Magnus-Hirschfeld-Gesellschaft e.V. Forschungsstelle zur Geschichte der Sexualwissenschaft

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Der Eintrag Magnus Hirschfelds in Hermann Webers und Paul Dalquens Gästebuch.

Anfang 2019 erhielt die Magnus-Hirschfeld-Gesellschaft ein großzügiges Geschenk aus dem Frankfurter Raum: Es ist das Gästebuch von Hermann Weber und Paul Dalquen, in dem an prominenter Stelle gleich zuvorderst ein handschriftlicher Eintrag von Magnus Hirschfeld steht. Hermann Weber (1882–1955) war vor 1933 Leiter der Ortsgruppe Frankfurt/Main des Wissenschaftlich-humanitären Komitees (WhK), und er wurde 1949 Ehrenvorsitzender des Vereins für humanitäre Lebensgestaltung (VhL) sowie Präsident des WhK Hans Gieses.

Ab 1914, dem Jahr, in dem er in Verbindung mit Hirschfeld trat, führte Hermann Weber mit seinem Freund und Lebenspartner, dem Industriellen Paul Dalquen (1893–1975), einen gemeinsamen Haushalt. Über den Lebensweg und das vereinspolitische Wirken Webers war bis vor wenigen Jahren gleichwohl nur wenig bekannt. Erst die Forschungen Raimund Wolferts ab 2015 förderten interessante Details aus dem Leben Hermann Webers zutage, und sie brachten die Magnus-Hirschfeld-Gesellschaft in Kontakt mit nahen Familienangehörigen Webers und Dalquens, aus deren Besitz das Gästebuch stammt.

Magnus Hirschfeld schrieb am 22. Mai 1928 in Webers und Dalquens Gästebuch: „Nur Freunde wie Sie, mein lieber Hermann Weber und Paul Dalquen, haben es mir ermöglicht, im Kampf gegen eine Welt von Vorurteilen nicht zu erlahmen. Wohl gibt das Bewusstsein von der Gerechtigkeit der Sache, der man dient, Kraft, grössere Kraft der feste Glaube an den Sieg der Wahrheit, – damit allein aber schafft man es nicht, wenn nicht das volle Verständnis und Vertrauen unerschütterlicher Kampfbrüderschaft dahinterstände. In diesem Sinne dankbar verbunden und hoffend, noch oft Gast in Ihrem schönen Nesthaus zu sein. Ihr Magnus Hirschfeld.“ In dem Gästebuch finden sich darüber hinaus Zeichnungen von Peter Martin Lampel (1894–1965), mit dem Hermann Weber und Paul Dalquen befreundet waren, und John Henry Mackay (1864–1933) sowie von Mitgliedern des Nerother Wandervogels, vornehmlich aus der Zeit um 1930. Der letzte Eintrag stammt aus dem Jahr 1955.

Wir sind stolz und froh, das Gästebuch Hermann Webers und Paul Dalquens nunmehr unser eigen nennen zu dürfen, und danken den Familienangehörigen beider! Sicher werden wir das Buch bei einer kommenden Ausstellung auch der Öffentlichkeit präsentieren. Der historischen Forschung etwa zu den Netzwerken der hessischen Homosexuellenbewegung vor 1933 bzw. nach 1945 liegt es auf Anfrage natürlich jederzeit zur Einsicht bereit.

Veröffentlichungen

  • Raimund Wolfert: Hermann Weber - Leben und Wirken eines "Gentleman"
    In: Mitteilungen der Magnus-Hirschfeld-Gesellschaft (2015)53, S. 27-42
  • Raimund Wolfert: "Es war trotz allem eine schöne kämpferische Zeit". Hermann Weber (1882–1955)
    In: Lambda Nachrichten Nr. 166, 38 (2016) 4, S. 42-46.
  • Raimund Wolfert: Homosexuellenpolitik in der jungen Bundesrepublik. Kurt Hiller, Hans Giese und das Frankfurter Wissenschaftlich-humanitäre Komitee (Hirschfeld-Lecture 8)
    Göttingen: Wallstein 2015