Institut für Sexualwissenschaft
1919, nach Gründung der Weimarer Republik, realisierte Magnus Hirschfeld seinen Wunsch, ein Institut für Sexualwissenschaft zu eröffnen. Es diente wissenschaftlichen, praktischen, aufklärerischen und politischen Zielen. Die Institutsgründung war der erste und bis nach dem Zweiten Weltkrieg letzte Versuch der akademischen Etablierung der Sexualwissenschaft. Mit einer naturwissenschaftlichen Argumentation verbanden die Mitarbeiter des Instituts Sexualwissenschaft und Sexualpolitik, eine Strategie, die in bezug auf die Entkriminalisierung gleichgeschlechtlicher sexueller Handlungen trotz vieler Aktionen und Bündnisse erfolglos blieb. Bereits ab Mitte der zwanziger Jahre verlagerte die Gründergeneration der Sexualwissenschaft ihre Aktivitäten von der Forschungsarbeit immer stärker auf die Sexualreform. Diese allgemeine Entwicklung deutet auf eine Stagnation des Projektes der Etablierung einer Sexualwissenschaft vor der Machtergreifung der Nationalsozialisten. Das Institut wurde am 6. Mai 1933 geplündert und geschlossen, die Mitarbeiter ins Exil getrieben und Teile der umfangreichen Bibliothek symbolisch auf dem Berliner Opernplatz verbrannt. Die sexualwissenschaftlichen und -reformerischen Fachverbände und Laienorganisationen stellten ihre Arbeit ein oder passten sie der nationalsozialistischen Ideologie an.
Verfassung der Dr. Magnus Hirschfeld-Stiftung (1918) - Auszüge
…mehrMagnus Hirschfelds Testament
…mehrMagnus Hirschfeld's will (excerpts)
…mehrDas Institut für Sexualwissenschaft

Es gibt nur wenige Bilder, die die Inneneinrichtung des Instituts für Sexualwissenschaft zeigen; auch ein zeitgenössischer Grundriss der Etagen fehlt. Anhand von Kopien von 1938 erstellten Bauunterlagen hat die Haushälterin Adelheid Schulz geb. Rennhack (1909-2008), die von 1928 bis 1933 im Institut tätig war, die Nutzung der Räume zur Zeit des Instituts nach ihrer Erinnerung rekonstruiert.
…mehr