Magnus-Hirschfeld-Gesellschaft e.V. Forschungsstelle zur Geschichte der Sexualwissenschaft

Egon Eickhoff, Diplom-Ingenieur

geb. 3.5.1875 (Meschede, Sauerland) gest. 26.3.1958 (Paderborn)

Egon Eickhoff wurde 1912 in das Obmännerkollegium des WhK gewählt. Er gehörte dem WhK seit etwa 1902 an und unterzeichnete in diesem Jahr auch die Petition des WhK gegen den § 175 RStGB. Magnus Hirschfeld zählte Eickhoff noch 1929 zu dem “treuen Kreis alter und neuer Freunde”, doch der Schwerpunkt von Eickhoffs Aktivitäten im WhK scheint in den Jahren um 1902 gelegen zu haben.

Zur Biografie

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Egon Eickhoff wurde in eine wohlhabende Fabrikantenfamilie im Sauerland geboren. Er studierte ab 1895 Maschinen-Ingenieurwissenschaft und Elektrotechnik in Charlottenburg (bei Berlin) und wohnte spätestens ab 1902 in Leipzig. Hier kam er in Kontakt mit dem Verleger Max Spohr (1850–1905) und leitete zusammen mit diesem die Leipziger Ortsgruppe des WhK. Seit dieser Zeit war Eickhoff auch mit Martin Fiedler (1870–1946) befreundet.

Eickhoff und Fiedler sandten der Leipziger Polizeibehörde 1902 ein Flugblatt zur “wohlwollenden Prüfung” zu, mit dem die Bevölkerung über das “Wesen der Homosexualität” aufgeklärt werden sollte. Gleichwohl griff die Polizei unverzüglich ein, als das Flugblatt verteilt wurde, und gegen Eickhoff wurde Anklage wegen Verbreitung unzüchtiger Schriften erhoben.

Eickhoff arbeitete in Leipzig auch mit dem Psychiater Gustav Näcke (1845–1913) zusammen, und als er sich Ende 1902 erneut an die Leipziger Polizei wandte, um einen bevorstehenden Vortrag Magnus Hirschfelds unter dem Vorsitz Näckes anzumelden, wurde die geplante Veranstaltung verboten.

Belegt ist ferner, dass Egon Eickhoff vor 1902 in Verhandlungen mit dem Essener Industriellen Friedrich Alfred Krupp (1854–1902) stand.

Der Lebensweg Egon Eickhoffs war wechselhaft. Eickhoff wohnte in Städten wie Leipzig, Berlin, Halle, Staßfurt und München und hielt sich aus beruflichen Gründen zeitweise auch in Russland und Persien (Iran) auf. Seine letzten Lebensjahre verbrachte er unter eher prekären Verhältnissen in der Nähe seiner Sauerländer Heimat. In Briefen etwa an Kurt Hiller (1885–1972) und Peter Martin Lampel (1894–1965), mit denen er befreundet war, klagte er nun, er sei weitgehend isoliert und vereinsamt. Zu seinem “homosexuellen Netzwerk” in der Nachkriegszeit gehörte aber auch der frühere Obmann im WhK, der Frankfurter Hermann Weber (1882–1955). Er bemühte sich ab 1949 in Zusammenarbeit mit dem Arzt Hans Giese (1920–1970) in Frankfurt, das einstige WhK wiederzubeleben.