Magnus-Hirschfeld-Gesellschaft e.V. Forschungsstelle zur Geschichte der Sexualwissenschaft

Torsten Amundson, Dr. med., Arzt

geb. 15.6.1878 (Hudiksvall, Schweden) gest. 11.5.1940 (Ytterjärna, Schweden)

Der vermögende Stockholmer Arzt Torsten Anders Amund Amundson trat vermutlich um 1905 in Kontakt mit dem Kreis um Magnus Hirschfeld, als er sich nach dem Abschluss seines Medizinstudiums in Berlin aufhielt, um sich fortzubilden. Er wurde 1911 zum ersten schwedischen Obmann des WhK gewählt.

Zur Biografie

Torsten Amundson war von 1908 bis 1925 Leiter eines Röntgen- und elektromedizinischen Instituts, hielt Vorlesungen an der Stockholmer Navigationsschule und schrieb eine Reihe von populärmedizinischen Artikeln. Er blieb zeit seines Lebens unverheiratet und war ab 1924 Eigentümer von Engsholms Slott in der Gemeinde Mörkö südlich von Södertälje.

Torsten Amundson stand ab etwa 1905 nicht nur mit Magnus Hirschfeld im Austausch, er war später auch mit Felix Abraham (1901–1937), dessen Mitarbeiter am Institut für Sexualwissenschaft, befreundet und machte sich für die wissenschaftliche Forschung zum Thema Homosexualität stark. Dabei scheute er allerdings vor jeglicher Form von Aktivismus in seinem Heimatland zurück.

Der schwedische Metallarbeiter und Homosexuellen-Aktivist Eric Thorsell (1898–1980) erhielt eine eher enttäuschende Antwort, als er sich 1932 hilfesuchend an Amundson wandte. Amundson schrieb ihm: “Ich habe auch gegenüber dem Sanitätsrat [Magnus Hirschfeld] immer betont, dass es meiner Ansicht nach am besten wäre, wenn in Schweden keine Propaganda betrieben würde, da die Schweden den Engländern in Heuchelei auf diesem Gebiet gleichen, und dass ich hoffe, dass eine Gesetzesänderung wie in Dänemark und Norwegen leichter erreicht werden könne, wenn nicht die große Allgemeinheit durch Agitation dazu gebracht würde, vermutlich auf jede Art und Weise einer glücklichen Reform entgegenzuwirken.”

Vor seinem Tod verfügte Amundson testamentarisch, dass ein Großteil seines Vermögens in einen Fonds einfließe, der von der Königlich Schwedischen Wissenschaftsakademie in Stockholm verwaltet und für „Studien über die Homosexualität, deren Entstehung und Erklärung sowie für die Aufklärungsarbeit zur Beseitigung von Vorurteilen und unrichtigen Auffassungen über dieselbe“ verwendet werden solle. Die Stockholmer Wissenschaftsakademie nahm die Gelder an, verwendete sie aber zunächst für andere Zwecke, bis sie 1993 auf Druck von Angehörigen Amundsons die ursprüngliche testamentarische Verfügung umsetzte. In den Folgejahren hat unter anderem die schwedischen LSBTI-Zeitschrift Lambda Nordica finanzielle Mittel aus dem Amundson-Fonds erhalten.

Einvernehmliche gleichgeschlechtliche Handlungen unter Erwachsenen wurden in Schweden 1944 entkriminalisiert.

Weiterführende Literatur

Söderström, Göran (1995): Torsten Amundson och hans forskningsfond, in: lambda nordica (Jg. 2), Nr. 1, S. 6-8

Söderström, Göran (1999): En aktiviströrelse växer fram, in: Söderström, Göran u. a. (Hg.): Sympatiens hemlighetsfulla makt. Stockholms homosexuella, 1860–1960, Stockholm: Stockholmia Förlag, S. 388-399