Magnus-Hirschfeld-Gesellschaft e.V. Forschungsstelle zur Geschichte der Sexualwissenschaft

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Eustace Chesser (1902–1973), Großbritannien

Eustace Chesser

Dr. Eustace Chesser (ursprünglich Isaac Chesarkie) war ein schottischer Psychiater, Sozialreformer und Schriftsteller, der als Sohn russischer Einwanderer in Edinburgh geboren wurde. Er war Autor von Büchern wie Love without Fear (dt.: Liebe ohne Furcht, 1950) und Sexual Behaviour Normal and Abnormal (dt.: Glück und Gefahr der Liebe, 1951), die seinerzeit weit verbreitet waren. In seinem Vortrag auf dem dritten internationalen Kongress des ICSE in Amsterdam sprach er über den Unterschied zwischen „echter” und „Pseudo-Homosexualität“, wobei er unter „echter“ Homosexualität sowohl eine angeborene als auch eine im Kindesalter „erworbene“ gleichgeschlechtliche Orientierung verstand.

„Floris van Mechelen“ (Henri Methorst) hob in seiner Besprechung im Periodical Newsletter vom Oktober 1953 hervor, Chessers Rede habe sich durch „tiefe Menschlichkeit“ ausgezeichnet. In ihr habe Chesser um Verständnis für die Gesellschaft und die Konvention geworben, die sich „gezwungenermaßen auf die Majorität einstellen“ müsse: Konzessionen müssten deshalb nicht nur von den Heterosexuellen, sondern auch von den Homosexuellen gemacht werden. Kritik an den Positionen Chessers äußerte hingegen Hans Weil aus Stockholm. Nach „Larion Gyburc-Hall“ (Werner Schmitz) gipfelte die Argumentation Chessers in der Feststellung, dass die Strafverfolgung Homosexueller „eine Travestie auf die Gerechtigkeit“ sei.

Der Redebeitrag von Eustace Chesser auf dem 1953er Kongress des ICSE in Amsterdam unter dem Titel „Die Gesellschaft und der Homosexuelle“ ist im Manuskript erhalten und kann auf Deutsch hier und auf Englisch hier eingesehen werden [in der deutschen Fassung fehlt allerdings Seite 13].

Weiterführende Literatur

Chesser, Eustace (1940): Love without Fear. London: Rich & Cowan.

Chesser, Eustace (1949): Sexual Behaviour Normal and Abnormal. London: Medical Publications Limited.

Chesser, Eustace (1950): Liebe ohne Furcht. Psychologie und Praxis der Liebe. Stuttgart: Hans E. Günther.

Chesser, Eustace (1953): Die Gesellschaft und der Homosexuelle, in: Bericht des dritten internationalen Kongresses für sexuelle Gleichberechtigung (I.C.S.E.), 12-14 September 1953 Amsterdam, S. 12-23d [Seite 13 fehlt].

Chesser, Eustace (1953): De samenleving en de homosexuele mens, in: Vriendschap, Nr. 11 (November 1953), S. 5-7, und Nr. 12 (Dezember 1953), S. 14-15.

Chesser, Eustace (1954): Society and the Homosexual, in: International Journal of Sexology (Jg. 7), Nr. 4, S. 213-216.

Chesser, Eustace (1959): Odd Man Out. Homosexuality in Men and Women. London: Victor Gollancz.

Gyburg-Hall [sic!], Larion [d.i. Werner Schmitz] (1953): Bindet den Helm fester! Bericht über den 3. Internationalen Kongreß für sexuelle Gleichberechtigung vom 12.–14. September 1953 zu Amsterdam, in: Der Weg zu Freundschaft und Toleranz (Jg. 3), Nr. 10 (Oktober 1953), S. 4-7, hier S. 5.

Mechelen, Floris van [d.i. Henri Methorst] (1953): Dritter internationaler Kongress für sexuelle Gleichberechtigung, in: Periodical Newsletter, [Nr. 13] (Oktober 1953), S. 127-128.

Weil, Hans (1953): Stockholm schreibt, in: Periodical Newsletter, [Nr. 14] (November-Dezember 1953), S. 166-168.