Magnus-Hirschfeld-Gesellschaft e.V. Forschungsstelle zur Geschichte der Sexualwissenschaft

Rolf Italiaander, Schriftsteller, Übersetzer

geb. 20.2.1913 (Leipzig) gest. 3.9.1991 (Hamburg)

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Rolf Italiaander, o.J. Handsignierte Autogrammkarte. Museum Rade am Schlosspark Reinbek.
Rolf Italiaander wurde als Sohn eines niederländischen Herrenschneiders und seiner deutschen Frau in Leipzig geboren und wuchs als niederländischer Staatsbürger in Deutschland heran. Ob er tatsächlich auch jüdischer Herkunft war, wie er später gelegentlich behauptete, ist noch nicht geklärt. Nach dem Schulbesuch absolvierte Italiaander eine Schlosserlehrer, die er jedoch aus gesundheitlichen Gründen bald wieder abbrach. Ab 1927 lebte er als Pflegesohn in der Familie des Schriftstellers Willy Haas (1891–1973), durch den er mit der Welt der Bücher vertraut wurde. Ab 1930 besuche er Vorlesungen an der Leipziger Universität, erwarb aber nie einen akademischen Abschluss.

Zeit seines Lebens war Rolf Italiaander als freier Schriftsteller tätig, zunächst in Berlin, nach dem Zweiten Weltkrieg dann in Hamburg. In seinem Werk beschäftigte er sich einerseits mit der Fliegerei und andererseits mit afrikanischen Kulturen, nachdem er als 19-Jähriger erstmals eine Reise durch Nordafrika unternommen hatte. Er hielt zwischen 1933 und 1945 eine gewisse Distanz zum NS-Staat, konnte sich aber durchaus für den italienischen Faschismus begeistern. So interviewte er beispielsweise 1942 auch den italienischen „Duce del Fascismo“ Benito Mussolini (1883–1945).

In der frühen Nachkriegszeit war Rolf Italiaander freier Mitarbeiter von etlichen west-deutschen Tages- und Wochenzeitungen, und zusammen mit Hans Henny Jahnn und anderen gründete er die Freie Akademie der Künste in Hamburg. 1951 veröffentlichte er, inspiriert durch die Frankfurter Homosexuellenprozesse das Theaterstück Das Recht auf sich selbst (1952), in dem zum ersten Mal nach 1945 auf einer deutschen Bühne die Lebenssituation Homosexueller thematisiert wurde. Italiaander veröffentlichte auch regelmäßig in der Schweizer „Homophilenzeitschrift“ Der Kreis und setzte sich mit der von ihm herausgegebenen Essaysammlung Weder Krankheit noch Verbrechen – Plädoyer für eine Minderheit (1968) für die Liberalisierung des § 175 StGB ein, der in der von den Nationalsozialisten verschärften Fassung des Paragrafen von 1935 männliche Homosexualität in (West-) Deutschland mit Strafe belegte.

Im selben Jahr, 1968, musste Rolf Italiaander von seinem Amt als Generalsekretär der Freien Akademie der Künste zurücktreten, nachdem Details über seine Tätigkeiten zur Zeit des Nationalsozialismus bekannt geworden waren. 1984 wurde er gleichwohl mit dem Bundesverdienstkreuz erster Klasse ausgezeichnet.

Rolf Italiaander war ursprünglich zum ersten Kongress des International Committee for Sexual Equality (1951) in Amsterdam eingeladen worden. Aus privaten Gründen musste er seine Teilnahme aber kurzfristig absagen.

Werke (Auswahl)

Italiaander, Rolf. Hrsg. (1954): Henry Benrath in memoriam. Stuttgart: Deutsche Verlagsanstalt.

Italiaander, Rolf. Hrsg. (1964): Peter Martin Lampel. Hamburg: Freie Akademie der Künste.

Italiaander, Rolf. Hrsg. (1968): Weder Krankheit noch Verbrechen. Plädoyer für eine Minderheit. Hamburg: Gala Verlag.

Italiaander, Rolf (1969): Die Homophilen, in: Doerdelmann, Bernhard (Hrsg.): Minderheiten in der Bundesrepublik. München: Delp’sche Verlagsbuchhandlung, S. 131-157.

Weiterführende Literatur

Hergemöller, Bernd-Ulrich (2010): Italiaander, Rolf [biografischer Eintrag], in: Hergemöller, Bernd-Ulrich. Hrsg.: Mann für Mann. Biographisches Lexikon zur Geschichte von Freundesliebe und mannmännlicher Sexualität im deutschen Sprachraum. Teilband 1. Berlin: Lit-Verlag, S. 594-596.

[Mechelen, Floris van] (Hg.) (1951): Report of the first International congress for sexual equality (I.C.S.E.) = Compte rendu du premier congrès pour l’égalité sexuelle = Bericht des ersten Internationalen Kongress für sexuelle Gleichberechtigung : Whitsuntide 1951, Amsterdam, Holland. International Congress for Sexual Equality. Amsterdam, S. 1.

Nottscheid, Mirko und Andreas Stuhlmann (2014): Apologie und Neubeginn: Rolf Italiaander als Schlüsselfigur in literarischen Netzwerken im Hamburg der 1950er Jahre, in: Mergler, Melanie, Hans-Ulrich Wagner und Hans-Gerd Winter (Hrsg.): „Hamburg, das ist mehr als ein Haufen Steine“. Das kulturelle Feld in der Metropolregion Hamburg 1945–1955. Dresden: Thelem, S. 150-169.

Rosenkranz, Bernhard und Gottfried Lorenz (2005): Hamburg auf anderen Wegen. Die Geschichte des schwulen Lebens in der Hansestadt. Hamburg: Lambda Edition, hier insbesondere S. 136-138 und 260-261.