob und zu welchem Beruf er sich ausbilden ließ. Um 1950 lernte Liehr den Hamburger Konstitutionsbiologen Willhart S. Schlegel kennen, der nach einer Tuberkuloseinfektion zeitweise pflegebedürftig war. Die beiden gingen eine Lebensbeziehung ein, die indes 1984 im Streit zerbrach.

Insbesondere in den Anfangsjahren ihrer Beziehung übte Liehr verschiedenen Tätigkeit für Schlegel aus, so war er als sein Assistent, Privatsekretär und Chauffeur tätig. In einer dieser Funktionen dürfte er Schlegel auch auf den Brüsseler Kongress des International Committee for Sexual Equality (ICSE) begleitet haben, wo dieser einen Vortrag hielt.

Auf dem Kongress begegneten Liehr und Schlegel dem Journalisten Johannes Werres kennen, und bald gingen die drei eine private wie berufliche Dreiecksbeziehung ein. Ab etwa 1960 wohnten sie gemeinsam im hessischen Kronberg (Taunus), wo Schlegel als selbsternannter Leiter eines von ihm gegründeten „Instituts für Konstitutionsbiologie und menschliche Verhaltensforschung“ fungierte. Liehr und Werres unterstützten Schlegel bei seiner Arbeit und schrieben zahlreiche Artikel und Beiträge für die deutschsprachige Homophilen- und Schwulenpresse. Heinz Liehr bediente sich dabei mehrerer Pseudonyme, von denen „Rico di Positano“ das bekannteste war. Unter diesem „Namen“ veröffentlichte er auch softpornografische Erzählungen. Im Übrigen war er als Dressman für deutsche und niederländische Modefirmen tätig, und zusammen mit Johannes Werres übersetzte er Bücher aus dem Niederländischen.

Anfang der 1980er Jahre besuchte Ralf Dose Heinz Liehr und Johannes Werres in Kronberg, weil die beiden der Magnus-Hirschfeld-Gesellschaft ursprünglich einen Teil ihres Archivs verkaufen wollten. Dazu ist es dann aber aus finanziellen und anderen Gründen nicht mehr gekommen. Als die Beziehung zwischen Heinz Liehr und Willhart S. Schlegel 1984 zerbrach, zogen Liehr und Werres nach Italien und ließen sich in Positano südlich von Neapel nieder. Um ihr Lebensende rankten sich lange Zeit Gerüchte und Vermutungen. So hieß es, beide seien 1990 plötzlich verschwunden. Dabei wurde die Frage aufgeworfen, ob sie einem Verbrechen oder einem Unfall zum Opfer gefallen waren.

Weder das eine noch das andere war richtig. Heinz Liehr starb am 11. September 1990 in Positano, knapp vier Monate nach seinem Freund und Lebensgefährten Johannes Werres. Die sterblichen Überreste der beiden wurden in zwei getrennten, aber benachbarten Ossarium-Nischen der Kapelle auf dem Friedhof in Positano beigesetzt.

Weiterführende Literatur

Hergemöller, Bernd-Ulrich (2010): Werres, Johannes, in: Hergemöller, Bernd-Ulrich (Hrsg.): Mann für Mann. Biographisches Lexikon zur Geschichte von Freundesliebe und mannmännlicher Sexualität im deutschen Sprachraum (zwei Bände). Münster/Berlin: Lit-Verlag, S. 752.

Kay, Ernest. Hrsg. (1986): The International Authors and Writers Who’s Who (10. Ausgabe). Cambridge (GB): International Biographical Centre, S. 380.

Werres, Johannes (1990): Als Aktivist der ersten Stunde. Meine Begegnungen mit homosexuellen Gruppen und Zeitschriften, in: Capri. Zeitschrift für schwule Geschichte (Jg. 3), Nr. 1, S. 33-51.

Internetquellen

Scheda anagrafica sepolture [Registerblatt zur Beisetzung], auf der Website der Gemeinde Positano: positano.sa.it.