Institut für Sexualwissenschaft (1919-1933)eine Online-Ausstellung der Magnus-Hirschfeld-Gesellschaft

Ehereform

Der “Bund für Mutterschutz und Sexualreform” (kurz: Mutterschutzbund) verkörpert den radikalen Flügel innerhalb der bürgerlichen Frauenbewegung. Der Mutterschutzbund setzt sich vor allem für die gesellschaftliche Aufwertung der “unehelichen Mutter” und für die Gleichstellung des unehelichen Kindes ein. Ehe- und Sexualberatungsstellen werden von ihm gefordert und eingerichtet. Sein soziales Engagement versucht der Mutterschutzbund – wie andere Reformbewegungen auch – mit eugenischen Argumenten für ein “gesundes Volk” politisch zu bekräftigen.

Der Mutterschutzbund ist über seine Vorsitzende Helene Stöcker und deren persönlichen Kontakte (Hiller, Hodann, Reitzenstein, Hirschfeld) aufs engste mit dem Institut und dem WhK verbunden. WhK und Mutterschutzbund sind gegenseitig korporatives Mitglied des anderen und übernehmen des anderen Ziele. In ihrem Kampf gegen die Paragraphen 175 und 218 RStGB, für eine liberaleres Scheidungsrecht etc. verweisen sie gleichermaßen auf die Gesetzgebung in der Sowjetunion. (Hochrangige Regierungsdelegationen der Sowjetunion besuchen das Institut für Sexualwissenschaft, um sich über den Stand der Sexualwissenschaft zu informieren.)