Bruno Vogels „Alf“ (1977) in einer signierten Ausgabe


Bruno Vogels antimilitaristischer Jugendroman Alf (1929) ist ein Klassiker der homosexuellen Emanzipationsliteratur mit einer ganz besonderen Rezeptionsgeschichte. Bis heute ist der Roman in vier Auflagen erschienen, außerdem liegt er in englischer und slowenischer Übersetzung vor, und nach wie vor erfreut er sich großer Beliebtheit. Als Bruno Vogel 1977 selbst auf die Hochzeit seiner literarischen Karriere um 1929 zurückblickte, wurde er von Wehmut erfüllt. „Zeiten der Hoffnung waren das,“ schrieb er im Nachwort zur dritten Auflage von Alf und wagte einen besorgten Ausblick: „Braune Hemden, Röhm, schwarze Hemden, Konzentrationslager, rosa Winkel, den zweiten Weltkrieg, eine Unmenge kleinerer Kriege, Atombomben, Wasserstoffbombe, Neutronenbombe, wer weiß, wer kann ahnen, was für Greuel die Zukunft uns bringt[?]“
Ursprünglich hatte Vogel an diese Frage weitere Sätze angeschlossen und gefragt: „Welchen Sinn hat da eine Liebesgeschichte zweier Schuljungen im ersten Weltkrieg? Welchen Sinn hat Schreiben überhaupt?“ Doch seine Ausführungen wurden aus dem Nachwort gestrichen. Offenbar war Vogel im Rückblick nur wenig stolz auf seine Lebensleistung, und in gewisser Weise spiegelt sich dies in dem Widmungsexemplar seines Alf von 1977 wider, das die Magnus-Hirschfeld-Gesellschaft vor kurzem, fast 100 Jahre nach dem Ersterscheinen des Romans, im Antiquariatshandel erwerben konnte. Das Exemplar hatte Vogel handschriftlich signiert – um es dann offenbar ohne weitere Einträge zu verschenken. Leider war es nicht mehr möglich, in Erfahrung zu bringen, wer sein Vorbesitzer war. Aber wir sind uns sicher, dass er es genauso schätzte und liebte wie manch anderer, bei dem sich Vogel mit seinem Buch ins Herz geschrieben hatte.
