Magnus-Hirschfeld-Gesellschaft e.V. Forschungsstelle zur Geschichte der Sexualwissenschaft

Gerhard bzw. Gerd W. Beer, Publizist; später Dr. med., Arzt

geb. 9.1.1935 (Cham, Oberpfalz) gest. vor 4.11.1980 (Hamburg)

Zur Biografie

Bislang haben sich nur wenige Angaben zur Identität und zum Lebensweg von Gerhard bzw. Gerd W. Beer ermitteln lassen. 1954 veröffentlichte Beer nicht nur einen antimilitaristischen Beitrag in Humanitas, sondern auch eine Erzählung in dem „Schwesterprojekt“ Hellas, und er schrieb um diese Zeit – zum Teil unter seinem Klarnamen, zum Teil unter dem Pseudonym „Tedd Ursus“ – auch für die Monatsschrift freond, die redaktionell von Charles Grieger (1903–1972) betreut wurde. Beer dürfte damit in den 1950er Jahren einer der jüngsten Autoren der deutschsprachigen „Homophilenbewegung“ gewesen sein. In den 1970er Jahren erschienen regelmäßig Artikel von ihm in der „Schwulenzeitschrift“ him-applaus, wobei er sich nach wie vor in vielen Fällen seines Pseudonyms „Tedd Ursus“ bediente – „ursus“ ist das lateinische Wort für „Bär“.

Gerhard [Anton] Beer wurde am 9. Januar 1935 als Sohn eines Reichsbahnbeamten und dessen Ehefrau in Cham (Oberpfalz) geboren. Nach dem Besuch des Gymnasiums in Ried im Innkreis immatrikulierte er sich an der Universität in Wien für das Studienfach Medizin, wechselte jedoch schon im folgenden Semester von der Medizinischen zur Philosophischen Faktultät. Ab 1957 studierte er Medizin an der Friedrich-Alexander-Universität in Erlangen-Nürnberg und legte hier 1963 das Staatsexamen ab. Seine medizinische Dissertation legte er 1965 unter dem Titel „Elektrophoretisches Verhalten und thermische Stabilität menschlicher Serum- und Organtransaminasen“ an der Universität in Erlangen-Nürnberg vor. Anschließend absolvierte er seine Zeit als Medizinalassistent an der Universitätsklinik in Erlangen und arbeitete anderthalb Jahre am Kreiskrankenhaus in Cham, bis er Anfang 1965 an die chirugisch-gynäkologische Abteilung des Krankenhauses Furth wechselte.

Beer hatte offenbar bereits seit den späten 1940er Jahren Beziehungen nach Stadthagen westlich von Hannover, wo er später einen eigenen Verlag betrieb. Nach Angaben von Bernd-Ulrich Hergemöller (1950–2023) wurde Gerhard Beer am 4. September 1980 in Hamburg beigesetzt.

Veröffentlichungen (Auswahl)

Beer, Gerhard (1953): Das geheimnisvolle Lächeln der Japanerin. Stadthagen: BeerBücher (Bücher-Bär).

Beer, Gerhard (1954): Der unfruchtbare Baum. Eine Erzählung aus dem Mittelalter, in: Hellas (Jg. 2), Nr. 3 (März), S. 75-77.

Beer, Gerd W. (1954): Neue Stützpunkte – ohne mich!, in: Humanitas (Jg. 2), Nr. 10 (Oktober), S. 316.

Beer („Tedd Ursus“), Gerhard (1982): Was damals für mich geschah, in: Hohmann, Joachim S. (Hrsg.): Keine Zeit für gute Freunde. Homosexuelle in Deutschland 1933–1969. Ein Lese- und Bilderbuch. Berlin: Foerster Verlag, S. 188-189.

„Ursus, Tedd“ [d.i. Beer, Gerhard] (1952): Ein „heroischer“ Entschluß, in: freond (Jg. 2), Nr. 7, S. 26-27.

„Ursus, Tedd“ [d.i. Beer, Gerhard] (1954): Der unheilige Antonius!, in: freond (Jg. 4). Nr. 3, [S. 20].

„Ursus, Tedd“ [d.i. Beer, Gerhard] (1960): Similia similibus. Eine heitere Erzählung (Peppermints homöopathische Kur). Stadthagen: Beer.

„Ursus, Tedd“ [d.i. Beer, Gerhard]. Hrsg. (1967): Nach Feierabend. Deutsche Arbeiterdichtung heute – eine Anthologie. Stadthagen: Beer.

„Ursus, Tedd“ [d.i. Beer, Gerhard]. Hrsg. (1968): Ins Licht gerückt. Gedichte, Aphorismen, Kurzgeschichten – eine Anthologie. Stadthagen: Beer.

Weiterführende Literatur

Hergemöller, Bernd-Ulrich (2010): Beer, Gerhard („Tedd Ursus“), in: ders. (Hrsg.): Mann für Mann. Biographisches Lexikon zur Geschichte von Freundesliebe und mannmännlicher Sexualität im deutschen Sprachraum (Bd. 1). Berlin/Münster: Lit, S. 137.