Magnus-Hirschfeld-Gesellschaft e.V. Forschungsstelle zur Geschichte der Sexualwissenschaft

Gert Lantman, Ingenieur

geb. 8.4.1928 (Riga, Lettland) gest. 1.11.2002 (Nacka, Schweden)

Zur Biografie

„Gert Lantman“ war das Pseudonym des Schweden Gert Mahler, der in den 1950er Jahren zweiter Vorsitzender und Sekretär des schwedischen Nationalen Verbands für sexuelle Gleichberechtigung (RFSL, Riks­för­bun­det För Sexuellt Li­ka­be­rät­ti­gan­de) war. Von 1954 bis 1960 war er ebenfalls Redakteur der schwedischen Vereinszeitschriften Följeslagaren („Der Gefährte“) und Forbundsmeddelande („Verbandsnachrichten“) des RFSL.

Über den Lebensweg Gert Mahlers alias „Lantman“ ist heute nur wenig bekannt. Mahler wurde 1928 in eine deutsch-baltische Familie in Riga, der Hauptstadt von Lettland, geboren. Von Beruf war er Ingenieur. Er heiratete im Oktober 1964 und wurde wenig später Vater zweier Kinder. Gert Mahler starb am 1. November 2002 in Nacka, einer Gemeinde im Großraum von Stockholm.

1955 nahm „Gert Lantman“ zusammen mit zwei namentlich nicht genannten schwedischen Landsleuten am Kongress des International Committee for Sexual Equality (ICSE) in Paris teil. Er trat hier aber nicht als Redner auf. Zusammen mit dem Deutsch-Schweden Hans Weil und dem Dänen Axel Lundahl Madsen (später Axgil, 1905–2011) war „Lantman“ im Jahr zuvor verantwortlicher Redakteur für eine Ausgabe der Schweizer „Homophilenzeitschrift“ Der Kreis gewesen, die den Untertitel „Die Homoerotik in Skandinavien“ trug. Er selbst verfasste dabei einen längeren Artikel auf Deutsch unter der Überschrift „Was lange währt, wird endlich besser“, in dem er sich mit den nationalen Gesetzgebungen zur Homosexualität in Skandinavien auseinandersetzte. Sein zweiter Artikel erschien auf Englisch unter dem Titel „The Rise and Progress of Sexual Hygiene in Sweden“.

Weiterführende Literatur

Der Kreis 1954 (Jg. 22), Nr. 9, online hier: [Sondernummer: Die Homoerotik in Skandinavien].

Lantman, Gert (1954): Was lange währt, wird endlich besser. Gedanken zu einer einheitlichen skandinavischen Gesetzgebung, in: Der Kreis (Jg. 22), Nr. 9, S. 11-15.

Lantman, Gert (1954): The Rise and Progress of Sexual Hygiene in Sweden, in: Der Kreis (Jg. 22), Nr. 9, S. 33-34, 37.

Söderström, Göran u.a. (Hrsg.): Sympatiens hemlighetsfulla makt. Stockholms homosexualla 1860–1960. Stockholm: Stockholmia Förlag, S. 655 und 657.

Wasniowski, Andréaz (2007): Den korrekta avvikelsen. Vetenskapsanvändning, normalitetssträvan och exkluderande praktiker hos RFSL, 1950–1970. Umeå: Förlaget Holzweg, S. 109.

Wolfert, Raimund (2021): Weil, Hans, in: Frankfurter Personenlexikon