Wieder in rechtmäßigen Händen
Restitution eines Buchs aus der Sammlung von Dr. Eugen Herz (1874–1944)

Provenienzforschung, also die Erforschung der Herkunft von Kulturgegenständen wie z.B. Gemälden oder Büchern, war schon immer ein zentraler Bestandteil der Arbeit der Magnus-Hirschfeld-Gesellschaft. Umso erfreulicher ist es, dass wir zur Abwechslung nun auch einmal die Möglichkeit hatten, selbst ein vom NS-Regime enteignetes Buch seinem rechtmäßigen Erben übergeben zu können.
Es war unser ehemaliger Mitarbeiter Dr. Jens Dobler, der ein Projekt ins Leben gerufen hatte, um sich der Provenienzforschung zu Büchern vor allem aus der Bibliothek des Frankfurter Instituts für Sexualwissenschaft (1973–2006) und der ehemaligen Privatbibliothek von Volkmar Sigusch zu widmen, welche im Herbst 2021 durch eine Schenkung (siehe hier) in den Besitz der MHG gelangt waren.
In einem der Bücher, Linda Murris Das Verhängnis meines Lebens aus dem Jahr 1906, findet sich als unverkennbares Kennzeichen seines Vorbesitzers das Exlibris von Dr. Eugen Herz, gefertigt vom Künstler Richard Lux (1923). Eugen Herz war ein österreichischer Industrieller, dessen Vermögen nach dem „Anschluss“ Österreichs an das Deutsche Reich von den Nationalsozialisten im Zuge von „Arisierungsmaßnahmen“ enteignet wurde. In seinem Privatbesitz befand sich auch eine große Sammlung von Kunstliteratur, Klassikern der Weltliteratur und Memoiren. Forscher*innen der Universitätsbibliothek Salzburg war über das Exlibris bereits 2014 die Identifikation von Eugen Herz gelungen, und dank dieser Arbeit konnten wir ihm nun auch das Buch aus unseren Beständen zuordnen.
Im September 2025 hatte die MHG nun die Ehre, Linda Murris Das Verhängnis meines Lebens an den Enkel von Dr. Herz, den Schauspieler und Autor Miguel Herz-Kestranek, zu restituieren. Unser Mitarbeiter Ralf Dose war zu diesem Zweck nach St. Gilgen in Österreich gereist und hat das Buch Herrn Herz-Kestranek persönlich überreicht.
