Magnus-Hirschfeld-Gesellschaft e.V. Forschungsstelle zur Geschichte der Sexualwissenschaft

Margarete Dost, Verkäuferin

geb. 1.4.1879 (Berlin) gest. 6.12.1956 (Berlin)

Margarete Dost wurde 1911 in das Obmännerkollegium gewählt

Zur Biografie

Margarete Dost gehörte zu den Vertrauten Magnus Hirschfelds. Sie – „meine Freundin Margarete Dost“ – ist neben seinem früheren Angestellten Franz Wimmer und seinem ärztlichen Freund Leopold Hönig in Karlsbad (Karlovy Vary) die einzige Person, die in Hirschfelds Testament mit einem größeren Legat bedacht wird, ohne Mitglied seiner weitläufigen Familie zu sein oder dass Hirschfeld ihr noch einen versprochenen Betrag schuldig gewesen wäre (wie dies bei Ellen Bækgaard (1895–1982) der Fall war, die Karl Gieses Ausbildung finanziert hatte). Angeblich war sie Hirschfelds Freundin aus jungen Jahren. Adelheid Schulz erinnerte sich, dass sie zu Zeiten des Instituts für Sexualwissenschaft immer Zugang zu Hirschfeld hatte.

Überliefert ist auch, dass Hirschfeld Margarete Dost bestimmte, den bulgarischen Transvestiten Michael Dimitroff beim Einkauf seiner Frauenkleider in Berlin zu begleiten und zu beraten, was dieser sehr bedauerte – er wäre lieber mit Adelheid Schulz einkaufen gegangen.

Außer dass sie dem Obmännerkollegium und später zeitweilig dem Vorstand des WhK angehörte, ist wenig über Margarete Dost bekannt. Sie war eine Schwester des Fotografen und Fotografie-Historikers Wilhelm Dost (1886–1964), der vor 1913 die Fotografien für Hirschfelds Bilderwand der sexuellen Zwischenstufen angefertigt hat. Sie wohnte zeitlebens in Berlin und war nicht verheiratet. Die Einwohnermeldekartei notiert als ihre Adressen: „Berlin-Mitte, Gerhardstr. 13”, „Berlin-Friedrichshain, Stendaler Str. 12”, „Berlin-Tiergarten, Unionstr. 2” und zuletzt „Berlin-Tiergarten, Derfflingerstr. 21”.

Margarete Dost nahm gemeinsam mit Magnus Hirschfeld am 12. August 1919 in Jena an der Trauerfeier für Ernst Haeckel teil (JfsZ 1919, S. 90). Hirschfeld sprach dort im Namen der Humboldt-Hochschule und der Berliner Ortsgruppe des Monistenbundes.

Später hat Margarete Dost Magnus Hirschfeld zweimal in Paris besucht – zu Weihnachten 1933 und im Sommer 1934, wie aus ihren Einträgen in Hirschfelds Exil-Gästebuch hervorgeht.