Institut für Sexualwissenschaft (1919-1933)eine Online-Ausstellung der Magnus-Hirschfeld-Gesellschaft

Versuch einer Institutsneugründung in Paris

Nach seiner Weltreise 1 bleibt Hirschfeld ab Mitte 1932 vorläufig in der Schweiz, in sicherer Distanz zu den zunehmend bedrohlicheren politischen Verhältnissen in Deutschland.

Etwa zur gleichen Zeit als die Nazis im Mai 1933 in Berlin sein Institut plündern und seine Schriften konfiszieren, verlässt er Ascona und geht ins Exil nach Frankreich. Dort sieht er in einem Kino Aufnahmen von der Verbrennung seiner Schriften in Berlin.

Hirschfeld entfaltet im Exil eine rege schriftstellerische Aktivität, publiziert in verschieden internationalen Zeitschriften zu politischen Ereignissen in Deutschland und weiterhin zu sexuologischen Fragen, korrespondiert mit internationalen Fachkollegen.

In Paris beabsichtigt er im März 1934, mit seinem Freund und Schüler Karl Giese “ein neues Institut für Sexualwissenschaft in kleinerem Rahmen zu errichten”.

Am 10. Mai 1934 wird am Place d’Italie in Paris die “Bibliothek der in Deutschland verbrannten Bücher” eingeweiht, deren Ehrenvorsitz André Gide übernimmt. Egon Erwin Kisch, Alfred Kerr und Magnus Hirschfeld halten die Eröffnungsreden. 2

Mit dem französischen Arzt Dr. Edmond Zammert eröffnet er kurz darauf ein “Institut des sciences sexologiques” in der Pariser Avenue Charles Floquet Nr. 24. 3 Diese eher formelle Gründung wird im Juni verkündet. Zammert 4 übernimmt medizinische Behandlungen, Hirschfeld bemüht sich um die Berliner Archiv- und Bibliotheksbestände und leitet das Büro der “Weltliga für Sexualreform”.

Sein Ziel ist es, “auch wieder eine Fachbibliothek zusammenzustellen, wenn es auch kaum möglich sein wird, die unersetzlichen Manuscripte und Originalien wieder zu beschaffen.”

Im Ton vager Zuversicht berichtet Hirschfeld noch im März 1935: “Mit großer Mühe konnte ich auf Umwegen noch einiges aus dem Berliner Institut retten und hoffe immerhin noch so viel an Material zu hinterlassen, daß sich vielleicht doch noch das Sprichwort erfüllt ‘Und neues Leben blüht aus den Ruinen’.” Trotz einiger weniger Informationen ist über den Verbleib der Institutsbestände bis dato nichts Konkretes bekannt. 5