Institut für Sexualwissenschaft (1919-1933)eine Online-Ausstellung der Magnus-Hirschfeld-Gesellschaft

Vom Stigma zum Feindbild

Vor dem Hintergrund sozialer Verunsicherungen angesichts von Wirtschaftskrisen, Inflation und Massenarbeitslosigkeit in der Weimarer Republik, kommt es am Ende der 20er Jahre zu einer gesellschaftlichen Polarisierung zwischen weltanschaulichen Gegnern und Stigmatisierungen von Bevölkerungsgruppen, ohne dass es gelingt, einen tragfähigen, friedlich-demokratischen Konsens zu finden.

Je unentschiedener die politischen Kräfteverhältnisse in der Weimarer Republik werden, desto erbitterter und radikaler erfolgen die politischen Auseinandersetzungen, nicht zuletzt auch im Hinblick auf Sozial- und Sexualreformen.

Neben den anhaltend christlich-konservativen Bestrebungen gegen die aufklärerisch wirksam werdenden Sexualreformer führen zunehmend auch nationalsozialistische Eiferer im Namen eines “gesunden Volksempfindens” demagogische Angriffe und gewinnen dabei an öffentlicher Zustimmung. Ihr radikaler Kampf richtet sich zunächst gegen sozialistische Sozialreformer, international sich organisierende, kommunistische Verbände und nicht zuletzt gegen “jüdische Kapital-Verschwörungen”.

Der Sexualreformer Magnus Hirschfeld verkörpert als Jude und Sozialist, wie als vermögender Instituts-Unternehmer, ein dafür beispielhaftes Feindbild. Nicht nur dem “jüdischen Sittenverderber”, auch seiner Homosexualität gelten die zunehmenden öffentlichen Angriffe. Sein Wirken wird mit “öffentlicher Gefahr” und “jüdischer Verschwörung” in Verbindung gebracht.

Deutlich mehren sich in der Presse unter dem wachsenden Einfluss nationalsozialistischer Meinungsbildung spöttische Verunglimpfungen, böswillige Verleumdungen, persönliche Angriffe und bedrohliche Warnungen, die sich nicht zuletzt auch gegen das “Institut für Sexualwissenschaft” richten.

Der wachsende Verruf, in den Hirschfelds Institut am Ende der 20er Jahre gerät, ist bis dato noch nicht aufgearbeitet. Nur auszugsweise und beispielhaft können nachfolgende Dokumente Aspekte einer Meinungsbildung verdeutlichen von den Ansätze einer Stigmatisierung, bis hin zu Hass, Verleumdungen, aggressiven Hetzkampagnen und persönlichen Angriffen.