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The International Journal of Sexology

Von 1947 bis 1955 erschien im indischen Bombay (heute: Mumbai) eine wissenschaftliche Vierteljahreszeitschrift, die insbesondere in der deutschsprachigen Forschung zur Geschichte der Sexualitäten nach wie vor ein Schattendasein führt. Zwei Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs gelang es dem indischen Sexologen Alliyapan Padmanabhan Pillay, seine Zeitschrift Marriage Hygiene wiederzubeleben, die zunächst zwischen 1934 und 1937 erschienen war. Das neu aufgelegte Periodikum nannte er bald in The International Journal of Sexology um, und um es scharte er eine illustre Runde von Autoren und Autorinnen weltweit, unter ihnen Harry Benjamin, Ewald Bohm, Eustace Chesser, Anne-Marie Durand-Wever, Hans Giese und Norman Haire, um nur einige zu nennen.
…mehrDer fünfte Kongress des International Committee for Sexual Equality (ICSE)

Am Pfingstwochenende 1958 fand in Brüssel der fünfte Kongress des International Committee for Sexual Equality (ICSE) statt. Der belgische Verein „Centre de Culture et de Loisirs“ (CCL, dt. „Kultur- und Freizeitzentrum“) richtete die Veranstaltung in den eigenen Räumen in der 29, Rue Jules van Praet aus, und von Seiten ausländischer Gruppierungen waren Vertreter und Vertreterinnen des niederländischen „Cultuur- en Ontspannings Centrum“ (COC), der Bremer Internationalen Freundschaftsloge (IFLO), der Berliner Gesellschaft für Reform des Sexualrechts (GfRdS), der französischen Vereinigung „Le Verseau“ (dt. „Der Wassermann“), des norwegischen Verbands DNF-48 (Det Norske Forbundet av 1948) und der beiden US-amerikanischen Organisationen „Mattachine Society“ und „One“ anwesend. Für etliche Besucher war das Motto des Kongresses „World Vision on Homosexuality“ ein wenig hochgegriffen, andere verteidigten den Titel. Schließlich habe man sich gegen eine Weltausstellung behaupten müssen, die zeitgleich in Brüssel stattfand.
Im Brüsseler Versammlungssaal des CCL hatten etwa einhundert Personen Platz. Wohl auch deshalb wurde in der internen Berichterstattung angemerkt, „Symposium“ wäre wohl ein besseres Wort gewesen als „Kongress“. Nachdem sich das ICSE 1952 fast ausschließlich und seit 1956 überwiegend mit den Verhältnissen in Deutschland befasst habe, bedeute der Brüsseler Kongress des ICSE 1958 eine Wendung zum Internationalen hin, hielt „Floris van Mechelen“ (Henri Methorst), der Präsident der Vereinigung, in seiner Begrüßung an die Kongressteilnehmer fest. Die weitaus meisten von ihnen waren Männer: Etwa fünfzig kamen aus Belgien und etwa fünfzig aus dem Ausland. Frauen seien vor allem aus den nordischen Ländern angereist, heißt es in den Unterlagen. Namentlich ist von ihnen aber bislang keine bekannt.
…mehrDer erste Kongress des International Committee for Sexual Equality (ICSE)

Während der Pfingsttage 1951, vom 12. bis zum 14. Mai 1951, fand unter dem Vorsitz des niederländischen „Cultuur- en Ontspanningscentrum“ (COC, dt. „Kultur- und Freizeitzentrum“) in Amsterdam der erste Kongress des International Committee for Sexual Equality (ICSE) statt. Nach eigenen Angaben des COC waren etwa fünfzig Teilnehmer von in- wie ausländischen Vereinigungen, so etwa Abgesandte des „Kreis“ aus der Schweiz, des „Forbundet af 1948“ (F-48) aus Dänemark und des „Vereins zur Pflege einer humanitären Lebensgestaltung“ (VhL) aus der Bundesrepublik Deutschland, vertreten, um Vorträge zu verschiedenen Aspekten der Homosexualität zu halten bzw. diese zu hören und über sie zu diskutieren. Es war der Auftakt zu einer Reihe von fünf Kongressen, die bis 1958 in Städten wie Amsterdam, Frankfurt am Main, Paris und Brüssel stattfanden.
Namhafte Gäste wie der französische Schriftsteller Jean Cocteau, der US-amerikanische Sexualwissenschaftler Alfred C. Kinsey und die beiden Hamburger Schriftsteller Rolf Italiaander und Hans Henny Jahnn sowie der Darmstädter Referent Ernst Ludwig Driess waren 1951 aus unterschiedlichen Gründen verhindert, an der Veranstaltung teilzunehmen. Von Cocteau, Jahnn und Driess wurden aber – wie von Kurt Hiller auch – Grußworte und/oder Manuskripte verlesen.
…mehrDer vierte Kongress des International Committee for Sexual Equality (ICSE)

Über den vierten Kongress des International Committee for Sexual Equality (ICSE), der vom 11. bis zum 14. November 1955 in Paris stattfand, war insbesondere im deutschen Sprachraum bislang nur wenig bekannt. Der Kongress wurde unter dem Titel „Menschenrechte und Ursprung der Moral“ in den Räumen der Gewerkschaft „La Confédération des Cadres“ in der Rue Gramont ausgerichtet, und an ihm sollten ursprünglich so prominente Intellektuelle wie Philippe Ariès und Gabriel Marcel aus Frankreich sowie Gösta Carlberg aus Schweden, Benjamin J. Kouwer aus den Niederlanden und Emilio Servadio aus Italien teilnehmen. Mehrere von ihnen sagten allerdings kurzfristig ihre Teilnahme wieder ab. An die Strahlkraft ihrer Vorgängerkongresse in Amsterdam und Frankfurt am Main konnte die Veranstaltung in der französischen Hauptstadt folglich nicht anschließen.
Nach Angaben des ICSE brachte ein Bus etwa vierzig Besucher und Besucherinnen aus den Niederlanden zu dem Kongress nach Paris, ein weiterer Bus sollte aus Hamburg und Kopenhagen anfahren. Erwartet wurde zudem eine größere Delegation aus Italien, die dann aber wohl doch nicht kam. Anwesend waren schließlich Vertreter von „homophilen“ Vereinigungen aus Belgien, Frankreich, England, Deutschland, den Niederlanden und aus Skandinavien.
…mehrDer zweite Kongress des International Committee for Sexual Equality (ICSE)

Sieben Jahre nach dem Ende der nationalsozialistischen Diktatur in Deutschland und dem Ende des Zweiten Weltkriegs richtete das niederländische International Committee for Sexual Equality (ICSE) seinen zweiten internationalen „Kongress für Sittengesetze und sexuelle Gleichberechtigung” in Frankfurt am Main aus. Der Kongress fand vom 29. August bis zum 2. September 1952 unter der Teilnahme von namhaften „Medizinern, Juristen, Pädagogen und Soziologen” – die meisten von ihnen Männer – an der Johann Wolfgang Goethe-Universität in Frankfurt statt.
Zutritt zu den Veranstaltungen hatten an allen vier Tagen nur Mitglieder der dem ICSE angeschlossenen Vereinigungen, in Deutschland waren das der Frankfurter Verein für humanitäre Lebensgestaltung (VhL) und der Bremer Weltbund für Menschenrechte, der sich als Mutterorganisation der Internationalen Freundschaftsloge (IFLO) wenig später in Gesellschaft für Menschenrechte (GfM) umbenannte. Gleichwohl sollen sich etwa 250 Gäste aus Dänemark, Deutschland, Frankreich, Griechenland, Italien, den Niederlanden, Norwegen, Schweden, den USA und selbst Indonesien zu dem Kongress eingefunden haben.
Bislang war über den Frankfurter Kongress des ICSE vom Spätsommer 1952 insbesondere im deutschen Sprachraum nur wenig bekannt. Ursprünglich sollte der Kongress in Kopenhagen ausgerichtet werden, doch dann erreichte der Frankfurter Vereinsaktivist Heinz Meininger relativ kurzfristig, dass er in seiner Heimatstadt abgehalten wurde. Angesichts der verheerenden Prozesswelle gegen homosexuelle Männer, die kurz zuvor in Frankfurt losgetreten worden war und die als „Frankfurter Homosexuellenprozesse” ein trauriges Kapitel in der Frühgeschichte der Bundesrepublik Deutschland schrieben, galt es, ein Zeichen zu setzen, das weit über die Stadt hinaus strahlen und auch im europäischen Ausland sichtbar sein sollte. Finanziert wurde der Kongress wohl zur Hälfte mittels Spenden aus dem Umfeld der Bremer IFLO, die übrigen Gelder kamen aus dem Raum Frankfurt und den Niederlanden.
…mehrDer dritte Kongress des International Committee for Sexual Equality (ICSE)

Vom 12. bis zum 14. September 1953 fand auf Einladung des niederländischen COC (Cultuur- en Ontspanningscentrum, dt. „Kultur- und Freizeitzentrum“, 1946–1966) in Amsterdam der dritte internationale Kongress des International Committee for Sexual Equality (ICSE) statt. Dessen Thema „Geistige Volksgesundheit und sexuelle Gleichberechtigung“ wurde von sechs Rednern aus verschiedenen Ländern der Welt beleuchtet. Ursprünglich sollte der Kongress – wie schon der Frankfurter ICSE-Kongress des Vorjahres – in Kopenhagen abgehalten werden, musste aber wegen der Absage der dänischen Partnerorganisation F-48 (Forbundet af 1948, dt. „Der Verband von 1948“) in die Niederlande verlegt werden.
Der dreitägige Kongress war in den Augen der Veranstalter überraschend gut besucht. Der angemietete Saal des Amsterdamer Parkhotels in der Stadhouderskade 25, in dem 230 Personen gleichzeitig Platz finden konnten, erwies sich immer wieder als zu klein. Unter den Anwesenden waren Amerikaner, Belgier, Dänen, Deutsche, Engländer, Franzosen, Italiener, Norweger, Schweden, Schweizer und – wie der mehrsprachige Periodical Newsletter stolz betonte – zwei Syrer sowie ein Portugiese. Erfreut gab man sich ferner über die Teilnahme aus protestantischen, katholischen und humanistischen Kreisen, aber auch von namhaften Psychiatern sowie von Vertretern etwa des Niederländischen Vereins für Sexualreform (Nederlandse Vereniging voor Seksuele Hervorming, NVSH) oder gar der Heilsarmee. Lediglich die Presse war, wie der ICSE-Präsident „Floris van Mechelen“ (Henri Methorst) in seinem Kongressbericht enttäuscht festhielt, „kaum vertreten“: Die niederländischen Tageszeitungen fügten sich nach wie vor in eine „sexualverneinende Tradition“.
…mehrdigiS Projektförderung

Seit Anfang dieses Jahres haben wir die Möglichkeit, einen Teil der Fotosammlung des ehemaligen Instituts für Sexualwissenschaft digital zu erschließen und öffentlich zugänglich zu machen. Dies können wir dank des Förderprogramms zur Digitalisierung von Objekten des kulturellen Erbes des Landes Berlin und der Unterstützung durch digiS realisieren. Auch wenn der allergrößte Teil der fotografischen Sammlung durch die Ereignisse zwischen dem 6. und 10. Mai 1933 – die Plünderung des Instituts in Berlin und die anschließende Bücherverbrennung auf dem Opernplatz – vernichtet wurde, lassen sich Fragmente der Sammlung rekonstruieren.
…mehrUnsere Projektwebseite zu „Hlas“ (Die Stimme)

Unsere neue Projektwebseite ist freigeschaltet! In den letzten Monaten hat sich die Magnus-Hirschfeld-Gesellschaft intensiv mit der historischen tschechoslowakischen LSBTIQ*-Zeitschrift „Hlas“ beschäftigt und präsentiert die Ergebnisse nun auf der Seite hlas-queermagazin.de. „Hlas“ war nach dem erzwungenen Ende aller deutschen Zeitschriften, die sich um die Belange homosexueller Männer und Frauen sowie von bisexuellen und trans* Personen bemühten, ab 1933 neben dem Schweizer „Freundschaftsbanner“ (später „Der Kreis“) weltweit die einzige Zeitschrift für Angehörige sexueller Minderheiten.
…mehrErschließung der tschechischen LSBTIQ-Zeitschrift „Hlas“ (1931–1938)

Esra Paul Afken und Raimund Wolfert werden im Herbst 2023 federführend für die Magnus-Hirschfeld-Gesellschaft ein neues Mikroprojekt betreuen. Inhaltlich geht es um die Zeitschrift Hlas (auch Nový hlas und Hlas přírody), die von 1931 bis 1938 in der damaligen Tschechoslowakei erschien. Sie war neben dem Schweizer Kreis (zunächst Freundschaftsbanner, dann Menschenrecht) die einzige europäische Zeitschrift, die sich während der NS-Zeit explizit an sexuelle Minderheiten richtete und schwule, bisexuelle, lesbische und transidente Themen verhandelte, wobei sie stets auch eine deutschsprachige Leser*innenschaft im Blick hatte.
…mehrFrauen um Magnus Hirschfeld

Wer waren die Frauen, die Magnus Hirschfeld nahestanden und die ihn prägten? Mit welchen Frauen arbeitete er zusammen, und auf welche bezog er sich in seinen Schriften wie in seinen Vorträgen? Das sind nur drei Fragen, denen sich die Magnus-Hirschfeld-Gesellschaft auf einer neuen Übersichtsseite ihres Internetauftritts widmet, zumindest ansatzweise. Denn in aller Kürze lassen sich diese Fragen kaum beantworten.
Zu dem angefügten Foto etwa können wir mit Sicherheit nur sagen, dass die zwei Frauen links neben Hirschfeld seine Schwestern Recha Tobias und Jenny Hauck sind. Zudem lässt sich die Liste der Fragen fortsetzen: Mit welchen Frauen kam Magnus Hirschfeld nicht überein und warum? Und was hielten eigentlich Frauen von Hirschfeld und seinen Ausführungen – zu seinen Lebzeiten wie nach seinem Tod? Im Guten wie im Schlechten.
…mehrDie Plünderung des Instituts für Sexualwissenschaft in der NS-Zeit

Das Deutsche Zentrum für Kulturgutverluste mit Sitz in Magdeburg hat der Magnus-Hirschfeld-Gesellschaft e.V. ein zweijähriges Forschungsprojekt bewilligt, das am 1. Oktober 2022 startet. Dr. Jens Dobler wird dieses Projekt durchführen. Das Vorhaben möchte den Ablauf der Enteignung und den zerstörten Bestand des ehemaligen Instituts für Sexualwissenschaft so detailliert wie möglich rekonstruieren. Als Ergebnis entsteht ein bebildeter Katalog der verlorenen Sammlung, der vor allem Museen, Sammlungen und Auktionshäusern zur Überprüfung der eigenen Bestände dienen soll.
…mehrToni Ebel 1881–1961, Malerin – eine Spurensuche
25. September 2022 bis 31. Januar 2023Die Ausstellung Toni Ebel 1881–1961, Malerin – eine Spurensuche, veranstaltet von der Magnus-Hirschfeld-Gesellschaft e.V. in Zusammenarbeit mit dem Sonntags-Club e.V., präsentiert künstlerische Werke Ebels in fotografischen Reproduktionen.
Toni Ebel genoss in den 1950er Jahren einen gewissen Bekanntheitsgrad. Nach ihrem Tod wurde es still um sie, bis ihr Name 2001 in Gesprächen mit einer Zeitzeugin auftauchte und Recherchen zu ihrem Leben und Werk anstieß. Für die Ausstellung konnten knapp zwanzig Werke zusammengetragen werden, die zum Teil in Form von zeitgenössischen Schwarz-Weiß-Fotografien vorliegen, weil die Originale verschollen sind.
…mehrObleute des WhK – Gesamtverzeichnis

Im Wissenschaftlich-humanitären Komitee (WhK) gab es ab 1904 Bestrebungen, eine Art kollektives Führungsgremium zu bilden. Es erhielt zunächst die Bezeichnung „Obmännerkommission“ und bestand aus sieben Personen. Später wuchs die Zahl auf siebzig Mitglieder. Das Obmännerkollegium wählte den Vorstand des WhK, und gemäß den Statuten der Organisation sollten in ihm möglichst viele Bevölkerungs- und Berufsgruppen vertreten sein. Auf der nachfolgenden Namensliste finden sich dementsprechend nicht nur Ärzte und Rechtsanwälte, sondern auch Schriftsteller, Industrielle, Kaufleute, Ingenieure, Mechaniker und andere. Grundsätzlich währte die Obmannschaft im WhK fünf Jahre. Nach Ablauf dieser Zeit konnte sich jedes Mitglied der Wiederwahl stellen, und wer das Amt zehn Jahre bekleidet hatte, konnte zum Obmann auf Lebenszeit ernannt werden.
…mehrAusschreibung: MHG fördert Projekte zur Prostitutionsforschung

Die Magnus-Hirschfeld-Gesellschaft e.V. in Berlin ist von Stefan Hülsmann (1962–2017) testamentarisch zum Erbe bestimmt worden. Unter dem Namen Marc vom Freudenberg bzw. Marc of Frankfurt war er als Sexworker, Escort und Tantra-Masseur tätig und zugleich auf vielfältige Weise in der Prostituiertenbewegung engagiert. Marc setzte sich auf vielen Hurenkongressen, Tagungen und Konferenzen für die Professionalisierung und Weiterbildung von Prostituierten ein, bemühte sich um die gesellschaftliche Anerkennung der Prostitution und ergriff nicht zuletzt Initiativen zur Vernetzung der Sexarbeiter*innen. Wichtig war ihm insbesondere, dass Forschungsprojekte mit der Expertise von Selbsthilfe-Initiativen der Sexworker*innen entwickelt und durchgeführt werden.
…mehrMonatsberichte des WhK 1902–1908

Die Monatsberichte des Wissenschaftlich-humanitären Komitees (Charlottenburg–Berlin) sind eine reichhaltige Quelle zur Frühgeschichte der homosexuellen Emanzipationsbewegung nicht nur im deutschsprachigen Raum. Die einzelnen Monatsberichte sind jedoch bislang nur schwer zugänglich gewesen, in kaum einer öffentlichen oder wissenschaftlichen Bibliothek dürften sie vollständig erhalten sein. Auch weisen sie kein Inhalts-, Namens- oder Ortsverzeichnis auf. Die gezielte Recherche in den Ausgaben war deshalb von jeher aufwendig. Aus diesem Grund hat sich die Magnus-Hirschfeld-Gesellschaft entschieden, das gebundene Exemplar der Monatsberichte 1904–1908, das wir in unserer Sammlung haben, zu digitalisieren und interessierten Leser_innen und Forscher_innen zur Verfügung zu stellen.
…mehrAufruf zur Rehabilitierung von Dr. Hans Holbein

Seit der Reform des § 175 StGB sind fünfzig Jahre vergangen. Aus Anlass dieses Ereignisses fordern über fünfzig Persönlichkeiten aus Wissenschaft, Politik und Gesellschaft die Rehabilitierung des thüringischen Juristen Dr. Hans Holbein (1864–1929). Die Unterzeichner des Aufrufs fordern das Land Thüringen, die Universität Jena und die Stadt Weimar auf, Dr. Hans Holbein zu rehabilitieren, das Vermögen der Holbein-Stiftung zu restituieren und es im Sinne des Stifters zu verwenden.
Initiatoren des Aufrufes sind Dr. Alexander Zinn (Universität Dresden), Prof. Dr. Rüdiger Lautmann (Universität Bremen) und Ralf Dose von der Magnus-Hirschfeld-Gesellschaft. Die Initiative steht unter der Schirmherrschaft von Christine Lieberknecht, Ministerpräsidentin des Freistaates Thüringen a. D.
…mehrWer war Eva Siewert?

Ein Name, ein Foto, eine Handvoll Texte – die Ausgangslage für den neuen digitalen Gedenkraum war denkbar schwierig. Doch ein vierköpfiges Projektteam, ausgehend von der Magnus-Hirschfeld-Gesellschaft, hat sich der Herausforderung gerne gestellt. Seit Anfang 2019 lädt die Website In Erinnerung an Eva Siewert, finanziell gefördert von der Berliner Landesstelle für Gleichbehandlung gegen Diskriminierung (LADS), zum Schauen, Lesen, Hören, Stöbern und Entdecken ein. Besuchen Sie die Seite www.eva-siewert.de
…mehrWer ist wer in Magnus Hirschfelds „Die Weltreise eines Sexualforschers“?

1933 erschien im Schweizer Bözberg-Verlag Magnus Hirschfelds epochaler Bericht Die Weltreise eines Sexualforschers. Das Buch mache uns „bekannt mit den Hochzeits- und Ehebräuchen, Geburtssitten, Reifezeremonien, dieser ganzen von kultischen Feiern, von Glauben und Aberglauben umsponnenen Lebensgestaltung der Völker, die über die Erde hin unübersehbare Variationen aufweist“, pries der Verlag das Werk einst an. Doch uns heutigen bietet Hirschfelds Buch noch mehr. Der Leser / die Leserin begegnet in dem Buch einer Vielzahl von Namen: Persönlichkeiten, die Hirschfeld auf seiner Weltreise traf, die er hier kennenlernte oder auf die er sich in seinen Ausführungen bezog.
…mehrEugen Wilhelms Tagebücher – Editionsprojekt

Der Straßburger Amtsrichter und spätere Rechtsanwalt Eugen Wilhelm (1866–1951) war unter dem Pseudonym „Numa Praetorius” ein langjähriger Mitarbeiter des Wissenschaftlich-humanitären Komitees und der Jahrbücher für sexuelle Zwischenstufen. Auf Veranlassung der Magnus-Hirschfeld-Gesellschaft recherchierte Dr. Régis Schlagdenhauffen 2009 nach Familienangehörigen und dem Verbleib des Nachlasses von Eugen Wilhelm. Dabei stellte sich heraus, dass Eugen Wilhelm über Jahrzehnte hinweg Tagebücher geführt hat, die erhalten sind. Die Tagebücher werden von Régis Schlagdenhauffen und Kevin Dubout unter verschiedenen Aspekten ausgewertet und zur Edition vorbereitet.
…mehrFamilie Hirschfeld aus Pommern – Familiengeschichtliche Recherchen

Zahlreiche Mitglieder der weiteren Familien Hirschfeld und Mann werden an der einen oder anderen Stelle in Hirschfelds Werken erwähnt oder spielen zeitweilig eine Rolle im Institut für Sexualwissenschaft. In den letzten Jahren ist es gelungen, Daten für eine umfangreiche Stammtafel der Vorfahren von Magnus Hirschfeld und ihrer zahlreichen Nachkommenschaft zusammenzustellen. Diese Arbeit hatte und hat vor allem den Zweck, durch systematische Recherchen lebende Angehörige zu finden, bei denen evtl. noch Familienpapiere oder andere Dinge aus Hirschfelds Nachlass zu finden sein könnten.
…mehrHirschfelds Vermächtnis: Erschließung der Stiftungsakten

Als Magnus Hirschfeld 1919 mit der Errichtung einer Stiftung die Grundlage für das von ihm begründete Institut für Sexualwissenschaft schuf, verfügte er: „Für den Fall, dass die Stiftung […] aufgehoben werden sollte, soll das Stiftungsvermögen an die Universität Berlin oder, falls diese die Annahme ablehnt, an eine andere Hochschule fallen…“ Dieser Fall trat mit der Zerschlagung des Instituts durch die Nationalsozialisten am 6. Mai 1933 ein. Die Berliner Universität trat damals dieses Vermächtnis nicht an. Die Geschichte der Dr. Magnus Hirschfeld-Stiftung bis 1933 wird anhand der Stiftungsakte, die der Neugründungsversuche im Exil anhand von nachgelassenen Papieren Hirschfelds und Dokumenten in englischen Archiven nachgezeichnet.
…mehrMagnus Hirschfelds Gästebuch aus dem Exil

In der Zeit seines Exils von 1933–1935 hat Magnus Hirschfeld ein Gästebuch geführt, das auf verschlungenen Pfaden seinen Weg in das Deutsche Literaturarchiv in Marbach gefunden hat. Seit Jahren arbeitet Marita Keilson-Lauritz an einer Edition von Hirschfelds Exil-Gästebuch. Inzwischen ist ihr Arbeitsexemplar des Gästebuchs – es war auch mehrfach in Berlin zu sehen – selbst ein spannendes Logbuch der Wege und Irrwege auf der Suche nach den Einträger_innen geworden. Die Liste der Personen ist nicht nur ein Who is who des Exils, das man mit Grausen wegen der Barbarei oder mit Bewunderung wegen der enthaltenen berühmten Namen zur Kenntnis nehmen kann.
…mehrE2H

Angesichts der öffentlichen Diskussion um das Queere Kulturhaus – Elberskirchen-Hirschfeld-Haus (E2H) hatten wir die hier nachstehend wiedergegebene Erklärung zunächst den (noch) am Projekt eines Queeren Kulturhauses (E2H) als Grundlage für die Diskussion um die Möglichkeiten einer weiteren Zusammenarbeit zugestellt.
Wir sind nach wie vor überzeugt davon, dass es sinnvoll und notwendig ist, die zahlreichen in Berlin vorhandenen LSBTIQ*-Sammlungen und Archive an einem Ort gemeinsam nutzbar zu machen. Das wird allerdings nur auf einer neuen Grundlage möglich sein, nachdem schon vor dem Spinnboden die Forschungsstelle Kulturgeschichte der Sexualität, das Lili-Elbe-Archiv und das Schwule Museum ihre Mitarbeit aufgekündigt haben. Für uns steht die Sicherung und nachhaltige Bereitstellung aller Berliner LSBTIQ*-Sammlungen und -Archive für die Wissenschaft und die interessierte Öffentlichkeit im Zentrum – ein kulturgeschichtlicher Schatz, den wir erhalten müssen und den Berlin bewahren sollte.
