Karl W. O. Daniel, Dr. med., Neurologe, Psychiater aus Karlsruhe
Zur Biografie
Über den Arzt Dr. med. Karl W. O. Daniel haben sich bislang nur wenige Angaben ermitteln lassen. Daniel praktizierte Anfang der 1950er Jahre als Facharzt für Neurologie und Psychiatrie unter der Adresse Hans-Thomas-Straße 15a in Karlsruhe. Um diese Zeit stand er auch in Kontakt mit der Frankfurter Gesellschaft für Bürgerrechte, die sich gegen den § 175 StGB stark machte. Bis Anfang der 1980er Jahre war Daniel als Nervenarzt unter verschiedenen Anschriften in Karlsruhe tätig. Der letzte ermittelte Adressbucheintrag erfolgte im Jahr 1983, doch die anschließende Durchsicht der standesamtlichen Sterbebücher von Karlsruhe für die Jahre 1982 bis 1985 war nicht erfolgreich. Auch eine Meldekarte mit näheren biografischen Angaben zu seiner Person konnte nicht ermittelt werden, was den Schluss zulässt, dass Karl W. O. Daniel zwar seine Praxis in Karlsruhe hatte, aber nicht in der Stadt wohnte.
Im Februar 1954 reichte die Hamburger „Arbeitsgemeinschaft zur Pflege der Humanität“ dem Bonner Justizministerium fünf Gutachten von Paul-Hugo Biederich (1907–1968), Karl W. O. Daniel, Rudolf Klimmer (1905–1977) und Willhart S. Schlegel (1912–2001) zum „Problem der Homosexualität“ ein. Das Gutachten Daniels vom Dezember 1952 versandte die Arbeitsgemeinschaft in Form einer Abschrift ohne Unterschrift und ohne Angabe eines Ortes.
Veröffentlichungen
Daniel, Dr. med. [Karl W. O.] (1952): Gutachten zur Frage: Sind homoerotische bzw. homosexuelle Beziehungen zwischen Männern einerseits und zwischen Frauen andererseits medizinisch gleich zu bewerten? (Maschinenschriftliche Abschrift eines Gutachtens vom Dezember 1952), online hier [unter der Signatur: BArch B 141/4074, externe Blattzählung S. 115-117].
Daniel, [Karl W. O.] (1953): Männliche und weibliche Homosexualität. Eine vergleichende Untersuchung (Der Arzt spricht!), in: Humanitas (Jg. 1), Nr. 5 (November), [S. 5-6].
Weiterführende Literatur
[Gesellschaft für Bürgerrechte, Frankfurt am Main] (1952): Kurzmemorandum zur Frage der Verfolgung von Straftaten gegen 175 StGB [unterzeichnet von John Adolf Block, Karl W. O. Daniel, Hans Henrich, Konrad Mommsen, Horst Pommerening, H. Schmidt und Erich Schmidt-Leichner], in: Der Weg zu Freundschaft und Toleranz: Eine Monatsschrift (Bundesorgan des Weltbundes für Menschenrechte, angeschlossen: Internationale Freundschaftsloge) (Jg. 2), Nr. 11, S. 24-28.
Turni, Franz (1954): Die Macht der Einbildung. Viersen: Verlag Gerhard Meixner, S. 26, online hier.
Wolfert, Raimund (2025): Erwin Haarmann (1915–1972). Annäherungen an einen „kämpferischen Typ“, den man zur Strecke bringen wollte. In: Mitteilungen der Magnus-Hirschfeld-Gesellschaft Nr. 75/76 (November), S. 78-103.
