Jean Cocteau, Schriftsteller, Künstler
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Von 1947 bis zu seinem Tod lebte Jean Cocteau in einem großen Landhaus in Milly-la-Forêt bei Paris, das heute als Museum dient. Weil er drogenabhängig war, befand sich Cocteau über viele Jahre seines Lebens in medizinischer Behandlung. Er starb am 11. Oktober 1963, ein halbes Jahr nach einem Herzinfarkt, den er erlitten hatte, und wurde in der Chapelle Saint-Blaise in Milly-la-Forêt beigesetzt.
Am 1951er Kongress des International Committee for Sexual Equality (ICSE) konnte Jean Cocteau aus gesundheitlichen Gründen nicht persönlich teilnehmen. Von ihm wurde aber ein Grußwort verlesen, in dem er seine Bewunderung für die Organisatoren des Kongresses ausdrückte. Trotz eines gewissen Anscheins von Intelligenz, Fortschrittlichkeit und Liberalismus, so Cocteau, befinde sich die Welt noch immer im finstersten Mittelalter und widersetze sich aus Stolz den Gesetzen der Natur. Indirekt bekannte er sich dabei zu dem Konzept der „unsichtbaren Hand“ des schottischen Ökonomen und Moralphilosophen Adam Smith (1723–1790).
Homosexualität verstand Jean Cocteau als „Teil eines umfassenden Mechanismus“, mit dem die Natur ihr Gleichgewicht zu bewahren suche. Er kritisierte die Überbevölkerung, die die Erde belaste und über die der Mensch die Kontrolle verloren habe. Die von den Menschen geschaffenen sozialen Systeme waren für ihn weder von Ordnung noch Gerechtigkeit geprägt. In diesem Sinne begrüßte er „Unternehmungen, die danach streben, das wiederherzustellen, was der Mensch zerstört hat.“ Cocteau wünschte, dass mit dem ICSE-Kongress eine Ära eingeläutet werde, „in der das soziale Verbrechen, das darin besteht, dass der Einzelne im Namen der Mehrheit bestraft wird“, nicht mehr existiert.
Weiterführende Literatur
Böhmer, Ursula (1992): Jean Cocteau und die „Breker-Affaire“, in: Forum Homosexualität und Literatur, Nr. 16, S. 5-24.
Cocteau, Jean (1951): Een brief van Jean Cocteau aan ons Congres voor Sexuele Rechtsgelijkheid, in: Vriendschap. Maandblad voor de leden van het Cultuur- en Ontspannings Centrum (Jg. 5), Nr. 6, S. 4.
Cocteau, Jean (1951): Missive, in: Der Kreis (Jg. 19), Nr. 7, S. 22-23 [hier mit einem sinnentstellenden Fehler in der fünftletzten Zeile].
Guédras, Annie. Hrsg. (1999): Jean Cocteau. Erotische Zeichnungen. Köln: Benedikt Taschen Verlag.
Jackson, Julian T. (2009): Arcadie. La vie homosexuelle en France, de l’après-guerre à la dépénalisation. Chicago: University of Chicago Press.
