Magnus-Hirschfeld-Gesellschaft e.V. Forschungsstelle zur Geschichte der Sexualwissenschaft

Jef Last, Schriftsteller und Journalist

geb. 2.5.1898 (Den Haag, Niederlande) gest. 15.2.1972 (Laren, Niederlande)

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Jef Last, o.J. Unbekannter Fotograf.
Jef Last – eigentlich Josephus Carel Franciscus Last – wurde am 2. Mai 1898 im niederländischen Den Haag in eine wohlhabende bürgerliche Familie geboren. Schon in jungen Jahren entwickelte er sich zu einem „Rebell“ und stürzte sich auf die Literatur von französischen Sozialisten und Utopisten. Die Russische Revolution war für ihn der Anstoß, sich mit dem Werk von Karl Marx zu beschäftigen, und 1917 wurde er Mitglied der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei (SCAP, Sociaal-Democratische Arbeiderspartij).

1918 nahm Jef Last ein Studium der chinesischen Sprache an der Universität in Leiden auf. Er brach das Studium aber schon im Folgejahr ab, um seinen Wehrdienst bei der Marine zu absolvieren. Anschließend wurde er in vielen Berufen tätig, so etwa in einer Kunstseidenfabrik, und er verbrachte auch mehrere Monate in den USA.

Von 1923 bis 1938 war Last (zum ersten Mal) mit der Lehrerein Ida ter Haar (1893–1982) verheiratet und wurde Vater von drei Töchtern. Im Lauf der 1920er Jahre radikalisierte er sich politisch. Er veröffentlichte zahlreiche Artikel in niederländischen Zeitschriften wie Het Volk, De Socialistische Gids und Eenheid, veröffentlichte aber auch erste Gedichte. Seinem ersten Buch Verzen (1926) sollten zahlreiche weitere Bücher mit Gedichten, Prosa, Artikeln und Reportagen folgen.

Unzufrieden über die Politik der SDAP gegenüber Niederländisch-Indien, engagierte sich Last immer stärker im antikolonialen und revolutionären Kampf, und 1930 löste er sich von der SDAP. Stattdessen wurde er vorübergehend Mitglied der Revolutionären Sozialistischen Partei (RSP, Revolutionair-Socialistische Arbeiderspartij). Last setzte sich zusammen mit seiner Frau in verschiedenen Organisationen praktisch für die Entwicklungsarbeit und die Unterstützung schwer erziehbarer Kinder ein. Anfang der 1930er Jahre war er auch Redakteur der Zeitschrift De Baanbreker und veröffentlichte zusammen mit anderen einen Aufruf zur Schaffung von revolutionärer Literatur. Erstes konkretes Ergebnis dieses sich selbst und anderen auferlegten Zieles war sein Theaterstück Hollands Welvaren (1935).

Nach einem Bruch mit der RSP konzentrierte sich Jef Last ganz auf sein schriftstellerisches Schaffen, und in den folgenden Jahren legte er jedes Jahr regelmäßig einen neuen Roman, einen Band Gedichte sowie Dutzende von Artikeln in nationalen wie internationalen Zeitungen und Zeitschriften vor.

In den 1930er Jahren war Jef Last stark von den politischen und gesellschaftlichen Verhältnissen und Veränderungen in der Sowjet-Union beeindruckt. Er begann, als niederländischer Referent bei der Internationalen Vereinigung revolutionärer Schriftsteller in Moskau zu arbeiten, unternahm eine große Reise durch den Ural und wurde schließlich Mitglied der Kommunistischen Partei der Niederlande (CPN).

Last reiste auch häufig nach Paris, um deutschen Flüchtlingen zu helfen, und er freundete sich mit französischen Schriftstellern wie André Malraux (1901–1976) und André Gide (1869–1951) an. Unter Gides Einfluss schrieb er den Roman Zuiderzee (1934), in dem er zum ersten Mal das Thema Homosexualität aufgriff. Mit Gide zusammen unternahm der bisexuelle Last auch eine weitere Reise in die UdSSR.

Last beteiligte sich zusammen mit seinem deutsch-baltischen Freund, dem Hochstapler und Schriftsteller Harry Domela (1904/5–1979), der seinerzeit als „der falsche Prinz“ bekannt war, an Kämpfen im Spanischen Bürgerkrieg. Er distanzierte sich aber innerlich immer weiter von der dort betriebenen kommunistischen Politik. Als ihn ein Kriegsgericht Ende 1937 zum Tode verurteilte, gelang es Last, nach Skandinavien zu fliehen, wo er unter anderem von Willy Brandt (1913–1992) unterstützt wurde, indem dieser ihn als Dolmetscher arbeiten ließ.

1940 erschien Jef Lasts dokumentarischer Roman über Skandinavien Kinderen van de middernachtszon (Kinder der Mitternachtsonne), und im selben Jahr gründete er in den Niederlanden zusammen mit anderen die illegale Zeitschrift De Vonk. Ab 1942 lebte er in dem von den Deutschen besetzten Land weitestgehend in der Illegalität.

Nach dem Zweiten Weltkrieg heiratete Jef Last erneut Ida ter Haar, nachdem die Ehe zwischen beiden 1938 geschieden worden war. Er engagierte sich jetzt zunächst für den Jugendaustausch zwischen Deutschland und den Niederlanden, doch reiste er 1950 auf Einladung des indonesischen Politikers und Unabhängigkeitskämpfers Mohammed Hatta (1902–1980) auch nach Indonesien, wo er drei Jahre blieb. Er arbeitete hier als Lehrer an einer Schule auf Bali.

Nach seiner Rückkehr in die Niederlande bestritt Jef Last seinen Lebensunterhalt hauptsächlich als Journalist und Schriftsteller. In zahlreichen Vorträgen berichtete er von seiner umfassenden Reisetätigkeit und seinen politischen Erfahrungen. An der Universität in Hamburg schloss er schließlich sein 1918 begonnenes Studium der chinesischen Sprache ab und promovierte 1957 mit einer Dissertation über den chinesischen Dichter Lu Hsün (Lu Xun, 1881–1936), den Begründer der modernen chinesischen Literatur, dessen Werke bis Ende der 1980er Jahre in China verboten waren.

Nach wie vor reiste Jef Last viel, und er veröffentlichte groß angelegte Reportagen über Länder wie Japan, Südkorea und China. Er kehrte aber auch nach Spanien zurück und veröffentlichte 1966 ein Buch unter dem Titel Mijn vriend André Gide (Mein Freund André Gide). Nach einem internen Bericht des International Committee for Sexual Equality (ICSE) nahm Jef Last 1958 am Brüsseler Kongress der Organisation teil und beteiligte sich an diversen Diskussionen im Anschluss an die Vorträge.

Die letzten Jahre seines Lebens verbrachte Jef Last im niederländischen Laren, wo er am 15. Februar 1972 an Krebs starb.

Weiterführende Literatur

Anonym (1958): Brief Minutes of the Business Session of the I.C.S.E. at Brussels, 1958, S. 5, online hier.

Franke, Wolfgang (1972): Jef Last †, in: NOAG. Zeitschrift für Kultur und Geschichte Ost- und Südostasiens, Nr. 112, S. 5, online hier.

Wester, Rudi (2021): Bestaat er een raarder leven dan het mijne? Jef Last, 1898–1972. Amsterdam: Prometheus.

Wester, Rudi (2021): LAST, Josephus Carel Franciscus, in: Biografisch Woordenboek van het Socialisme en de Arbeidersbeweging in Nederland (BWSA) 8, S. 141-146, online hier.

Wester, Rudi und Elke Weesjes (2023): The many lives of writer Jef Last (1898–1972). Anti-fascist, socialist, humanist and gay rights activist, in: Twentieth Century Communism, Nr. 25, S. 126‑156.