Johanna Elberskirchen, Naturärztin
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Nachdem sie in ihre Heimatstadt Bonn zurückgekehrt war, engagierte sich Johanna Elberskirchen in der SPD, in der sie für einige Jahre den Vorsitz des Jugendausschusses übernahm. Sie wurde jedoch 1913 aus der Partei ausgeschlossen, da sie zeitgleich in einem bürgerlichen Frauenstimmrechtsverein aktiv war. Diese beiden Engagements galten damals aus sozialdemokratischer Sicht als nicht vereinbar.
1914 wurde Johanna Elberskirchen als Naturärztin in einem Sanatorium in Finkenwalde bei Stettin (heute Zdroje, ein Vorort von Szczecin, Polen) tätig. Wenig später zog sie nach Berlin, wo sie sich maßgeblich in der Säuglingsfürsorge engagierte. Zusammen mit ihrer Lebensgefährtin Hildegard Moniac (1891–1967) wohnte Elberskirchen ab 1920 in Rüdersdorf, südöstlich von Berlin. Hier engagierte sie sich wieder in der SPD und betrieb eine Homöopathische Praxis. Diese Praxis konnte sie bis an ihr Lebensende führen, auch wenn sie von Seiten der Nazis nach 1933 Berufseinschränkungen hinnehmen musste.


Johanna Elberskirchens Redebeitrag auf dem Wiener WLSR-Kongress wurde von den Zeitgenossen offenbar weitgehend übergangen, doch verstören ihre Worte vom September 1930 nach wie vor. In einer Zeit, in der sich die Weimarer Republik in einer tiefen Krise befand, prangerte die einstige Vorkämpferin der lesbischen Liebe eine „ungeheuerliche Zügellosigkeit der Libido sexualis“ in der Gegenwart an, sie wandte sich gegen die „Überbewertung des Sexualen in der Kultur“ und beschwor die Wiederkehr der „Reinheit der altgermanischen Jungfrauen und Jungmänner“.
Johanna Elberskirchen starb am 17. Mai 1943 im Alter von 79 Jahren. Die Urne mit ihren sterblichen Überresten wurde 1975 – über dreißig Jahre nach ihrem Tod – von zwei Frauen heimlich im Grab ihrer Lebensgefährtin Hildegard Moniac auf dem Rüdersdorfer Friedhof beigesetzt. Seit 2002 steht die gemeinschaftliche Grabstätte der beiden Frauen unter Schutz.
Schriften (Auswahl)
Elberskirchen, Johanna (1904): Was hat der Mann aus Weib, Kind und sich gemacht? Revolution und Erlösung des Weibes. Eine Abrechnung mit dem Mann – ein Wegweiser in die Zukunft! Berlin: Magazin-Verlag.
Gedenken
2003 fand auf dem Rüdersdorfer Friedhof eine Gedenkveranstaltung statt, an der einhundert Personen teilnahmen. Für Johanna Elberskirchen und ihre Lebensgefährtin Hildegard Moniac wurden Gedenktafeln aufgestellt. Seit Ende 2005 erinnert außerdem am Geburtshaus Elberskirchens in Bonn (Sternstraße 37, früher Nr. 195) eine Gedenktafel an die streitbare Feministin. Weiteres zur Rüdersdorfer Grabstätte siehe hier.
Weiterführende Literatur
Eggeling, Tatjana (o.J.): Johanna Elberskirchen, auf: Webseite der Bundesstiftung Magnus Hirschfeld.
Leidinger, Christiane (2001): Johanna Elberskirchen und ihre Rüdersdorfer Zeit. Eine erste Skizze, in: Forum Homosexualität und Literatur, Nr. 39, S. 79-106.
Leidinger, Christiane (2003): Eine Urne im Pferdestall oder: die Geschichte einer geschützten Grabstätte und zweier Grabtafeln für Johanna Elberskirchen (1964–1943) und Hildegard Moniac (1891–1967), in: Mitteilungen der Magnus-Hirschfeld-Gesellschaft, Nr. 35/36, S. 51-57.
Leidinger, Christiane (2008): Keine Tochter aus gutem Hause. Johanna Elberskirchen (1864–1943). Konstanz: UVK (Universitätsverlag Konstanz).
Leidinger, Christiane (2009): Johanna Elberskirchen, in: Sigusch, Volkmar und Günter Grau (Hrsg.): Personenlexikon der Sexualforschung. Frankfurt/New York: Campus, S. 125-127.
Senatsverwaltung für Arbeit, Integration und Frauen. Hrsg. (2015): Persönlichkeiten in Berlin 1825–2006. Erinnerungen an Lesben, Schwule, Bisexuelle, trans- und intergeschlechtliche Menschen. Berlin, S. 26-27.
Werkbibliografie zu Johanna Elberskirchen und weiteres Material auf Lesbengeschichte.org.
