Magnus-Hirschfeld-Gesellschaft e.V. Forschungsstelle zur Geschichte der Sexualwissenschaft

Forschungssplitter zu Toni Ebel

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Die Postkarte des Gefreiten Ebel. Digitales Bildarchiv des ISGV, Dresden. Sign. 093074.

Über Toni Ebels junge Jahre wissen wir nur sehr wenig. Fast alles beruht auf Selbstaussagen Ebels aus späterer Zeit, und die waren recht lückenhaft und vor allem auch nicht immer widerspruchsfrei. Dass Toni Ebel im Ersten Weltkrieg Dienst an der Waffe leisten und Traumatisches erleben musste, hat sie beispielsweise nach 1945 nie mehr erwähnt. Noch um 1930 hat sie aber einige Aussagen hierzu gemacht. Demnach wurde sie 1916 zum Kriegsdienst eingezogen, machte Stellungskämpfe im nordöstlichen Frankreich mit, wurde verschüttet und erlitt schließlich einen Nervenzusammenbruch, was dazu führte, dass sie als „Schwerbeschädigter“ mit einem Rentenanspruch aus der Armee entlassen wurde.

Nun sind wir auf eine Postkarte aufmerksam geworden, die sich im Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde (ISGV) in Dresden befindet. Sie stammt vom April 1915 und wurde von dem Gefreiten Ebel in der Wallonie (Belgien) wohl an einen Freund aus dem sächsischen Raum geschrieben und abgeschickt. Der Handschriftenabgleich mit anderen uns vorliegenden Dokumenten ist nach wie vor etwas unsicher, jedoch erscheint es uns möglich, dass die Karte eben von Toni Ebel stammt. Zudem hatte Ebel um 1910 bereits in Dresden gewohnt und dürfte deshalb Kontakte auch nach Sachsen unterhalten haben.

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Kartenrückseite (Ausschnitt). Digitales Bildarchiv des ISGV, Dresden.
Der Text der Karte ist für unsere Zwecke (noch) nicht sehr aufschlussreich. Der Absender der Karte teilt lediglich mit, dass der Schützengraben, den sein Zug gegraben habe, an das Dorf Pont Rouge anschließt – einen Ort an der belgisch-französischen Grenze zwischen Ypern und Lille.

Aber: Wenn die Postkarte von Toni Ebel stammt, war sie also schon ein Jahr früher als bislang bekannt in den Kriegsdienst eingetreten und gehörte dem 5. Infanterieregiment M 4 und da dem 8. Trupp [?] im 19. Arbeiterzug der 40. Division an. Wir danken dem ISGV dafür, dass es uns einen Scan der Postkarte so unkompliziert zur Verfügung gestellt hat, und behalten die möglichen neuen Details zu Toni Ebels frühem Lebensweg weiter im Auge.