Magnus-Hirschfeld-Gesellschaft e.V. Forschungsstelle zur Geschichte der Sexualwissenschaft

Ewald Bohm, Psychologe und Journalist

geb. 24.6.1903 (Graudenz, heute Grudziądz, PL) gest. 29.2.1980 (Wädenswil, Schweiz)

Zur Biografie

vergrößern
Ewald Bohm, o.J. Unbekannter Fotograf.
Ewald Bernhard Bohm wurde am 24. Juni 1903 im westpreußischen Graudenz (heute Grudziąz, Polen) in eine jüdische Familie geboren. Der Vater war Bankier und die Mutter Porträtmalerin. Bohm studierte ab 1922 in Berlin und Freiburg/Breisgau zunächst Rechts- und Staatswissenschaften, wechselte dann jedoch zur Orientalistik. 1927 legte er eine Prüfung in japanischer Philologie ab, da er eigentlich in den Dienst des Auswärtigen Amtes treten wollte.

In den Folgejahren beschäftigte sich Ewald Bohm jedoch vornehmlich mit der Psychoanalyse, nachdem er schon 1926 in Kontakt mit psychoanalytischen Theorien und dem Institut für Sexualwissenschaft Magnus Hirschfelds gekommen war. 1929 wurde Bohm als Wissenschaftsjournalist tätig, wobei er sich auf Populärmedizin und Pädagogik spezialisierte. Ab 1930 leitete er zudem erste Elternkurse in moderner Pädagogik an öffentlichen Schulen in Berlin. Im selben Jahr gab er zusammen mit Magnus Hirschfeld auch ein Buch zur Sexualerziehung heraus.

Da er jüdischer Herkunft war und sich zur Sozialdemokratie bekannte, war Ewald Bohm durch die Nationalsozialisten unmittelbar gefährdet und emigrierte bereits 1933 nach Dänemark. In Kopenhagen lernte er seine spätere Ehefrau Kirsten Mørch (1909–1986), eine Lehrerin und Logopädin, kennen, doch heiratete das Paar erst 1937. Ein gemeinsamer Sohn kam 1949 zur Welt.

Nach der Besetzung von Dänemark durch die Nationalsozialisten musste Bohm 1943 erneut fliehen, nunmehr nach Schweden. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs kehrte er nach Kopenhagen zurück. Sein Buch Lehrbuch der Rorschach-Psychodiagnostik wurde ihm 1953 als Dissertationsschrift an der Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH) in Zürich anerkannt. Mit diesem Buch hat Bohm entscheidend zur Verbreitung der Rorschach-Diagnostik im deutschsprachigen Raum beigetragen. Es ist nach wie vor ein anerkanntes Standardwerk in der Psychologie.

Ewald Bohm ließ sich 1965 in der Schweiz nieder. Seine Frau folgte ihm nach ihrer Pensionierung. Die letzten Jahre seines Lebens verbrachte Ewald Bohm in einem Pflegeheim. Er konnte sich weder bewegen noch sprechen, sondern sich allein durch die Bewegungen seiner Augen ausdrücken.

Ewald Bohm starb am 29. Februar 1980 im Schweizer Wädenswil (Kanton Zürich).

In den 1950er Jahren war Ewald Bohm individuelles Mitglied des International Comittee for Sexual Equality (ICSE). Ob er den vierten Kongress des ICSE in Paris besucht hat, hat sich noch nicht mit Sicherheit ermitteln lassen. Doch ist belegt, dass Bohm um diese Zeit bereits mit dem ICSE in Kontakt stand. Ende Oktober 1954 nahm er an einer dreitägigen Arbeitssitzung der Organisation im dänischen Kopenhagen teil.

Schriften (Auswahl)

Bohm, Ewald und Magnus Hirschfeld (1930): Sexualerziehung. Der Weg durch Natürlichkeit zur neuen Moral. Berlin: Universitas [Übersetzung ins Französische unter dem Titel Éducation sexuelle, Paris: Éditions Montaigne 1934].

Boehm, Ed. [sic] (1935): Magnus Hirschfeld som Forsker og Menneske, in: Social-Demokraten, 27. Mai 1935, S. 2, 9-10 [Dänisch].

Bohm, Ewald (1951): Lehrbuch der Rorschach-Psychodiagnostik. Für Psychologen, Ärzte und Pädagogen. Bern: Huber.

Bohm, Ewald (1961): Jealousy, in: Albert Ellis und Albert Abarbanel (Hrsg.): The Encyclopedia of Sexual Behavior. Vol II, New York, London: Hawthorn, The Corsano, S. 567-574.

Bohm, Ewald (1961): Sex Life of Scandinavian Countries: Denmark, in: Albert Ellis und Albert Abarbanel (Hrsg.): The Encyclopedia of Sexual Behavior. Vol II. New York, London: Hawthorn, The Corsano, S. 910-914.

Bohm, Ewald (1961): Sex Life of Scandinavian Countries: Sweden, in: Albert Ellis und Albert Abarbanel (Hrsg.): The Encyclopedia of Sexual Behavior. Vol II. New York, London: Hawthorn, The Corsano, S. 919-925.

Weiterführende Literatur

Anonym (1954): [Protokoll der Arbeitssitzung des ICSE in Kopenhagen, 23.–25. Oktober 1954, Protokollant J.H.], online hier (21 Seiten).

Anonym [1980]: Ewald Bohm, 1903–1980. Ansprachen, gehalten an der Trauerfeier am 5. März 1980. [Wädenswil]: ohne Verlag.

Sigsgaard, Jens und Willy Dähnhardt (1993): Ewald Bohm, Psychologe, in: Dähnhardt, Willy und Birgit S. Nielsen (Hrsg.): Exil in Dänemark. Deutschsprachige Wissenschaftler, Künstler und Schriftsteller im dänischen Exil nach 1933. Heide: Westholsteinische Verlagsanstalt Boyens & Co, S. 235-238