Der vierte Kongress des International Committee for Sexual Equality (ICSE)


Über den vierten Kongress des International Committee for Sexual Equality (ICSE), der vom 11. bis zum 14. November 1955 in Paris stattfand, war insbesondere im deutschen Sprachraum bislang nur wenig bekannt. Der Kongress wurde unter dem Titel „Menschenrechte und Ursprung der Moral“ in den Räumen der Gewerkschaft „La Confédération des Cadres“ in der Rue Gramont ausgerichtet, und an ihm sollten ursprünglich so prominente Intellektuelle wie Philippe Ariès und Gabriel Marcel aus Frankreich sowie Gösta Carlberg aus Schweden, Benjamin J. Kouwer aus den Niederlanden und Emilio Servadio aus Italien teilnehmen. Mehrere von ihnen sagten allerdings kurzfristig ihre Teilnahme wieder ab. An die Strahlkraft ihrer Vorgängerkongresse in Amsterdam und Frankfurt am Main konnte die Veranstaltung in der französischen Hauptstadt folglich nicht anschließen.
Nach Angaben des ICSE brachte ein Bus etwa vierzig Besucher und Besucherinnen aus den Niederlanden zu dem Kongress nach Paris, ein weiterer Bus sollte aus Hamburg und Kopenhagen anfahren. Erwartet wurde zudem eine größere Delegation aus Italien, die dann aber wohl doch nicht kam. Anwesend waren schließlich Vertreter von „homophilen“ Vereinigungen aus Belgien, Frankreich, England, Deutschland, den Niederlanden und aus Skandinavien.
Finanzielle Unterstützung für die Veranstaltung kam nicht nur von den beteiligten Organisationen wie dem niederländischen Cultuur- en Ontspanningscentrum (COC, dt. „Kultur- und Freizeitzentrum“), dem norwegischen Forbundet af 1948 (DNF-48, dt. „Der Verband von 1948“) und der US-amerikanischen Mattachine Society, sondern auch von bislang unbeachteten Einzelpersonen wie Frederick Arthur Flett (USA), W. Q. de Haan (Niederlande) und A. Oskamp (Portugal).
Spannungen und Auseinandersetzungen
Früh wurde Kritik an der Pariser Kongressplanung laut, die sich vor allem am Verhalten von André Baudry, dem Herausgeber der französischen Zeitschrift Arcadie, entzündete. Im Schweizer Kreis wurde später mitgeteilt, seine „diktatorische Haltung“ und seine „engstirnige, provinzialistische Auffassung“ seien unvereinbar mit dem, was man von einem Leiter einer demokratischen Organisation erwarten dürfe. Baudry habe nicht das geringste Verständnis für das Wesentliche „unserer internationalen Anstrengungen“ aufzubringen vermocht, sondern habe versucht, das Ganze „den Interessen seiner Gruppe“ unterzuordnen.
In der Tat hatte Baudry darauf bestanden, einziger Ausrichter des Kongresses zu sein. Im Zuge dessen verweigerte er der französischen Zeitschrift Futur die offizielle Teilnahme. Hinzu kamen Auseinandersetzungen zwischen ihm und der französischen Gruppe „Le Verseau“ (dt. „Der Wassermann“), die 1952 gegründet worden war. In der Folge hätten es mehrere Redner, die das ICSE zuvor für den Kongress gewonnen hatte, abgelehnt, sich vor die „Propagandakutsche“ Baudrys spannen zu lassen. Unter ihnen war auch der Philosoph Gabriel Marcel. Als Baudry sich dann selbst von der Vorbereitung des Kongresses zurückzog, war das ICSE gezwungen, diesen mit den Vertretern anderer Länder und einer kleinen Gruppe von Franzosen allein durchzuführen. Nicht zuletzt sah sich das ICSE so auch mit unvorhergesehenen finanziellen Verpflichtungen konfrontiert.
Die beiden deutschen „Homophilenvereinigungen“ IFLO (Internationale Freundschaftsloge, Bremen) und VhL (Verein für humanitäre Lebensgestaltung, Frankfurt/Main) schickten erst gar keine Vertreter nach Paris. Auch „Rolf“ (bzw. Karl Meier, 1897–1974) vom Schweizer Kreis kam nicht. Im Zuge der erwähnten Spannungen und Konflikte sowie der eher geringen Teilnahme – aus Frankreich wie aus dem europäischen Ausland – zeigten sich erste gravierende Probleme für die ursprünglich geplante internationale Koordination der homosexuellen Emanzipationsbewegungen nach dem Zweiten Weltkrieg in Europa.
Das amerikanische Magazin Mattachine Review warb im Vorfeld des Kongresses mit einem Luftfoto des Pariser Arc de Triomphe auf seinem Cover und einem Bericht im Inneren des Heftes für die Veranstaltung und kündigte die Teilnahme van prominenten Persönlichkeiten wie René Guyon, Lau Mazirel, Alliyapan Padmanabhan Pillay und Jarl Wagner Smitt an. Mehrere von ihnen haben dann aber offenbar kurzfristig abgesagt und sind nicht nach Paris gekommen – ob aus privaten Gründen oder wegen der angeführten Spannungen mit André Baudry, ist noch nicht geklärt.
Die Reihe wird fortgesetzt
Mit dem Projektauftritt zum vierten Kongress des International Committee for Sexual Equality erweitern wir unsere Präsentation zum Wirken der Organisation als ein erneutes „work in progress“, und zwar über die beiden Webauftritte zum Frankfurter ICSE-Kongress von 1952 und zum Amsterdamer ICSE-Kongress von 1953 hinaus. Die Reihe unserer Dokumentationen zu den Kongressen des ICSE wird auch in Zukunft fortgesetzt. Hinweise auf Ergänzungen und Vorschläge für Verbesserungen nehmen wir gerne entgegen!
Teilnehmer, Eingeladene, Unterstützer und Gäste des ICSE-Kongresses in Paris:
Angelo, Bob (Aktivist, Schauspieler) geb. 12.11.1913 (Amsterdam, Niederlande) gest. 27.10.1988 (Amsterdam, Niederlande)
Zur Biografie


In den wirtschaftlich schwierigen 1920er Jahren musste Niek Engelschman seine Schulausbildung abbrechen und als „Diener“ in eine jüdische Importfirma eintreten, die Warentransporte aus und in das ehemalige Niederländisch-Indien (heute Indonesien) organisierte. Engelschman engagierte sich früh politisch, er war zunächst Mitglied der sozialdemokratischen Partei und später – ab 1935 – der leninistischen Jugendgarde (LJG). Er beteiligte sich an Aktionen gegen die Jugendarbeitslosigkeit und publizierte neben einer Broschüre auch eine Oper unter dem Titel „Fascistische Terreur“ („Faschistischer Terror“), die 1936 im LJG-Bühnenclub zur Aufführung kam.
Nach eigenen Angaben wurde Engelschman im Alter von etwa 24 Jahren bewusst, dass er homosexuell war. Er nahm Kontakt mit dem Rechtsanwalt Jacob Anton Schorer (1866–1957) auf, der im niederländischen Wissenschaftlich-humanitären Komitee (NWhK) für die Legalisierung homosexueller Handlungen in seinem Heimatland kämpfte. Ab 1940 veröffentlichte Engelschman unter dem Pseudonym „Bob Angelo“ auch Artikel in der niederländischen Zeitschrift Levensrecht („Lebensrecht“), die er mitbegründet hatte und die nach der deutschen Besetzung der Niederlande eingestellt werden musste.
In den Kriegsjahren nahm Niek Engelschman Schauspielunterricht und wurde im illegalen Widerstand gegen die deutschen Besatzer tätig. Neben der Produktion und dem Vertrieb von Zeitschriften half er zusammen mit einem seiner Brüder auch jüdischen Mitmenschen, die sich versteckt halten mussten, um zu überleben.
1946 erschien die Zeitschrift Levensrecht erneut, und Engelschman engagierte sich jetzt auch im neu entstandenen Shakespeareclub, der später in Cultuur- en Ontspanningscentrum (COC, dt. „Kultur- und Freizeitzentrum“) umbenannt wurde. Zusammen mit Jaap van Leeuwen (1892–1978) führte Engelschman 1949 in den Niederlanden das Wort „homofilie“ ein.
Engelschman war bis Anfang der 1960er Jahre das öffentliche Gesicht des COC in den Niederlanden. Er war Leiter des Amsterdamer COC-Büros, Herausgeber der Vereinszeitschrift Vriendschap („Freundschaft“) und erster Vorsitzender des Vereins. Als er 1962 von seinen Ämtern zurücktrat, wurde er zum Ehrenvorsitzenden des COC ernannt.
Beruflich führte er seine Arbeit als Schauspieler und Theaterschauspieler bis zu seinem Tod fort. Engelschman trat auch in niederländischen Filmen und Fernsehserien auf.
Als posthume Ehrung führte das COC 1991 die Bob-Angelo-Medaille ein, die ihren Namen nach dem Pseudonym Engelschmans trägt. Seitdem wird diese Medaille an Personen oder Organisationen verliehen, die zur schwul-lesbischen Emanzipation beigetragen haben. Ebenfalls 1991 wurden in den Niederlanden mehrere Straßen und ein Park nach Engelschman benannt. Auch die Brücke über die Keizersgracht, die im Zentrum von Amsterdam zum Homomonument führt, heißt heute „Niek Engelschman Brücke“.
Weiterführende Literatur
Stokvis, Benno J. (1939): De homosexueelen. 35 autobiographieën. Lochem: De Tijdstroom, S. 49-53.
Warmerdam, Hans und Pieter Koenders (1987): Cultuur en Ontspanning. Het COC 1946–1966. Utrecht: Interfacultaire Werkgroep Homostudies.
Warmerdam, Hans (2002), Engelschman, Nico (1913–88), in: Aldrich, Robert und Garry Wotherspoon (Hrsg.): Who’s Who in Contemporary Gay & Lesbian History. From World War II to the Present Day. London/New York: Routledge, S. 124-126.
Warmerdam, Hans (2013): Engelschman, Nico (1913–1988), in: Biografisch Woordenboek van Nederland.
mehr …Ariès, Philippe (Historiker) geb. 21.7.1914 (Blois, Frankreich) gest. 8.2.1984 (Toulouse, Frankreich)
Zur Biografie


1943 veröffentlichte Ariès sein erstes Werk, in dem er sich mit den sozialen Traditionen im ländlichen Frankreich auseinandersetzte. Anschließend verfasste er ein Buch zur Geschichte der französischen Bevölkerung und ihren Einstellungen zum Leben. 1947 heiratete er Primerose de Saint-Martin, und seine Frau stand ihm als Forscherin bis zu ihrem Tod 1983 zur Seite.
In den 1950er Jahren verstand sich Philippe Ariès als Schüler des französischen Philosophen Gabriel Marcel, mit dem zusammen er auch zum Pariser Kongress des International Committee for Sexual Equality (ICSE) eingeladen wurde. Beide gehörten aber zu den französischen Intellektuellen, die im Zuge der Auseinandersetzungen um André Baudrys Auftreten im Vorfeld des Kongresses kurzfristig ihre Teilnahme absagten, um sich nicht vor die „Propagandakutsche“ Baudrys spannen zu lassen. In zeitgenössischen Zeitschriftenartikeln im Nachgang des Kongresses wurden ihre Namen nicht mehr genannt. Der Vortrag, den Ariès ursprünglich vor dem ICSE halten sollte, wurde unter dem Titel „The Myth(s) of Adolescence“ bzw. „Changes in Morals since the Eighteenth Century“ angekündigt.
Als Philippe Ariès’ Studie zur Geschichte der Kindheit, L’enfant et la vie familiale sous l’ancien régime, Anfang der 1960er Jahre ins Englische übersetzt wurde, wurde ihr Autor auch international bekannt. In der Folge hielt sich Ariès wiederholt in den Vereinigten Staaten von Amerika auf und veröffentlichte 1975 ein vielbeachtetes Buch über die in westlichen Ländern verbreiteten Haltungen dem Tod gegenüber (Essais sur l’histoire de la mort en Occident).
Weitere Forschungsschwerpunkte Philippe Ariès‘ waren die Geschichte der Sexualität, die Demographie und die Mentalitätsgeschichte. Zentrale Thesen, die Ariès in seiner Geschichte der Kindheit vertrat, sind von anderen Historikern seit den 1980er Jahren wiederholt zurückgewiesen worden. Sie erwiesen sich gleichwohl als sehr populär und werden auch heute noch in wissenschaftlichen Publikationen verbreitet.
Schriften (Auswahl)
Ariès, Philippe (1975): Geschichte der Kindheit [im Original: L’enfant et la vie familiale sous l’ancien régime. Paris: Plon, 1960]. München: Hanser.
Ariès, Philippe (1980): Geschichte des Todes [im Original: L’Homme devant la mort. Paris: Le Seuil, 1977]. München, Wien: Hanser.
Ariès, Philippe, André Béjin und Michel Foucault. Hrsg. (1984): Die Masken des Begehrens und die Metamorphosen der Sinnlichkeit. Frankfurt am Main: S. Fischer.
Weiterführende Literatur und Quellen
[Anonym] (1955): Program of the Fourth International Congress for Sexual Equality, in: Periodical Newsletter. Nr. 7 (Oktober 1955), S. 1-3, hier S. 2.
Gros, Guillaume (2008): Philippe Ariès (1914–1984). Un traditionaliste non-conformiste. Villeneuve-d’Ascq: Presses Universitaires du Septentrion.
Jackson, Julian T. (2009): Living in Arcadia. Homosexuality, Politics, and Morality in France from the Liberation to AIDS. Chicago/London: University of Chicago Press, S. 81-82.
mehr …Baudry, André (Aktivist, Herausgeber von „Arcadie“) geb. 31.8.1922 (Rethondes, Frankreich) gest. 1.2.2018 (Neapel, Italien)
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André Baudry selbst wurde 1955 wegen Sittenwidrigkeit verklagt und zu einer Geldstrafe von 400.000 Francs verurteilt. Um die Mitglieder von „Arcadie“ und die Abonnenten der Zeitschrift nicht zu verschrecken, behauptete Baudry lange Zeit, er sei nie verurteilt worden. Arcadie erschien in der Folge bis 1982 mit insgesamt 314 Ausgaben und hatte zeitweise eine Auflage von 40.000 Exemplare. Baudry unterhielt enge Beziehungen zur Schweizer „Homophilenzeitschrift“ Der Kreis und dem amerikanischen Pendant One.
1957 erweiterte Baudry „Arcadie“ um einen Treffpunkt in einem ehemaligen Pariser Theater, der den Namen „Club littéraire et scientifique des pay latins“ (Clespala, dt. „Literarischer und wissenschaftlicher Club der lateinischen Länder“) erhielt. Hier wurden Vorträge, öffentliche Diskussionen, Tanznachmittage und Bankette durchgeführt.
1960 ließ André Baudry sämtliche Kleinanzeigen und Fotografien aus Arcadie entfernen, da er befürchtete, die Zeitschrift könne im Zuge einer Gesetzesverschärfung erneut verboten werden. Gut zehn Jahre später war er dabei behilflich, dass in Spanien die „Bulletins des Moviemiento Español de Liberación Homosexual“ erscheinen konnten, die sich für Homosexuellenrechte einsetzten. 1975 nannte Baudry seine Gruppe „Arcadie“ in „Mouvement homophile de France“ um, und vier Jahre später lud er zahlreiche intellektuelle Sympathisanten wie Michel Foucault (1926–1984) und Philippe Ariès zu einem Kongress ein.
Foucault schrieb einmal über Baudry: „Arcadie war die einzige [Bewegung], die das Wort ‚Volk‘ benutzte. Darin bestand Baudrys prophetische Torheit […]. Man kann schon darüber staunen, dass der Leiter der Arkadier ständig deren schlechten Sitten anprangerte. Aber in der Tat muss das ‚Volk‘ sündig sein, um einen Propheten zu brauchen.“
Im Zuge der Liberalisierung der französischen Gesetzgebung und geänderten Haltungen auf Seiten der französischen Polizei Homosexuellen gegenüber löste André Baudry „Arcadie“ am 13. Mai 1982 auf. Er selbst verließ Frankreich und ließ sich in Neapel (Italien) nieder, wo er am 1. Februar 2018 verstarb.
2015, drei Jahre vor seinem Tod, schenkte André Baudry seine Sammlung von etwa 800 belletristischen und wissenschaftlichen Büchern zum Thema Homosexualität der „Bibliothèque historique de la ville de Paris“, die daraufhin den „Fonds André Baudry“ einrichtete.
Einen Kongress des International Committee for Sexual Equality (ICSE) hatte André Baudry 1953 erstmals besucht. Hier hielt er einen Vortrag unter dem Titel „Gestaltung der Jünglinge und der jungen Homophilen“. Als Sekretär des ICSE bediente er sich des Pseudonyms „André Romane“. Es scheint, die Niederländer und André Baudry haben sich von Anfang an nicht gut verstanden. Im Herbst 1953 kritisierte „Floris van Mechelen“ (Henry Methorst), Baudry habe der „Durchschlagskraft“ seiner eigenen Rede vieles dadurch wieder genommen, dass er sich „zu sehr von einer rauschenden Rhetorik wegreißen“ ließ.
Zwei Jahre später eskalierte die Situation, und für „Bob Angelo“ (Niek Engelschman) war Baudry der Hauptschuldige für Versäumnisse, Unregelmäßigkeiten und Konflikte bei der Vorbereitung des Pariser ICSE-Kongresses. Im Schweizer Kreis hieß es, Baudrys „diktatorische Haltung“ und seine „engstirnige, provinzialistische Auffassung“ seien unvereinbar mit dem, was man von dem Leiter einer demokratischen Organisation erwarten dürfe. Baudry habe nicht das geringste Verständnis für das Wesentliche „unserer internationalen Anstrengungen“ aufzubringen vermocht, sondern habe versucht, das Ganze „den Interessen seiner Gruppe“ unterzuordnen.
In der Tat hatte Baudry 1955 darauf bestanden, einziger Ausrichter der Veranstaltung in Paris zu sein. Er verweigerte der französischen Zeitschrift Futur die offizielle Teilnahme. Hinzu kamen Auseinandersetzungen mit der Gruppe „Le Verseau“ (dt. „Der Wassermann“), die 1952 gegründet worden war. Kurz vor der Eröffnung des Pariser ICSE-Kongresses zog sich dann André Baudry ganz von der Vorbereitung der Veranstaltung zurück.
Weiterführende Literatur
Baudry, André (1953): Gestaltung der Jünglinge und der jungen Homophilen, in: Bericht des dritten internationalen Kongresses fur sexuelle Gleichberechtigung (I.C.S.E.), 12-14 September 1953 Amsterdam, S. 24-29, online hier (Deutsch) bzw. hier (Englisch).
Baudry, André (1954): Le comité international d’Amsterdam, in: Arcadie, Nr. 1, S. 45-49.
Engelschman, Niek (1955): Menschenrechte und Ursprung der Moral. Der 4. Kongress des I.C.S.E., in: Der Kreis (Jg. 23), Nr. 12, S. 20-21, hier S. 20.
Jackson, Julian T. (2009): Arcadie. La vie homosexuelle en France, de l’après-guerre à la dépénalisation. Chicago: University of Chicago Press, bzw.: Ders. (2009): Living in Arcadia. Homosexuality, Politics, and Morality in France from the Liberation to AIDS. Chicago/London: University of Chicago Press.
Martel, Frédéric (1996): Le rose et le noir. Les homosexuels en France depuis 1968. Paris: Le Seuil [hier vor allem „Chapitre III“, S. 100-117].
Mechelen, Floris van [d.i. Henri Methorst] (1953): Dritter internationaler Kongress für sexuelle Gleichberechtigung, in: Periodical Newsletter, [Nr. 13] (Oktober 1953), S. 128.
Ostertag, Ernst (2005): André Baudry. Gründerpersönlichkeit, auf: schwulengeschichte.ch.
mehr …Bohm, Ewald (Psychologe und Journalist) geb. 24.6.1903 (Graudenz, heute Grudziądz, PL) gest. 29.2.1980 (Wädenswil, Schweiz)
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In den Folgejahren beschäftigte sich Ewald Bohm jedoch vornehmlich mit der Psychoanalyse, nachdem er schon 1926 in Kontakt mit psychoanalytischen Theorien und dem Institut für Sexualwissenschaft Magnus Hirschfelds gekommen war. 1929 wurde Bohm als Wissenschaftsjournalist tätig, wobei er sich auf Populärmedizin und Pädagogik spezialisierte. Ab 1930 leitete er zudem erste Elternkurse in moderner Pädagogik an öffentlichen Schulen in Berlin. Im selben Jahr gab er zusammen mit Magnus Hirschfeld auch ein Buch zur Sexualerziehung heraus.
Da er jüdischer Herkunft war und sich zur Sozialdemokratie bekannte, war Ewald Bohm durch die Nationalsozialisten unmittelbar gefährdet und emigrierte bereits 1933 nach Dänemark. In Kopenhagen lernte er seine spätere Ehefrau Kirsten Mørch (1909–1986), eine Lehrerin und Logopädin, kennen, doch heiratete das Paar erst 1937. Ein gemeinsamer Sohn kam 1949 zur Welt.
Nach der Besetzung von Dänemark durch die Nationalsozialisten musste Bohm 1943 erneut fliehen, nunmehr nach Schweden. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs kehrte er nach Kopenhagen zurück. Sein Buch Lehrbuch der Rorschach-Psychodiagnostik wurde ihm 1953 als Dissertationsschrift an der Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH) in Zürich anerkannt. Mit diesem Buch hat Bohm entscheidend zur Verbreitung der Rorschach-Diagnostik im deutschsprachigen Raum beigetragen. Es ist nach wie vor ein anerkanntes Standardwerk in der Psychologie.
Ewald Bohm ließ sich 1965 in der Schweiz nieder. Seine Frau folgte ihm nach ihrer Pensionierung. Die letzten Jahre seines Lebens verbrachte Ewald Bohm in einem Pflegeheim. Er konnte sich weder bewegen noch sprechen, sondern sich allein durch die Bewegungen seiner Augen ausdrücken.
Ewald Bohm starb am 29. Februar 1980 im Schweizer Wädenswil (Kanton Zürich).
In den 1950er Jahren war Ewald Bohm individuelles Mitglied des International Comittee for Sexual Equality (ICSE). Ob er den vierten Kongress des ICSE in Paris besucht hat, hat sich noch nicht mit Sicherheit ermitteln lassen. Doch ist belegt, dass Bohm um diese Zeit bereits mit dem ICSE in Kontakt stand. Ende Oktober 1954 nahm er an einer dreitägigen Arbeitssitzung der Organisation im dänischen Kopenhagen teil.
Schriften (Auswahl)
Bohm, Ewald und Magnus Hirschfeld (1930): Sexualerziehung. Der Weg durch Natürlichkeit zur neuen Moral. Berlin: Universitas [Übersetzung ins Französische unter dem Titel Éducation sexuelle, Paris: Éditions Montaigne 1934].
Boehm, Ed. [sic] (1935): Magnus Hirschfeld som Forsker og Menneske, in: Social-Demokraten, 27. Mai 1935, S. 2, 9-10 [Dänisch].
Bohm, Ewald (1951): Lehrbuch der Rorschach-Psychodiagnostik. Für Psychologen, Ärzte und Pädagogen. Bern: Huber.
Bohm, Ewald (1961): Jealousy, in: Albert Ellis und Albert Abarbanel (Hrsg.): The Encyclopedia of Sexual Behavior. Vol II, New York, London: Hawthorn, The Corsano, S. 567-574.
Bohm, Ewald (1961): Sex Life of Scandinavian Countries: Denmark, in: Albert Ellis und Albert Abarbanel (Hrsg.): The Encyclopedia of Sexual Behavior. Vol II. New York, London: Hawthorn, The Corsano, S. 910-914.
Bohm, Ewald (1961): Sex Life of Scandinavian Countries: Sweden, in: Albert Ellis und Albert Abarbanel (Hrsg.): The Encyclopedia of Sexual Behavior. Vol II. New York, London: Hawthorn, The Corsano, S. 919-925.
Weiterführende Literatur
Anonym (1954): [Protokoll der Arbeitssitzung des ICSE in Kopenhagen, 23.–25. Oktober 1954, Protokollant J.H.], online hier (21 Seiten).
Anonym [1980]: Ewald Bohm, 1903–1980. Ansprachen, gehalten an der Trauerfeier am 5. März 1980. [Wädenswil]: ohne Verlag.
Sigsgaard, Jens und Willy Dähnhardt (1993): Ewald Bohm, Psychologe, in: Dähnhardt, Willy und Birgit S. Nielsen (Hrsg.): Exil in Dänemark. Deutschsprachige Wissenschaftler, Künstler und Schriftsteller im dänischen Exil nach 1933. Heide: Westholsteinische Verlagsanstalt Boyens & Co, S. 235-238
mehr …Brix, Franz Wilhelm (Dr. med., Neurologe) geb. 5.11.1920 (Wien, Österreich) gest. 1992 (unbekannter Ort)
Zur Biografie
Über Franz Wilhelm Brix liegen nur wenige Angaben vor. In den Unterlagen des International Committee for Sexual Equality (ICSE) wird sein Vorname fälschlich mit „Werner (F.)“ angegeben, in anderen Quellen sind seine Initialen „F. W.“ zu „W. F.“ vertauscht. Gleichwohl kann als gesichert gelten, dass es sich um ein und dieselbe Person handelt.
Franz Wilhelm Brix wurde am 5. November 1920 in Wien geboren. Von 1940 bis 1946 studierte er, kriegsbedingt mit einigen Unterbrechungen, an der Medizinischen Fakultät der Universität Wien, wobei er das Wintersemester 1944/45 an der Universität in Graz verbrachte. Am 20. Dezember 1946 promovierte er zum Dr. med. Nach 1938 war er zunächst Kameradschaftsführer bei der Hitler-Jugend (HJ), und bis 1945 gehörte er als Mitglied auch der Waffen-SS an.
Franz Wilhelm Brix war Neurologe und 1954 neben dem früheren österreichischen Justizminister Otto Tschadek (1904–1969) einer der Initiatoren der (ersten) Österreichischen Gesellschaft für Sexualforschung (ÖGfS). Brix distanzierte sich dabei von der Sexualwissenschaft in ihrer Frühzeit und betonte: „Die Schwierigkeiten und Fehler, die die Sexualwissenschaft in ihren Anfängen, etwa um die Jahrhundertwende, so sehr hemmten und oft in falsche Bahnen geraten ließen, sollen vermieden werden.“ Gleichwohl erklärte er, man wolle aus der Vergangenheit lernen und zunächst das bisher Geleistete sammeln und sichten. Man beabsichtige ferner, sich nicht nur der „Sexualität des gesunden, normalen Menschen“ zu widmen, sondern auch der Kriminalsexualität und der Sexualpathologie. Diesbezüglich sollten Mediziner, Juristen, Philosophen, Theologen, Soziologen, Pädagogen und Fürsorger zusammenarbeiten. Homosexualität etwa sollte nur dann strafbar sein, wenn durch sie „Jugendliche verleitet werden, die öffentliche Sittlichkeit verletzt oder körperlicher Schaden angerichtet wird.“
Die konstituierende Generalversammlung der ÖGfS fand am 3. November 1954 im Hörsaal der Klinik Wiedmann im Wiener Allgemeinen Krankenhaus statt. Leitender Präsident der Gesellschaft wurde der Wiener Rechtsmediziner Fritz Reuter (1875–1959), seine Stellvertreter waren die früheren österreichischen Minister Eduard Ludwig (1883–1967) und Otto Tschadek. Die Organisation stand darüber hinaus unter dem „Ehrenschutz“ des österreichischen Sozialministers Karl Maisel (1890–1982) und sollte als selbständiges wissenschaftliches Institut arbeiten.
Ein Jahr nach der konstituierenden Generalversammlung der ÖGfS hielt Franz Wilhelm Brix auf dem Pariser Kongress des ICSE einen Vortrag unter dem Titel „Sociological aspects of the homosexual problem“.
Die ÖGfS und die Deutsche Gesellschaft für Sexualforschung (DGfS) strebten anfangs eine enge Zusammenarbeit an, und Franz Wilhelm Brix galt zeitweise als österreichisches „Pendant“ des deutschen Arztes und Sexualwissenschaftlers Hans Giese. Bereits die vierte DGfS-Tagung in Erlangen 1956 fand in Kooperation mit der ÖGfS statt, während für den Wiener Kongress zwei Jahre später die ÖGfS als Gastgeber fungierte.
Gleichwohl kam es auch früh zu Unstimmigkeiten zwischen den deutschen und den österreichischen Vertretern und Vertreterinnen der jeweiligen Fachgesellschaften. Hans Giese etwa beklagte, dass Franz Wilhelm Brix bei der Planung des Wiener Kongresses 1958 „völlig versagt“ habe, und beabsichtigte zwischenzeitig, seine zugesicherte Teilnahme wieder zurückzuziehen.
Um Franz Wilhelm Brix und die Österreichische Gesellschaft für Sexualforschung wurde es nur wenig später sehr still. Der Kontakt mit den deutschen Kollegen und Kolleginnen kam aus bisher unbekannten Gründen zum Erliegen, und über das weitere Schicksal der ÖGfS liegen kaum Angaben vor. Laut Florian Mildenberger verschwand die Gesellschaft spätestens Ende der 1960er Jahre gänzlich von der Bildfläche. Als der Sexualforscher Ernest Borneman (1915–1995) etwa zehn Jahre später eine neue Österreichische Gesellschaft für Sexualforschung plante, erhielt er von dem zuständigen Ministerium in Wien die Nachricht, eine frühere Organisation unter diesem Namen sei gelöscht worden und einer Neugründung stehe mithin nichts im Wege.
Weiterführende Literatur
[Anonym] (1954): Sexualforschung in Österreich. Eine wissenschaftliche Gesellschaft gegründet, in: Arbeiter-Zeitung (Wien) vom 22.7.1954 (Nr. 167), S. 5.
[Anonym] (1954): Sexualforschung in Österreich, in: Arbeiter-Zeitung (Wien) vom 3.11.1954 (Nr. 255), S. 5.
[Anonym] (1954): Gesellschaft für Sexualforschung konstituiert, in: Neues Österreich vom 5.11.1954, S. 3.
[Anonym] (1955): Program of the Fourth International Congress for Sexual Equality, in: Periodical Newsletter. Nr. 7 (Oktober 1955), S. 1-3, hier S. 1.
Centesimus (1956): Es wetterleuchtet in Österreich! „Ist die homosexuelle Handlung wirklich ein Verbrechen?“, in: Der Kreis (Jg. 24), Nr. 11, S. 12-13.
Liebeknecht, Moritz (2020): Wissen über Sex. Die Deutsche Gesellschaft für Sexualforschung im Spannungsfeld westdeutscher Wandlungsprozesse (Hamburger Beiträge zur Sozial und Zeitgeschichte, 60). Göttingen: Wallstein, S. 105-107.
Mildenberger, Florian (2004): Allein unter Männern. Helene Stourzh-Anderle in ihrer Zeit (1890–1966) (Frauen, Gesellschaft, Kritik, 42). Herbolzheim: Centaurus-Verlag, S. 21.
mehr …Carlberg, Gösta Albert (Schriftsteller) geb. 23.9.1909 (Norrköping, Schweden) gest. 13.3.1973 (Stockholm, Schweden)
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Auf dem Pariser Kongress des International Committee for Sexual Equality (ICSE) hielt Carlberg einen Vortrag unter dem Titel „Structural Constellation of Childhood and of Adult Personality among 300 Homosexuals in Stockholm“. Die Untersuchung, über die er referierte, war im Auftrag der schwedischen Hauptstadt durchgeführt worden, wie es im Periodical Newsletter des ICSE hieß.
Nach Angaben Göran Söderströms hatte Gösta Albert Carlberg bereits 1937 einen ersten Auftrag erhalten, „die Ursachen und die Ausbreitung der Homosexualität“ in Schweden zu untersuchen. Damals soll er insgesamt 1.133 homosexuelle Männer befragt haben. 1956 erhielt Carlberg den für die damalige Zeit hohen Betrag von 12.000 Schwedischen Kronen, um seine Forschungen fortzuführen, und er suchte über die schwedische „Homophilenzeitschrift“ Följeslagaren („Der Gefährte“) nach Versuchspersonen. Mittels einer Chromosomenuntersuchung wollte er eine angeblich angeborene Weiblichkeit bei homosexuellen Männern feststellen. Seine Beschäftigung mit dem Thema resultierte aber in kaum mehr als einem Artikel und einigen Vorträgen für den damaligen schwedischen „Nationalen Verband für sexuelle Gleichberechtigung“ (Riksförbundet för Sexuellt Likaberättigande, RFSL).
Auch für den 1958er Kongress des ICSE in Brüssel war Gösta Albert Carlberg als Redner angekündigt worden. Sein Vortrag sollte „Results and Conclusions of an Investigation concerning the Personality Structure of Homosexuals“ heißen. Wegen Krankheit konnte Carlberg an dem Kongress aber nicht teilnehmen.
Weiterführende Literatur
[Anonym] (1955): Program of the Fourth International Congress for Sexual Equality, in: Periodical Newsletter. Nr. 7 (Oktober 1955), S. 1-3, online hier.
[Anonym] (1958): Den internasjonale kongress, S. 3, online hier, siehe auch hier.
Carlberg, Gösta (1954): Das Lied von Laïos und Chrysippos [Ausschnitt aus „Den sparade ynglingen“, aus dem Schwedischen übertragen von Gert Lantman; mit einer kurzen biografischen Einführung], in: Der Kreis (Jg . 22), Nr. 9, S. 5-8.
Carlberg, Gösta (1954): Dein Bild [Gedicht, aus dem Schwedischen von Hans Weil], in: Der Kreis (Jg. 22), Nr. 9, S. 9.
Söderström, Göran (1999): Föreningsliv, in: Söderström, Göran u.a. (Hrsg.): Sympatiens hemlighetsfulla makt. Stockholms homosexualla 1860–1960. Stockholm: Stockholmia Förlag, S. 648-677, hier S. 662.
Wasniowski, Andréaz (2007): Den korrekta avvikelsen. Vetenskapsanvändning, normalitetssträvan och exkluderande praktiker hos RFSL, 1950–1970. Umeå: Förlaget Holzweg, S. 109.
mehr …Emde Boas, Coenraad van (Dr. med., Psychiater) geb. 17.6.1904 (Rotterdam, Niederlande) gest. 27.9.1981 (Amsterdam, NL)
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Nachdem er 1930 das Arztexamen abgelegt hatte, spezialisierte er sich auf Psychiatrie und Neurologie und gründete eine eigene Praxis als Nervenarzt, Psychoanalytiker und Sexologe in Amsterdam. Gleichzeitig führte er als Leiter des „Dr. Alletta Jacob Huis“ Beratungen auf dem Gebiet der Geburtenkontrolle und Sexualaufklärung für Hilfesuchende durch. Seine Studie über die „periodische Unfruchtbarkeit und ihre Bedeutung für die Regelung der Kinderzahl“, die ab 1934 in zahlreichen Neuauflagen und populärwissenschaftlichen Bearbeitungen erschien, wurde nicht als Doktorarbeit anerkannt, da sie dem universitären Establishment seiner Zeit in den Niederlanden als zu gewagt galt. Erst mit einer zweiten Doktorarbeit über Shakespeares Sonette und „transvestitische“ Verwechslungsspiele kam van Emde Boas 1951 zu akademischen Würden.
Coenraad van Emde Boas war bereits in den 1930er und 1940er Jahren an der Gründung niederländischer Fach- und Studentenvereinigungen zu Fragen der Sexualität beteiligt. Doch erst in den 1960er Jahren wurde die Sexologie im medizinischen Curriculum der Niederlande anerkannt. 1970 wurde an der Universität in Amsterdam der erste außerordentliche Lehrstuhl eingerichtet, der sich den Aspekten der menschlichen Beziehungen und des Geschlechtslebens widmen sollte. Ein zweiter Lehrstuhl an der Universität in Leiden folgte im Jahr darauf. Coenraad van Emde Boas bekleidete beide Lehrstühle bis Ende der 1970er Jahre, als bei ihm ein Herzleiden konstatiert wurde.
Besonders in der frühen Nachkriegszeit war Coenraad van Emde Boas eine umstrittene Persönlichkeit in den Niederlanden. Einerseits wurde er von konservativen Psychoanalytikern angegriffen, die sich gegen seine Behandlungsmethoden wandten, andererseits galt vielen seiner Berufsgenossen seine Sicht auf tabuisierte Themen der Gesellschaft wie Empfängnisverhütung, Abtreibung, Homosexualität, Transsexualität und Pornographie als zu liberal und zu progressiv. Als Jude, Humanist und linksliberaler Sozialist verglich Coenraad van Emde Boas etwa die Diskriminierung Homosexueller mit der Diskriminierung anderer Minderheiten ethnischer, kultureller oder religiöser Art.
Coenraad van Emde Boas war zweimal verheiratet und wurde mehrfacher Vater. Er starb im Alter von 77 Jahren am 26. September 1981 in Amsterdam.
Der Vortrag, den Coenraad van Emde Boas auf dem Frankfurter Kongress des International Committee for Sexual Equality (ICSE) hielt, war ein Auszug aus seiner Doktorarbeit „Shakespeare’s sonnetten en hun verband met de Travesti-Double Spelen“ (dt. „Shakespeares Sonette und ihre Beziehungen zu den Travestie-Verwechslungsspielen“) vom Vorjahr. In ihm wandte er sich gegen die „Soziogenese der vitalen Abneigung“ des modernen Westeuropäers gegen alle Äußerungen der Homosexualität und Homoerotik. Diese Abneigung der judäo-christlichen Kultur, die van Ende Boas als ein typisch künstliches Produkt verstand, sei auf die seinerzeitige Isolation des jüdischen Volkes während seiner Ansiedlung inmitten einer heidnischen Umwelt zurückzuführen und damit als Ausnahme zu betrachten. Coenraad van Emde Boas verwies auf die gleichzeitig bei Hethitern und Phöniziern bestehenden Bräuche, die Homosexuelle ehrten und deren Freundschaften untereinander mit der Ehe gleichsetzten. Auch in der klassischen griechischen Gesellschaft seien homosexuelle Handlungen niemals als strafbar und verwerflich angesehen worden.
Bei dem 1952er Vortrag von Coenraad van Emde Boas handelte es sich ganz offenbar um eine gekürzte Version seiner Druckschrift in der „Wereld-Bibliotheek“ aus dem Jahr 1951.
Über den Vortrag, den Coenraad van Emde Boas auf dem 1955er Kongress des ICSE in Paris hielt, ist nur wenig bekannt. In der Schweizer „Homophilenzeitschrift“ Der Kreis hieß es lediglich, es sei „eine kernige und ausgezeichnet fundierte Rede über ‚Homosexualität, Moral und Menschenrechte‘“ gewesen, die zu einem lebendigen Gedankenaustausch führte.
Weiterführende Literatur
Anonym (1952): Dieser Kongresz [sic!], in: Periodical Newsletter, [Nr. 8] (Oktober 1952), S. 15-17, hier S. 15-16 [siehe hier auch S. 4 und 22].
Anonym (1952): Nieuw pleidooi voor uitgeworpenen, in: Wereldspiegel (Jg. 7), Nr. 3, S. 237.
Engelschman, Niek (1955): Menschenrechte und Ursprung der Moral. Der 4. Kongress des I.C.S.E., in: Der Kreis, (Jg. 23), Nr. 12, S. 20-21.
Oosterhuis, Harry (2009): Coenraad van Emde Boas, in: Sigusch, Volkmar und Günter Grau (Hrsg.): Personenlexikon der Sexualforschung. Frankfurt/Main und New York: Campus Verlag, S. 720-724.
Van Emde Boas, Coenraad (1951): De sociogenese van de vitale afkeer tegen de homo-sexualiteit (Overdruk). Amsterdam/Antwerpen: Wereld-Bibliotheek [32 Seiten].
Van Emde Boas, Coenraad (1961): Sex Life in Europe, in: Ellis, Albert und Albert Abarbanel (Hrsg.): The Encyclopedia of Sexual Behavior (Vol. 1). New York/London: Hawthorn/The Corsano, S. 373-383.
Van Emde Boas, Conrad (1967): Die Lage der Homosexuellen in den Niederlanden. In: Dührssen, Annemarie, Arthur Jores und Werner Schwidder (Hrsg.): Zeitschrift für Psychosomatische Medizin und Psychoanalyse (Jg. 13). Göttingen: Verlag für medizinische Psychologie im Verlag Vandenhoeck & Ruprecht, S. 55-63.
mehr …Flett, Frederick Arthur (Dr. med., Zahnarzt) geb. 2.8.1882 (Petrolia, Kanada) gest. 25.3.1959 (Detroit, USA)
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Frederick Arthur Flett wurde in Petrolia, Ontario, geboren und wanderte im Jahr 1900 von Kanada in die USA ein. Er erwarb seinen zahnmedizinischen Abschluss am Detroit College of Medicine und praktizierte die nächsten 50 Jahre als Zahnarzt. Flett beteiligte sich 1954 an dem erfolglosen Versuch, eine Zweigstelle der Mattachine Society in Detroit zu gründen, und sein Name ist bis heute der einzig bekannte unter den damals Anwesenden. Erst vier Jahre später wurde eine Ortsgruppe der Mattachine Society erfolgreich ins Leben gerufen. 1955 spendete Frederick Arthur Flett 30 holländische Gulden an das International Committee for Sexual Equality (ICSE), damit der Pariser Kongress der Organisation stattfinden konnte.
Weiterführende Literatur und Quellen
[Anonym] (o.J.): Fred Flett, auf Michigan LGBTQ Remember [zuletzt eingesehen am 5.7.2025].
[Anonym] (1955): Program of the Fourth International Congress for Sexual Equality, in: Periodical Newsletter. Nr. 7 (Oktober 1955), S. 3, online hier.
mehr …Gary, Sonia (französische Sängerin)
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In der Schweizer „Homophilenzeitschrift“ Der Kreis hielt Niek Engelschman (Bob Angelo) gleichermaßen enthusiastisch wie routiniert fest: „Erwähnen wir noch, dass Geist und Harmonie der ganzen Veranstaltung ausgezeichnet waren, dass am Samstag eine Presse-Cocktail-Party gegeben wurde, die von französischen wie auch von italienischen Journalisten gut besucht war, dass der Samstagabend die Kongressteilnehmer zu einem Theaterabend vereinte, der durch die Darbietungen von Teilnehmern aus den verschiedensten Ländern ebenfalls einen internationalen Charakter hatte und der, nicht zuletzt durch das Auftreten der französischen Rundfunk- und Fernsehsängerin Sonia Gari [sic!] und der beiden holländischen Frauendarsteller zu einem durchschlagenden Erfolg wurde. 60 Kongressteilnehmer fanden sich am Sonntag mit den Rednern und geladenen Gästen zu einem Bankett zusammen[,] und den eigentlichen Abschluss bildete am Dienstag eine Omnibusfahrt durch Paris, bei der die meisten Sehenswürdigkeiten der Stadt besichtigt wurden.“
Der Auftritt von Sonia Gary während des ICSE-Kongresses fand im Théâtre Adyar in unmittelbarer Nähe des Eiffelturms statt. Zugang zu der Veranstaltung hatten nur Kongressteilnehmer.
Weiterführende Literatur
Engelschman, Niek (1955): Menschenrechte und Ursprung der Moral. Der 4. Kongress des I.C.S.E., in: Der Kreis (Jg. 23), Nr. 12, S. 20-21.
Zum Hören (eine Auswahl von Liedern Sonia Garys)
„Oh! John“, auf youtube anhören (2’40)
„Ceux qui m’ont quitté“, auf youtube anhören (3’03)
„Qu’on est bien“, auf youtube anhören (2’34)
„Les amants du soleil“, auf youtube anhören (3’03)
„Mon cheri, mon ami“, auf youtube anhören (2’36)
… und zahlreiche weitere …
mehr …Guyon, René (Dr. jur., Rechtsphilosoph und Rechtsanwalt) geb. 27.5.1876 (Sedan, Frankreich) gest. 1963 (Bangkok, Thailand)
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1919 veröffentlichte Guyon den englischsprachigen Bericht The Work of codification in Siam („Die Ausarbeitung von Gesetzen in Siam“). Anschließend wurde er Berater des siamesischen Justizministers. 1940 nahm er die thailändische Staatsangehörigkeit an, und in der Folge wurde am Obersten Gerichtshof des Landes tätig. Sein neuer Name lautete Phichan Bunyong (thailändisch: พิชาญ บุญยง). Erst als Guyon in Ruhestand ging, ging er die Ehe mit einer jungen Frau aus Thailand ein.
Guyon reiste viel, sowohl in Europa, Nordafrika, Sibirien, China und Südostasien. In seinen Veröffentlichungen kritisierte er sowohl den Völkerbund als auch die Vereinten Nationen, die in seinen Augen nicht die Menschenrechte und die Freiheitsrechte des Einzelnen im Sinne der Französischen Revolution vertraten oder verteidigten. Als Rechtsphilosoph und Sexologe ist Guyon heute wegen seiner „Études d’éthique sexuelle“ („Studien zur sexuellen Ethik“) bekannt, die zwischen 1928 und 1947 entstanden. Mit dem neunbändigen Werk schrieb sich Guyon in eine Tradition von Autoren wie Magnus Hirschfeld, Helene Stöcker und Bertrand Russell (1872–1970) ein. Er wollte mit ihm das „alte Sexualregime“ überwinden und die Grundfreiheiten des Menschen neu überdenken. Dabei setzte er sich aber nicht nur für sexuelle Freiheit unter Erwachsenen und die Emanzipation der Frau ein, sondern sprach sich auch für geschlechtliche Kontakte zwischen Erwachsenen und Kindern aus.
Die ersten sechs Bände der „Studien zur sexuellen Ethik“ Guyons wurden zwischen 1929 und 1939 in Frankreich veröffentlicht, nach der deutschen Invasion des Landes aber bald verboten. Die letzten drei Bände sind bis heute unveröffentlicht. Die Originalmanuskripte befinden sich im Kinsey-Institut in Bloomington (USA).
Nach einem „Editorial“, das im Vorfeld des Frankfurter Kongresses des International Committee for Sexual Equality (ICSE) im Sommer 1952 im ICSE-Newsletter erschien, standen die Organisatoren des Kongresses in Verbindung mit René Guyon. Man bedauerte, dass er in Thailand lebte und dass man sonst keine Kontakte im französischsprachigen Raum habe. Vermutlich nahm Guyon auch am 1955er Kongress des ICSE in Paris nicht persönlich teil. Immerhin wurde dort auf einer internen Arbeitssitzung ein Vorschlag Guyons besprochen, nach dem die Ziele des Comittees von „sexueller Gleichberechtigung“ zu „sexueller Freiheit“ erweitert werden sollten. Offenbar wurde der Vorschlag nicht angenommen.
Weiterführende Literatur
Anonym (1952): Editorial, in: Periodical Newsletter, Nr. 5/6 [Mai 1952], S. 1.
Anonym (1955): Agenda of the Business Session of the International Committee for Sexual Equality during its 4th Conference, Paris, November 11–14, online hier.
Guyon, René (1952): Human rights, in: Periodical Newsletter, Nr. 4 [März 1952], S. 2.
Haeberle, Erwin J. (2003): Sexuelle Menschenrechte, in: ders.: Die Sexualität des Menschen. Handbuch und Atlas (2., erw. Auflage).
Mechelen, Floris van [d.i. Henri Methorst] (1953): [Kurzbesprechung von] René Guyon: Cahier II. Eros ou la sexualité affranchie, in: Periodical Newsletter, [Nr. 9] (Januar 1953), S. 45-46.
mehr …Halkema Kohl, Joseph Frederik (Dr., Soziologe) geb. 24.4.1899 (Surabaya, Indonesien)
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Über Joseph Frederik [Frits] Halkema Kohl liegen heute nur wenige Angaben vor. Er wurde am 24. April 1899 in Surabaya im damaligen Niederländisch-Indien geboren. Auf dem Pariser Kongress des International Committee for Equality (ICSE) hielt er 1955 einen Vortrag unter dem Titel „Mensch, Moral und Menschenrechte“, und offenbar ergriff er auch auf dem Brüsseler Kongress des ICSE drei Jahre später das Wort. Er hatte einen Doktor-Titel und wohnte in der frühen Nachkriegszeit in Den Haag (Niederlande).
Joseph Frederik Halkema Kohl war kein Arzt, sondern ursprünglich Wirtschaftswissenschaftler. 1923 hatte er in Rotterdam erfolgreich ein Examen in „Handelsökonomie“ abgelegt. Im Jahr darauf trat er in die niederländische Marine ein, und wenig später fungierte er als Vorsitzender der niederländischen „Vereeniging vor Staatkunde“ („Vereinigung für Staatskunde“) an der Handelshochschule in Den Haag. In den Unterlagen des ICSE wurde er auch als Soziologe bezeichnet.
In den 1930er Jahren lebte Joseph Frederik Halkema Kohl offenbar im niederländisch-indischen Batavia, heute Jakarta (Indonesien), wo er für das niederländische Außenministerium tätig wurde und in wirtschaftswissenschaftlichen Zeitschriften Artikel etwa über die „belgisch-niederländisch-luxemburgische Wirtschaftskooperation“, die „japanischen Exportvereinigungen“ und andere wirtschaftspolitische Sachfragen veröffentlichte. Offenbar trat Halkema Kohl auch in Theaterstücken auf. So verkörperte er in Ben van Eysselsteijns „De gendarm van Europa“ (Die Gendarmen von Europa) 1938 den russischen Gouverneur Boris Iwalowski in der („niederländisch-indischen“) „Stadsschouwburg“ in Batavia. Zwischen 1942 und 1945 war Joseph Frederik Halkema Kohl niederländischer Kriegsgefangener in Japan.
Um 1957 figurierte ein gewisser „Frits Halkolm“ neben „Floris van Mechelen“ (Henri Methorst) und anderen als Herausgeber des zweimonatlich erscheinenden ICSE-Newsletter. Möglicherweise handelte es sich bei ihm um Joseph Frederik Halkema Kohl.
Weiterführende Literatur
[Anonym] (1938): „De Gendarm van Europa“. Eerste Opvoering door Nederlandsche en Indische Tooneelvereeniging, in: Het Nieuws van den Dag, 10.12.1938 (Jg. 43, Nr. 283, zweites Blatt).
Engelschman, Niek (1955): Menschenrechte und Ursprung der Moral. Der 4. Kongress des I.C.S.E., in: Der Kreis (Jg. 23), Nr. 12, S. 20-21.
ICSE-Sekretariat (1954): Protokoll der Arbeitssitzung des I.C.S.E., (Internationales Komitee für Sexuelle Gleichberechtigung), den 23., 24. und 25. Okt. 1954 in Kopenhagen, S. 1-19 [unterzeichnet „J. H.“].
Weissenhagen, Norbert [d.i. Johannes Werres] (1958): 5. Internationaler Congress des ICSE in Bruxelles. Eine übernationale Tagung zur Lösung eines übernationalen Problems, in: Der Kreis (Jg. 26), Nr. 5, vordere und hintere Umschlagseite [Nachdruck aus „Newsletter“, Mai 1958].
mehr …Huisman, Cor (niederländischer Schriftsteller, Journalist)
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In einem anderen, internen Dokument des ICSE, dem Protokoll der Kopenhagener Arbeitssitzung vom Herbst 1954, fällt der Name „Jacques Huisman“. Es scheint, dass Jacques und Cor Huisman ein und dieselbe Person waren. Auch der Protokollant gab sich mit den Initialen „J. H.“ zu erkennen, und heute kann nicht entschieden werden, ob „Jacques“ ein Pseudonym oder ein zweiter Vorname von Cor Huisman war. Ende 1954 fungierte Jacques Huisman dann auch als stellvertretender Sekretär („assistent-secr.“) des ICSE. Nach Julian Jackson löste er wohl in dieser Funktion A. Oskamp ab.
Cor Huisman war bereits 1947 Redakteur der niederländischen „Homophilenzeitschrift“ Levensrecht („Lebensrecht“) geworden, wobei er sich des Pseudonyms „Herman Haegen“ bediente, und er wirkte später auch über viele Jahre als Redakteur an der Mitgliederzeitschrift des „Cultuur- en Ontspanningscentrum“ (COC, dt. „Kultur- und Freizeitzentrum“, 1946–1966), Vriendschap („Freundschaft“), mit. Um diese Zeit war er auch als Journalist in Den Haag tätig.
Offenbar zog sich Huisman um 1953 von seinem Redakteursposten beim COC zurück. Wenig später dürfte er dann in die französische Hauptstadt gezogen sein.
Weiterführende Literatur
[Anonym] (1954): Tagesordnung der Sitzung des Internationalen Komitees für Sexuelle Gleichberechtigung, zusammentretend den 23., 24. und 25. Oktober 1954 in Kopenhagen, online hier.
[Anonym] (1955): Program of the Fourth International Congress for Sexual Equality, in: Periodical Newsletter. Nr. 7 (Oktober 1955), S. 1-3, hier S. 2.
Huisman, Cor (1964): De legende von Magelang. Rotterdam: Enclave.
Jackson, Julian T. (2009): Living in Arcadia. Homosexuality, Politics, and Morality in France from the Liberation to AIDS. Chicago/London: University of Chicago Press, S. 81 und 269.
ICSE-Sekretariat (1954): Protokoll der Arbeitssitzung des I.C.S.E., (Internationales Komitee für Sexuelle Gleichberechtigung), den 23., 24. und 25. Okt. 1954 in Kopenhagen, S. 1-19, hier S. 10 [unterzeichnet „J. H.“].
Warmerdam, Hans und Pieter Koenders (1987): Cultuur en Ontspanning. Het COC 1946–1966. Utrecht: Interfacultaire Werkgroep Homostudies, hier u.a. S. 74, 211 und 379.
mehr …Kouwer, Benjamin J. (Prof. Dr., Psychologe) geb. 1921 (Groningen, Niederlande) gest. 3.9.1968 (Groningen, Niederlande)
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Benjamin J. Kouwer studierte zunächst Chemie an der Universität in Utrecht, wechselte während des Zweiten Weltkriegs aber zum Utrechter Konservatorium und spezialisierte sich auf Musiktheorie, bevor er begann, Psychologie zu studieren. In der unmittelbaren Nachkriegszeit führte er dank eines französischen Stipendiums am Pariser „Institut de Biométrie“ statistische Untersuchungen durch. Anschließend legte er in Utrecht das Examen in Psychologie ab.
1949 promovierte Benjamin J. Kouwer mit einer Arbeit über Farben und ihren Charakter, und 1951 veröffentlichte er zusammen mit Johannes Linschoten (1925–1964) eine Einführung in die Psychologie.
1952 veröffentlichte Kouwer in der führenden Nederlands Tijdschrift voor de Psychologie en haar grensgebieden einen Artikel über in der Gesellschaft verbreitete Haltungen zur Homosexualität („Inversion“), den er selbst als eine „‚Entlarvung‘ des wackeligen Fundaments einer unserer menschlichen (gesellschaftlichen) Gewissheiten“ bezeichnete. Kouwer ging davon aus, dass die „Inversion“ niemals einen offiziell anerkannten Status „in unserem kulturellen System“ erlangen werde. Gesetzliche Verbote von einvernehmlichem homosexuellen Verkehr unter Erwachsenen seien jedoch durch nichts zu rechtfertigen, und die „staatliche Zensur“ homosexueller Äußerungen in Film, Literatur und dergleichen sei nicht hinzunehmen. Kouwer schloss seinen Artikel mit einem Plädoyer für „eine geringere Kontrolle der Gesellschaft über das Sexualleben in all seinen Aspekten“. Drei Jahre später veröffentliche Kouwer zusammen mit C. A. Rümke auch einen Artikel über „Die Typen des idealen Partners“ in der COC-Zeitschrift Vriendschap („Die Freundschaft“).
1955 wurde Benjamin J. Kouwer außerordentlicher Professor an der Universität in Groningen, und von 1955 bis 1960 war er zudem Direktor des Groninger Instituts für angewandte Psychologie und Psychotechnik. 1962 veröffentlichte er eine Übersetzung von Jean-Paul Sartres Studie Saint Genet. Comédien et martyr unter dem Titel „De heilige Genet“ („Der heilige Genet“). Ein Jahr später veröffentlichte er unter dem Titel „Het spel van de persoonlijkheid“ („Das Spiel von der Persönlichkeit“) ein Buch, das in den Niederlanden über Jahrzehnte als Standardwerk zur Persönlichkeitstheorie galt. In ihm vertrat Kouwer die These, dass es das „Selbst“ nicht gebe: „Schale um Schale scheint sich von unserer Persönlichkeit zu lösen. Jedes Mal kommt nur eine neue Scheinschicht zum Vorschein.“
Benjamin J. Kouwer starb im Herbst 1968 im Alter von 47 Jahren und wurde in aller Stille eingeäschert.
Ob Benjamin J. Kouwer seinen für den Pariser ICSE-Kongress geplanten Vortrag unter dem Titel „Philosophical and Religious Aspects of Sex and Morals“ wirklich gehalten hat, ist noch nicht geklärt. In einem in der Schweizer „Homophilenzeitschrift“ Der Kreis abgedruckten Kongressbericht von Niek Engelschman wird sein Name nicht erwähnt.
Weiterführende Literatur
[Anonym] (1955): Program of the Fourth International Congress for Sexual Equality, in: Periodical Newsletter, Nr. 7 (Oktober 1955), S. 1-3, online hier.
Engelschman, Niek (1955): Menschenrechte und Ursprung der Moral. Der 4. Kongress des I.C.S.E., in: Der Kreis (Jg. 23), Nr. 12, S. 20-21.
Kouwer, Benjamin J. (1952): De sociale waardering van de sexuele inversie, in: Nederlands Tijdschrift voor de Psychologie en haar grensgebieden (Jg. 7), S. 364-377; erneut abgedruckt in Kouwer, Ben. J. (1977): Persoon en existentie. Groningen/Utrecht: Wolters Noordhoof/Bijleveld, S. 22-34.
Kouwer, Benjamin J. und C. A. Rümke (1955): Typen van de ideale partner, in: Vriendschap (Jg. 10), Nr. 11, S. 237-238.
mehr …Lantman, Gert (Ingenieur) geb. 8.4.1928 (Riga, Lettland) gest. 1.11.2002 (Nacka, Schweden)
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„Gert Lantman“ war das Pseudonym des Schweden Gert Mahler, der in den 1950er Jahren zweiter Vorsitzender und Sekretär des schwedischen Nationalen Verbands für sexuelle Gleichberechtigung (RFSL, Riksförbundet För Sexuellt Likaberättigande) war. Von 1954 bis 1960 war er ebenfalls Redakteur der schwedischen Vereinszeitschriften Följeslagaren („Der Gefährte“) und Forbundsmeddelande („Verbandsnachrichten“) des RFSL.
Über den Lebensweg Gert Mahlers alias „Lantman“ ist heute nur wenig bekannt. Mahler wurde 1928 in eine deutsch-baltische Familie in Riga, der Hauptstadt von Lettland, geboren. Von Beruf war er Ingenieur. Er heiratete im Oktober 1964 und wurde wenig später Vater zweier Kinder. Gert Mahler starb am 1. November 2002 in Nacka, einer Gemeinde im Großraum von Stockholm.
1955 nahm „Gert Lantman“ zusammen mit zwei namentlich nicht genannten schwedischen Landsleuten am Kongress des International Committee for Sexual Equality (ICSE) in Paris teil. Er trat hier aber nicht als Redner auf. Zusammen mit dem Deutsch-Schweden Hans Weil und dem Dänen Axel Lundahl Madsen (später Axgil, 1905–2011) war „Lantman“ im Jahr zuvor verantwortlicher Redakteur für eine Ausgabe der Schweizer „Homophilenzeitschrift“ Der Kreis gewesen, die den Untertitel „Die Homoerotik in Skandinavien“ trug. Er selbst verfasste dabei einen längeren Artikel auf Deutsch unter der Überschrift „Was lange währt, wird endlich besser“, in dem er sich mit den nationalen Gesetzgebungen zur Homosexualität in Skandinavien auseinandersetzte. Sein zweiter Artikel erschien auf Englisch unter dem Titel „The Rise and Progress of Sexual Hygiene in Sweden“.
Weiterführende Literatur
Der Kreis 1954 (Jg. 22), Nr. 9, online hier: [Sondernummer: Die Homoerotik in Skandinavien].
Lantman, Gert (1954): Was lange währt, wird endlich besser. Gedanken zu einer einheitlichen skandinavischen Gesetzgebung, in: Der Kreis (Jg. 22), Nr. 9, S. 11-15.
Lantman, Gert (1954): The Rise and Progress of Sexual Hygiene in Sweden, in: Der Kreis (Jg. 22), Nr. 9, S. 33-34, 37.
Söderström, Göran u.a. (Hrsg.): Sympatiens hemlighetsfulla makt. Stockholms homosexualla 1860–1960. Stockholm: Stockholmia Förlag, S. 655 und 657.
Wasniowski, Andréaz (2007): Den korrekta avvikelsen. Vetenskapsanvändning, normalitetssträvan och exkluderande praktiker hos RFSL, 1950–1970. Umeå: Förlaget Holzweg, S. 109.
Wolfert, Raimund (2021): Weil, Hans, in: Frankfurter Personenlexikon
mehr …Marcel, Gabriel (Philosoph) geb. 7.12.1889 (Paris, Frankreich) gest. 8.10.1973 (Paris, Frankreich)
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Gabriel Marcel bekannte sich ursprünglich zum Atheismus, konvertierte aber 1929 zum Katholizismus. Noch vor Jean-Paul Sartre (1905–1980), mit dem er in persönlichem Kontakt stand, wandte sich Marcel dem Existenzialismus zu, er selbst verwendete den Begriff aber nur ungern und wollte lieber als „Neo-Sokratiker“ bezeichnet werden.
Marcel wandte sich in seinen Schriften gegen das materialistisch-technokratische Denken in einer Welt, in der das „Haben“ wichtiger geworden war als das „Sein“. Die Aufgabe der Liebe sah er darin, die Objektbeziehung im Dialog zu einer „Du“-Erfahrung werden zu lassen. Das „Sein“ sah er da eingeschränkt, „wo das, was wir haben, uns versklavt oder uns zu seinen Funktionären macht.“
1948 erhielt Gabriel Marcel von der Académie française den Großen Literaturpreis für sein Gesamtwerk, und 1964 wurde ihm der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels verliehen.
Gabriel Marcel war zunächst zum Pariser Kongress des International Committee for Sexual Equality (ICSE) eingeladen worden. Er gehörte aber ähnlich wie Philippe Ariès zu den französischen Intellektuellen, die im Zuge der Auseinandersetzungen um André Baudrys Auftreten im Vorfeld des Kongresses ihre Teilnahme wieder absagten, um sich nicht vor die „Propagandakutsche“ Baudrys spannen zu lassen. Der Vortrag, den Marcel ursprünglich vor dem ICSE halten sollte, wurde in der niederländischen Zeitschrift Vriendschap unter dem Titel „Fundamentale Betekenis der Sexe“ („Die Grundbedeutung der Geschlechter“) angekündigt.
Julian Jackson hat 2009 die Frage aufgeworfen, wie wünschenswert die Teilnahme Gabriel Marcels am Pariser Kongress des ICSE 1955 eigentlich gewesen wäre. Marcel vertrat damals die Auffassung, Homosexuelle bildeten „eine wahre Freimaurerei, die in bestimmten Bereichen sogar die Hebel der Macht zu kontrollieren scheint.“
Weiterführende Literatur
[Anonym] (1955): Het vierde internationale congres te Parijs, in: Vriendschap (Jg. 10), Nr. 9, S. 309-310, hier S. 309.
Hoefeld, Friedrich (1956): Der christliche Existenzialismus Gabriel Marcels. Eine Analyse der geistlichen Situation der Gegenwart. Zürich: Zwingli.
Jackson, Julian T. (2009): Living in Arcadia. Homosexuality, Politics, and Morality in France from the Liberation to AIDS. Chicago/London: University of Chicago Press, S. 81-83.
Marcel, Gabriel (1951): Le Mystère de l’être. Paris: Aubier [in deutscher Übersetzung: Geheimnis des Seins, erstmals erschienen 1952].
Sommer, Hartmut (2011): Auf dem Weg zum Geheimnis des Seins. Gabriel Marcels Château du Peuch im Corrèze, in: Ders.: Revolte und Waldgang. Die Dichterphilosophen des 20. Jahrhunderts. Darmstadt: Lambert Schneider, S. 111-132.
mehr …Mazirel, Lau (Dr. jur., Rechtsanwältin) geb. 29.11.1907 (Utrecht, Niederlande) gest. 20.11.1974 (Saint-Martin-de-la-Mer, Frankreich)
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Früh engagierte sich Lau Mazirel im Sozialdemokratischen Studentenclub (SCSE, Sociaal Democratische Studentenclub), und als Rechtsberaterin wurde sie für das Medische Pädagogische Büro (Medisch Opvoedkundig Bureau) tätig, bevor sie 1937 eine eigene Rechtsanwaltskanzlei eröffnete. Hier half sie insbesondere Flüchtlingen und Menschen, die mit dem § 248 des niederländischen Strafgesetzbuches in Konflikt geraten waren. Nach diesem Paragraf wurden gleichgeschlechtliche sexuelle Kontakte geahndet, sofern eine der beteiligten Personen noch minderjährig war.
Vor allem nach der Besetzung der Niederlande durch das Deutsche Reich kam Lau Mazirels Kanzlei besondere Bedeutung zu. Mazirel engagierte sich als Pazifistin in der Widerstandsgruppe Vrije Groepen Amsterdam (dt. „Freie Gruppe Amsterdam“) und arbeitete unter einem Decknamen im Untergrund. 1943 war sie an einem Anschlag auf das Amsterdamer Einwohnermeldeamt beteiligt, um persönliche Angaben von politisch verfolgten Personen zu vernichten. Mehrmals wurde sie Opfer psychischer Misshandlungen, die ihre Gesundheit bis zum Ende ihres Lebens beeinträchtigten, und noch Ende 1944 wurde sie inhaftiert, allerdings wenig später wieder freigelassen.
Nach 1945 setzte sie ihre Tätigkeit als Rechtsanwältin für Menschen, die in die Niederlande eingewandert waren, und andere Benachteiligte der Gesellschaft fort. Sie engagierte sich für eine Liberalisierung der gesetzlichen Bestimmungen zum Schwangerschaftsabbruch und beriet die Nederlandse Vereniging voor Sexuele Hervorming (NVSH, „Niederländische Gesellschaft für Sexualreform“) sowie das Cultuur- en Ontspanningscentrum (COC, dt. „Kultur- und Freizeitzentrum“) in Rechtsfragen. Sie war eine der Kräfte, die sich nachdrücklich für die Verwendung des Wortes „homofiel“ statt „homoseksueel“ aussprachen.
Auf dem Frankfurter Kongress des International Committee for Sexual Equality (ICSE) von 1952 betonte Lau Mazirel, dass es unzureichend sei, gesetzliche Änderungen vorzunehmen, ohne auch die Haltungen der Sexualität gegenüber allgemein zu ändern. Jedem und jeder sei es gestattet, auf seine oder ihre Weise glücklich zu leben, sofern nicht die Rechte Dritter in Mitleidenschaft gezogen werden. Sie warnte vor einer Polizei, die sich zu einem „Staat im Staate“ formieren könne, und forderte, dass sich die Homophilen nicht isolierten, sondern stets mit anderen gesellschaftlichen Gruppen zusammenarbeiteten, die ähnliche Forderungen auf sexuellem Gebiet erhoben wie sie selbst.
Obwohl Lau Mazirel die bürgerliche Ehe ablehnte, da diese den Frauen einen benachteiligten Status zuwies, ging sie selbst zweimal eine Pro forma Ehe ein. Aus gesundheitlichen Gründen sah sie sich 1955 gezwungen, ihre Kanzlei aufzugeben, und in der Folge zog sie mit ihrer Familie nach Frankreich. Wenig später wurde sie zum Ehrenmitglied des COC ernannt.
Die 1981 errichtete Stiftung Lau Mazirel Stichting (später: Vereniging Lau Mazirel) verfolgt die Aufgabe, Menschen zu helfen, die einer Minderheit angehören und ihre Rechte und Interessen eingeschränkt sehen.
Weiterführende Literatur
Anonym (1952): Dieser Kongresz [sic!], in: Periodical Newsletter, [Nr. 8] (Oktober 1952), S. 15-17 [siehe hier auch S. 5].
De Goei, Leonie (2021): Mazirel, Laura Carola, auf: BWSA: Biografisch Wordenboek van het Socialisme en de Arbeidersbeweging in Nederland.
De Haan, Patrieck (o.J.): Lau Mazirel, auf: With Pride.
Pauwels, Henk (o.J.): Het leven en de erfenis van Lau Mazirel, auf: omzien.nl.
mehr …Mechelen, Floris van (Aktivist) geb. 12.4.1909 (Den Haag, Niederlande) gest. 10.8.2007 (Laren, Niederlande)
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Henri Methorst studierte zunächst Jura, brach aber das Studium vorzeitig ab, um in der Folge durch Asien zu reisen. Nach seiner Rückkehr in die Niederlande lernte er die spirituelle Lehre des indischen Philosophen Jiddu Krishnamurti (1895–1986) kennen, die zeit seines Lebens von großer Bedeutung für ihn bleiben sollte. Wenn Krishnamurti in den Niederlanden war, fungierte Methorst auch als dessen Übersetzer.
1933 gründete Henri Methorst zusammen mit einem befreundeten Ehepaar den Verlag De Driehoek, in dem Bücher von umstrittenen Autoren wie Henry Miller und D. H. Lawrence erschienen. Ab 1934 wurde hier auch die Zeitschrift Perspectieven van Wordende Cultuur (dt. „Perspektiven einer werdenden Kultur“) verlegt, in der Artikel zu Themen wie Theosophie, Vegetarismus, Abstinenz, Homosexualität und moderne Kultur behandelt wurden. Während der Zeit des Zweiten Weltkriegs dienten die Räumlichkeiten des Verlags zum Teil als Unterkunft für untergetauchte Juden in den von den Deutschen besetzenden Niederlanden.
1946 gehörte Henri Methorst zu den Gründern des niederländischen COC, das heute die älteste noch bestehende LSBTIQ-Vereinigung der Welt ist. Methorsts zentrale Forderung war, dass Homosexuelle nicht länger als krank betrachtet werden sollten, und er verknüpfte die Agitation für ihre Rechte mit der Emanzipation der Frau und den Menschenrechten im Allgemeinen. In den

Henri Methorst starb am 10. August 2007 in der Gemeinde Laren nordöstlich von Hilversum.
In einem kurzen Beitrag für den Periodical Newsletter wertete Henri Methorst den Frankfurter Kongress des ICSE als großen Erfolg. Er schrieb, der „Sexus“ dürfe nicht mehr nach alten Maßstäben gemessen werden, da er nicht mehr in erster Linie der Fortpflanzung, dem Staat und der Familie diene. Unverheiratete Männer und Frauen, Menschen mit „eigenartiger Begabung“ sowie „männliche Frauen und weibliche Männer“ könnten eine „eigene Funktion und Erfüllung“ in der menschlichen Gesellschaft finden. Wichtig sei es, dass sie lernten, die Hemmnisse zu überwinden, die die überkommene Kultur ihnen auferlegt hatte, um Lebensfreude, Gefühlsreife und Verantwortungsbewusstsein zu erlangen – und damit auch der sozialen Gemeinschaft dienen zu können. Die „homoerotische Veranlagung“ sei etwas Natürliches und ein Problem nur insofern, als sie in einem Konflikt mit einer „zurückgebliebenen“ und „teilweise erstarrten“ Kultur und Gesellschaft stehe.
Weiterführende Literatur
Grubb, Page und Rob Pistor (1981): Henri Methorst. Laten we een internationaal comité oprichten, in: Sek (Jg. 11), Nr. 4, S. 11-13.
Mechelen, Floris van [d.i. Henri Methorst] (1952): Die Bewegung für sexuelle Gleichberechtigung. Ihre Wege und Ziele, in: Periodical Newsletter , [Nr. 8] (Oktober 1952), S. 13-14 [siehe hier auch S. 2-3].
Mechelen, Floris van [d.i. Henri Methorst] (1952): Perspektiven der Bewegung für sexuelle Gleichberechtigung. Ihre Wege und Ziele, in: Der Kreis (Jg. 20), Nr. 10, S. 7-8 [mit einer redaktionellen Anmerkung von „Rolf”].
Mechelen, Floris van [d.i. Henri Methorst] (1953): Derde internationale congres voor sexuele rechtsgelijkheid. Gastvrouw: de Nederlandse vereniging C.O.C., in: Vriendschap (Jg. 8), Nr. 10 (Oktober 1953), S. 2-4.
Mechelen, Floris van [d.i. Henri Methorst] (1953): Dritter internationaler Kongress für sexuelle Gleichberechtigung, in: Periodical Newsletter, [Nr. 13: Congress Issue, Kongresznummer, Numéro du congrès], (Oktober 1953), S. 126-130.
Renders, Hans und Paul Arnoldussen (2003): Henri Methorst bleek Een Hunner, in: Renders, Hans und Paul Arnoldussen: Jong in de jaren dertig. Interviews. Soesterberg: Uitgeverij Aspekt (erweiterte Neuauflage), S. 125-132.
mehr …Oskamp, A. (Aktivist)
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Dass A. Oskamp in Coimbra gewohnt haben soll, lässt an den Zeichner und Fotografen Antonio Santos denken, der in der Schweizer „Homophilenzeitschrift“ Der Kreis auch Coimbra als Wohnort angab. Santos war aber möglicherweise gar kein Portugiese. Bei seinem Namen handelte es sich vermutlich um ein Pseudonym, das er nur benutzte, wenn er für den Kreis arbeitete. Namentlich gezeichnete Werke Santos’ erschienen zwischen 1952 und 1963 in der Zeitschrift. Von Santos haben sich zudem vierzehn Originalzeichnungen, die auf der Rückseite mit Preisangaben versehen sind, im Schwulenarchiv Schweiz (Schweizerisches Sozialarchiv Zürich) erhalten.
Da „Rolf“ (bzw. Karl Meier, 1897–1974) bei der Auflösung des Kreis Ende 1967 den Statuten gemäß seine gesamte Korrespondenz verbrannt hat, finden sich im Schwulenarchiv Schweiz heute keine weiteren Dokumente mit einer näheren Anschrift oder ergänzenden Informationen zu Antonio Santos.
Weiterführende Literatur
[Anonym] (1955): Program of the Fourth International Congress for Sexual Equality, in: Periodical Newsletter. Nr. 7 (Oktober 1955), S. 3, online hier.
ICSE-Sekretariat (1954): Protokoll der Arbeitssitzung des I.C.S.E., (Internationales Komitee für Sexuelle Gleichberechtigung), den 23., 24. und 25. Okt. 1954 in Kopenhagen, S. 1-19, hier S. 1.
Jackson, Julian (2009): Living in Arcadia. Homosexuality, Politics, and Morality in France from the Liberation to AIDS. Chicago/London: University of Chicago Press, S. 269.
Wolfert, Raimund (2019): Antonio Santos, Coimbra. Fragen ohne Antworten – Zeugnis einer dunklen Zeit, auf: schwulengeschichte.ch.
mehr …Pillay, Alliyapan Padmanabhan (Dr., Sexologe) geb. 1889 oder 1890 (unbekannter Ort) gest. 1956 (Bombay, Indien)
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Über den Lebensweg des indischen Sexologen Alliyapan Padmanabhan Pillay liegen nur wenige Informationen vor. Pillay war Herausgeber der Zeitschriften Marriage Hygiene (1934–1937) und International Journal of Sexology (1947–1955), die beide im indischen Bombay erschienen.
Sanjam Ahluwalia, Professorin am Fachbereich Geschichte und im Studiengang Frauen- und Geschlechterforschung an der Northern Arizona University in den USA, hat festgehalten, dass Pillay und sein Beitrag zur Sexualwissenschaft insbesondere von euro-amerikanischen Forschern und Forscherinnen der Vergangenheit marginalisiert wurde – und dies nach wie vor wird. Ahluwalia schrieb, dass Pillay von seinem Büro im Whiteaway-Gebäude in Bombay Exemplare seiner Zeitschriften an Interessenten in der ganzen Welt verschickte: „Er schrieb und kommunizierte mit seinen Zeitgenossen in verschiedenen Teilen der Welt, sammelte weltweit Spenden für seine ehrgeizigen sexologischen Projekte und schuf eine intellektuelle Plattform für die Initiierung von Forschung und Dialog über Sex, Lust, Gesundheit und Fortpflanzung über nationale Grenzen hinweg.“ Die Auseinandersetzung mit Pillays Ideen über menschliche Intimität und Sexualität stelle die Konstruktion kolonialisierter Räume wie Bombay als vermeintliche „Orte des Nicht-Denkens“, die außerhalb der im 20. Jahrhundert etablierten Macht- und Wissensregime lagen, massiv in Frage.
Ob Magnus Hirschfeld Alliyapan Padmanabhan Pillay je zur Kenntnis genommen hat, ist unbekannt. In Hirschfelds Die Weltreise eines Sexualforschers (1933) wird sein Name nicht genannt, auch wenn Hirschfeld nach eigenen Angaben in Bombay insgesamt sechs sexualwissenschaftliche Vorträge hielt. Bekannt ist indes, dass Pillay 1936 eine Rezension zu Hirschfelds Women, East and West (1935) verfasst hat. Sie kommt weitgehend einem Verriss gleich. So schrieb Pillay: „After going through the book the reader feels disappointed that there is very little in it about the sex life of women either of the East or of the West. It is more a history of his travels, and on travels better books have been written.“
In einer Ausgabe des US-amerikanischen Mattachine Review wurde die Teilnahme Pillays am Pariser Kongress des International Committee for Sexual Equality (ICSE) angekündigt. Vermutlich ist es dazu aber nicht mehr gekommen. Noch Ende 1955 sprachen die niederländischen Delegierten des Cultuur- en Ontspanningscentrum (COC, dt. „Kultur- und Freizeitzentrum“) beim ICSE auf einer Arbeitssitzung darüber, in Zusammenarbeit mit Pillay ein Jahrbuch herauszugeben. Auch dies ist nie realisiert worden.
Schriften (Auswahl)
Pillay, A. P. (1931): Welfare problems in rural India. Mit einem Vorwort von J. Norman Walker und einer Einleitung von Margaret Ida Balfour. Bombay: D. B. Taraporevala Sons & Co.
Pillay, A. P. (1936): [Rezension zu:] Women, East and West. By Magnus Hirschfeld, in: Marriage Hygiene (Jg. 2), Nr. 4, S. 491-493.
Pillay, A. P. (1940): Birth control simplified. Describing effective and inexpensive modern methods of avoiding pregnancy. Bombay: D. B. Taraporevala Sons & Co.
Pillay, A. P. (1948): Disorders of sex and reproduction. Aetiology, diagnosis and treatment. London: H. K. Lewis & Co. Ltd.
Pillay, A. P. und Albert Ellis. Hrsg. (1953): Sex, Society and the Individual. Bombay: International Journal of Sexology.
Weiterführende Literatur
Ahluwalia, Sanjam (2017): „Tyranny of Orgasm“. Global Governance of Sexuality from Bombay, 1930s–1950s, in: Fuechtner, Veronika, Douglas E. Haynes und Ryan M. Jones (Hrsg.): A Global History of Sexual Science, 1880–1960. Oakland, California: University of California Press, S. 353-373.
Anonym (1955): International Report. 4th Annual Congress of International Committee for Sexual Equality To Be Held November 11–14 at Paris, in: Mattachine Review, Nr. 5 (September-Oktober), S. 38.
Anonym (1955): Protokoll der Arbeitsversammlung der niederländischen C.O.C.-Delegierten bei dem I.C.S.E., am Montag, den 28. November 1955 im Haag [Protokollant Axel Hollweg], S. 2, online hier.
Chiang, Howard (2024): The big picture of sexual science, in: BJHS Themes (Jg. 9), S. 195-206, online hier.
Hirschfeld, Magnus (1933): Die Weltreise eines Sexualforschers. Brugg: Bözberg-Verlag, siehe hier vor allem S. 268-277.
mehr …Servadio, Emilio (Prof. Dr., Psychoanalytiker) geb. 14.8.1904 (Genua, Italien) gest. 18.1.1995 (Rom, Italien)
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In den 1920er Jahren interessierte er sich vornehmlich für die Lyrik der Avantgarde und legte auch selbst einen ersten Gedichtband vor. Nachdem er nach Rom gezogen war, wurde er als Redakteur der Enciclopedia Italiana Treccani und das Dizionario Enciclopedico Italiano tätig. Gleichzeitig beschäftigte er sich mit der Psychoanalyse und trat bald in Kontakt mit Edoardo Hebel-Weiss (1889–1970), dem ersten Psychoanalytiker Italiens, dessen Schüler er wurde. Im Zuge dessen beteiligte sich Servadio 1932 an der Gründung der Italienischen Gesellschaft für Psychoanalyse (SPI). In den Folgejahren befasste er sich auch mit paranormalen Phänomenen und hielt 1934 im Schweizerischen Luzern einen Vortrag über Psychoanalyse und Telepathie in deutscher Sprache.
Nach der Bekanntgabe der faschistischen Rassengesetze in seinem Heimatland verließ Emilio Servadio 1938 Italien und ließ sich in Bombay (Indien) nieder. Auch hier wurde er von den Folgen des Zweiten Weltkriegs nicht verschont. Obwohl er ein Flüchtling war, wurde er zusammen mit anderen in Indien lebenden Italienern drei Jahre lang in einem britischen Lager interniert. Erst 1946 kehrt er nach Italien zurück.
Die 1950er Jahre waren für Emilio Servadio die fruchtbarste Zeit im Dienst der Psychoanalyse. Er arbeitete mit der Zeitung Il Tempo in Rom zusammen und wurde Berater für die staatliche Rundfunkanstalt Italiens RAI, die mehrere wissenschaftliche Programme über die Psychoanalyse produzierte. Auf dem Pariser Kongress des International Committee for Sexual Equality (ICSE) wollte Emilio Servadio einen Vortrag unter dem Titel „Moral und Pseudo-Moral“ halten. Da er aber kurzfristig verhindert war, wurde sein Redemanuskript „in absentia“ von „Floris van Mechelen“, dem ICSE-Präsidenten, verlesen.
Noch später wurde Emilio Servadio als wissenschaftlicher Berater für die Filme Im Labyrinth der Sexualität (Nel Labirinto Del Sesso, 1969) von Alfonso Brescia und als Darsteller in Vittorio De Sistis Skandalproduktion Sex im Beichtstuhl (Sesso in confessionale, 1974) tätig. Er starb am 18. Januar 1995 in Rom und wurde auf dem nicht-katholischen Friedhof der Stadt, dem Cimitero degli Inglesi, beigesetzt.
Weiterführende Literatur
[Anonym] (1955): Program of the Fourth International Congress for Sexual Equality, in: Periodical Newsletter. Nr. 7 (Oktober 1955), S. 1-3, online hier.
Mariani, Rachele (2013): Servadio Emilio [biografischer Eintrag mit umfassender Bibliografie], auf: Società Psicoanalitica Italiana, zuletzt eingesehen am 5.7.2025.
Olzi, Michele [2019]: A Cure for the Soul. Mesmerism, Psychical Research, and Psychoanalysis in the Life and Work of Emilio Servadio (1904–1995). PHD Thesis. Varese e Como: Università degli Studi dell’Insubria, online hier (279 S.).
Servadio, Emilio (1932). Christa Winsloe Gestern und Heute, in: Rivista Italiana Di Psicoanalisi, (Jg. 1) Nr. 5, S. 415.
Servadio, Emilio (1959): Parapsychologie und „Ungläubigkeitsreaktion“, in: Zeitschrift für Parapsychologie und Grenzgebiete der Psychologie, (Jg. 2), S. 1-9.
mehr …Smitt, Jarl Wagner (Dr. med., Arzt) geb. 4.5.1912 (Frederiksberg, Dänemark) gest. 12.2.2008 (Ry, Dänemark)
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Auf dem Frankfurter Kongress des ICSE von 1952 hielt Jarl Wagner Smitt einen Vortrag zu einer von ihm selbst entwickelten „Instinkteinprägungstheorie“, mit der er die Möglichkeiten einer homosexuellen Prägung im Kindheits- und Jugendalter erklären wollte. Dieser Vortrag wurde noch 1952 als Artikel in der englischsprachigen Zeitschrift International Journal of Sexology (Mumbai, damals Bombay, Indien) von Alyappan Padmanabhan Pillay gedruckt. Der Periodical Newsletter vom Juli 1953 brachte einen kurzen Beitrag Jarl Wagner Smitts in deutscher Sprache, in dem es um die Rezeption seiner „Instinkteinprägungstheorie“ in Fachkreisen wie in der allgemeinen Öffentlichkeit ging. Ob Jarl Wagner Smitt, wie in der US-amerikanischen Zeitschrift Mattachine Review angekündigt, 1955 an dem Pariser Kongress des ICSE teilgenommen hat, hat sich noch nicht ermitteln lassen.
Jarl Wagner Smitt heiratete 1958 erst relativ spät im Leben, seine Frau war 27 Jahre jünger als er selbst. Er wurde 1960 zum Spezialarzt in Psychiatrie ernannt. 1952 war er Sekretär der dänischen nationalen „Vereinigung für psychische Hygiene“ („Landsforeningen for mentalhygiene“), und im Folgejahr nahm er eine Stelle im Nervensanatorium Montebello nördlich von Kopenhagen an, bevor er 1957 in die neurologische Abteilung des Kommunehospitals in der dänischen Hauptstadt wechselte.
Weiterführende Literatur
Anonym (1952): Nieuw pleidooi voor uitgeworpenen, in: Wereldspiegel (Jg. 7), Nr. 3, S. 237.
Anonym (1955): International Report. 4th Annual Congress of International Committee for Sexual Equality To Be Held November 11–14 at Paris, in: Mattachine Review, Nr. 5 (September-Oktober), S. 4 und 38.
Fogedgaard, Helmer (1952): En tiltrængt bog, in: Vennen (Jg. 4), Nr. 1, S. 12-13.
Myhrman, Gustaf (1952): Homosexualiteten, in: Svenska Dagbladet, 3.12.1952.
Rovsing, Leif (1951): De homosexuelle – og vi andre, in: Vennen (Jg. 3), S. 155.
Smitt, Jarl Wagner. Hrsg. (1951): Hvorfor er de sådan? En studie over homosexualitetens problemer. København: Reitzel.
Smitt, Jarl Wagner (1952). Homosexuality in a new light, in: International Journal of Sexology (Jg. 6), Nr. 1, S. 36-39.
Smitt, Jarl Wagner (1952): Homosexualiteten som mentalhygiejnisk problem, in: Kvinden og samfundet. Køn, kultur & politik (Jg. 68), S. 8-10.
Smitt, Jarl Wagner (1953): Instinktprægning og homosexualitet, in: Nordisk Sommer Universitet 1952. Menneske og miljø (Moderne videnskab. Orientering og debat, II). København: Ejnar Munksgaard, S. 70-72.
Smitt, Jarl Wagner (1953): Die Art, in der die Theorie der Instinkteinprägungstheorie [sic!] empfangen worden ist, in: Periodical Newsletter, [Nr. 12] (Juli 1953), S. 115-116 [auf Englisch ebenfalls in: Periodical Newsletter, [Nr. 11] (Mai 1953), S. 76-77].
Smitt, Jarl Wagner (1955): Den homosexuelle prostitution, in: Vennen (Jg. 7), S. 115-118 [Særtryk fra „Nordisk Medicin“].
Torp, Niels (2000): Den danske lægestand 1993–2000. København: Lægeforeningens Forlag, Bd. 2: L–Å (17. Ausg.), S. 1799.
mehr …Weil, Arthur (Dr. med., Privatdozent) geb. 3.10.1887 (Braunschweig) gest. 9.5.1969 (München)
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Bereits an der Tierärztlichen Hochschule in Berlin war Arthur Weil in Kontakt mit dem Schweizer Physiologen Emil Abderhalden (1877–1950) getreten, mit dem er etliche gemeinsame Veröffentlichungen vorlegte. Weil nahm 1913 an der ersten Sitzung der „Ärztlichen Gesellschaft für Sexualwissenschaft und Eugenik” teil, und im folgenden Jahr wurde er als „Dezernent für wissenschaftliche Arbeit” in einen Ausschuss des Wissenschaftlich-humanitären Komitees (WhK) berufen. Am Institut für Sexualwissenschaft wurde er 1921 zum Leiter der „Abteilung für Innere Sekretion” ernannt. In dieser Position nahm er eine Schlüsselposition innerhalb des Instituts wie des WhK ein, und wenig später wurde er auch in das Kuratorium der „Dr.-Magnus-Hirschfeld-Stiftung” gewählt.
Gleichwohl verließ Arthur Weil Deutschland 1923, um fortan in den USA zu arbeiten. Er wurde zunächst in New York und später in Chicago auf Gebieten wie der Neuroanatomie, Endokrinologie und Immunologie tätig. Auch war er an der Herausgabe des Journal of Neuropathology & Experimental Neurology beteiligt. Er stand in Verbindung mit der sich formierenden amerikanischen Homosexuellenbewegung, hielt sich diesbezüglich aber im Hintergrund, und führte in seinen Publikationen die ursprünglich von Magnus Hirschfeld formulierten sexualwissenschaftlichen Ideen weiter fort. Seine eigene Mitarbeit am Institut für Sexualwissenschaft verschwieg Weil nach dem Zweiten Weltkrieg selbst in Hinblick auf die meisten seiner einst in Deutschland veröffentlichten Arbeiten.
Arthur Weil fühlte sich auch in den USA eng mit Europa verbunden, er soll stets Heimweh gehabt haben. Im September 1953 nahm er neben seinem Berufskollegen Hendrik Cornelius Rogge, den er noch aus den Zeiten des ersten WhK kannte, am dritten internationalen Kongress des ICSE (International Committee for Sexual Equality) in Amsterdam teil. Auf dem Frankfurter ICSE-Kongress des Vorjahres war es Weil, der den Vortrag des US-amerikanischen Soziologen „Donald Webster Cory“ alias Edward Sagarin vorlas. Auch 1955 nahm Arthur Weil am Pariser Kongress des ICSE teil, wohl aber nicht als Redner. In der Schweizer „Homophilenzeitschrift“ Der Kreis heißt es lediglich, Weil habe sich neben Coenraad van Emde Boas, Joseph Frederik Halkema Kohl und anderen an einer sogenannten „Panel-Diskussion“ beteiligt. Als das ICSE im Zuge des Pariser Kongresse in eine finanzielle Schieflage geriet, soll sich Weil auch bereit erklärt haben, einen Teil des Defizits durch eine einmalige Schenkung zu tragen.
1968, im Alter von 81 Jahren, kehrte Arthur Weil nach Deutschland zurück, um hier zu sterben. Er erlag am 9. Mai 1969 in München einem Herzleiden und einer Lungenentzündung.
Nachlass
Ein Teilnachlass von Arthur Weil wird von den ONE Archives at the University of Southern California in Los Angeles verwahrt.
Weiterführende Literatur
Anonym (1952): Le deuxième congrès, in: Periodical Newslette, [Nr. 8] (Oktober 1952), S. 22.
Engelschman, Niek (1955): Menschenrechte und Ursprung der Moral. Der 4. Kongress des I.C.S.E., in: Der Kreis (Jg. 23), Nr. 12, S. 20-21.
Herrn, Rainer (2009): Arthur Weil (1887–1969), in: Sigusch, Volkmar und Günter Grau (Hrsg.): Personenlexikon der Sexualforschung. Frankfurt/New York: Campus, S. 735-740.
mehr …Weiterführende Literatur
Anonym (1955): International Report. 4th Annual Congress of International Committee for Sexual Equality To Be Held November 11–14 at Paris, in: Mattachine Review, Nr. 5 (September-Oktober), S. 4 und 38.
Anonym (1955): Het vierde internationale congres te Parijs, in: Vriendschap (Jg. 10), Nr. 9, S. 309-310.
Anonym (1955): Program of the Fourth International Congress for Sexual Equality, in: Periodical Newsletter, Nr. 7 (Oktober 1955), S. 1-3, online hier.
Anonym (1955): À propos du congrès, in: Arcadie. Revue littéraire et scientifique (Jg. 2), Nr. 24, S. 70.
Anonym (1955): Ziel und Arbeit des ICSE. Tempora mutantur et mores in illis, in: Humanitas (Jg. 3), Nr. 2, S. 439-441.
Anonym (1956): De mänskliga rättigheterna och moralens ursprung. ICSE:s fjärde kongress den 11–14 november i Paris, in: Följeslagaren (Jg. 2), Nr. 1 (März 1956), S. 19-20.
A. (1955): Het vierde Internationale Congres te Parijs, in: Vriendschap (Jg. 10), Nr. 12, S. 260.
Engelschman, Niek (1955): Menschenrechte und Ursprung der Moral. Der 4. Kongress des I.C.S.E., in: Der Kreis (Jg. 23), Nr. 12, S. 20-21.
Engelschman, Niek (1956): Droits de l’homme et sources de la morale. Le 4me congrès international de l’I.C.S.E. à Paris, in: Der Kreis (Jg. 24), Nr. 2, S. 29-30.
Jackson, Julian T. (2009): Arcadie. La vie homosexuelle en France, de l’après-guerre à la dépénalisation. Chicago: University of Chicago Press, bzw.: Ders. (2009): Living in Arcadia. Homosexuality, Politics, and Morality in France from the Liberation to AIDS. Chicago/London: University of Chicago Press.
P., A. de (1955): Congrès I.C.S.E. Paris. Lettre ouverte, in: Der Kreis (Jg. 23), Nr. 12, S. 38-41 [mit einem red. Zusatz auf S. 42].
Rupp, Leila J. (2011): The Persistence of Transnational Organizing. The Case of the Homophile Movement, in: The American Historical Review (Jg. 116), Nr. 4, S. 1014-1039.
Warmerdam, Hans und Pieter Koenders (1987): Cultuur en Ontspanning. Het COC 1946–1966. Utrecht: Interfacultaire Werkgroep Homostudies, hier vor allem S. 263-275.
Ein Dokumentationsprojekt der Magnus-Hirschfeld-Gesellschaft
(work in progress)
Berlin, Juli 2025; letzter Stand: 29. August 2025
Beteiligte Mitarbeiter_innen: Raimund Wolfert
Das abgebildete Plakat zum 1955er ICSE-Kongress befindet sich im Original im Riksarkivet, Oslo.
