Magnus-Hirschfeld-Gesellschaft e.V. Forschungsstelle zur Geschichte der Sexualwissenschaft

Friedrich Hauptstein, Verwaltungsleiter

geb. 20.4.1892 (Spremberg) gest. 29.10.1947 (Berlin)

Friedrich Hauptstein wird 1920 als Mitglied im Obmännerkollegium genannt. Er war der Verwaltungsleiter des Instituts für Sexualwissenschaft.

Zur Biografie

Friedrich Hauptstein war der Verwaltungsleiter des Instituts. Er hatte sein Büro im Hochparterre des Instituts mit Blick auf den Hof, und ein privates Zimmer im dritten Stock neben den für die Gäste vorgesehenen Räumen. Im Berliner Adressbuch ist er als Bewohner des Instituts von 1925 bis 1933 nachgewiesen. Schon 1921 wird er aber als eines der Vorstandsmitglieder der Stiftung (für den Fall von Hirschfelds Verhinderung) genannt. Ende 1929 war er kurzfristig Mitglied im Vorstand des WhK.

Hauptstein wird nicht nur in den Erinnerungen von Adelheid Schulz, sondern auch in der Korrespondenz der Firma Titus immer als „Dr. Hauptstein“ tituliert, hat diese Bezeichnung aber in seiner Korrespondenz selbst nicht benutzt. Friedrich Hauptstein war für alle organisatorischen Belange des Instituts zuständig, und er fungierte als Ansprechpartner in wirtschaftlichen Dingen. Er teilte der Köchin ihr Wirtschaftsgeld zu und nahm die Aufteilung der Einnahmen aus den Lizenzen für Testifortan und die Titus-Perlen vor. Hirschfeld hielt lange Zeit große Stücke auf Friedrich Hauptstein, wie sich seinen Aufzeichnungen im Testament. Heft II entnehmen lässt. Umso größer war die Enttäuschung, als er 1933 feststellen musste, dass sein Vertrauen auf Hauptsteins Zuverlässigkeit wohl etwas zu groß gewesen war.

Friedrich Hauptstein gehörte wie sein Freund, der Heilgehilfe Ewald Lausch, 1933 zu den Unterzeichnern der sog. Ergebenheitsadresse an Hermann Göring. Nach der Zerstörung des Instituts für Sexualwissenschaft führte er mit seiner Mutter ein Zigarrengeschäft in Köpenick. Hauptstein wohnte im gleichen Haus wie seine Mutter, die Pensionärin Auguste Hauptstein in Köpenick, Mittelheide 58. Das Tabakwarengeschäft befand sich 1935 in der Wendenschloßstr. 209 und von 1940 bis 1943 in der Nr. 123. Im gleichen Gebäude führte Ewald Lausch zeitweilig ein Schreibwarengeschäft, er wird aber auch gemeinsam mit Hauptstein für das Tabakgeschäft genannt.

Nach 1945 soll Friedrich Hauptstein als Referent für den Kulturbund tätig gewesen sein. Er starb an den Folgen einer Lungentuberkulose. Sein Tod wurde von Ewald Lausch angezeigt.