Magnus-Hirschfeld-Gesellschaft e.V. Forschungsstelle zur Geschichte der Sexualwissenschaft

IllusTRANSionen: „Das 3. Geschlecht“

Rainer Herrn über Bildrhetoriken, Bildgebrauch und Bildeffekte in der ersten Transvestitenzeitschrift „Das 3. Geschlecht“ von 1930.

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Zwanzig Jahre nachdem der Wissenschaftler Magnus Hirschfeld das Konzept des Transvestitismus geprägt hatte und Versuche der Selbstorganisation gescheitert waren, erschien zwischen 1930 und 1932 die erste eigenständige, illustrierte Transvestitenzeitschrift Das 3. Geschlecht (Die Transvestiten) im Verlag von Friedrich Radszuweit.

Obwohl sie einen der wenigen Belege einer nahezu vergessenen Emanzipationsgeschichte darstellt, ist Das 3. Geschlecht in keiner Bibliothek vollständig erhalten. Grund genug für Dr. Rainer Herrn, Mitarbeiter am Institut für Geschichte der Medizin und Ethik in der Medizin der Charité (Berlin), die Zeitschrift als Faksimile-Ausgabe (Männerschwarm Verlag, 2016) wieder zugänglich zu machen.

Mit dem Erscheinen der 1. Ausgabe begannen sich die Transvestit*innen zunehmend mit der Zeitschrift zu identifizieren. Sie bestimmten durch die Einsendung von autobiografischen Fragmenten, fiktionalen Texten, Diskussionsbeiträgen und vor allem von zur Veröffentlichung bestimmten Privatfotos nicht nur die inhaltliche Ausrichtung der Zeitschrift, sondern auch das Selbstbild der Transvestit*innen.

Die Queer Lecture von Rainer Herrn nimmt diese Bildbeiträge in den Fokus: Ausgehend von der exponierten Bedeutung der Bildlichkeit für Transvestit_innen, geht Rainer Herrn den Inszenierungstechniken und den Bildpraktiken, der Bilderwandung und der normativen Kommentierung in den Bildunterschriften nach.

Literatur

  • Rainer Herrn (Hg.): Das 3. Geschlecht (Die Transvestiten)
    Hamburg: Männerschwarm Verlag (Bibliothek rosa Winkel - Sonderreihe Wissenschaft) 2016