Magnus-Hirschfeld-Gesellschaft e.V. Forschungsstelle zur Geschichte der Sexualwissenschaft

Fritz Heilscher (1898-1942)

Stolperstein – Biographie
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Stolperstein für Fritz Heilscher (Foto: Harald Rimmele)

Am 12. September 2003 wurde in der Rosenthaler Vorstadt der Stolperstein für das homosexuelle Opfer des Nazi-Regimes, Fritz Heilscher, verlegt.

Fritz Heilscher
geboren 2. Oktober 1898 in Berlin
Balletttänzer, Choreograph, Lagerarbeiter
Berlin N 4, Strelitzer Straße 58
gestorben 21. Juli 1942 KZ Sachsenhausen

Nach einer kaufmännischen Lehre begann Fritz Heilscher 1920 eine tänzerische Ausbildung am Deutschern Opernhaus in Berlin. 1923 startete er seine künstlerische Karriere als Solotänzer am Opernhaus in Breslau und nannte sich fortan Ferry Dworak. Von 1926 bis 1930 war er Ballettmeister am Städtischen Theater in Chemnitz, 1931 Solotänzer am Stadttheater Dortmund. 1932 wechselte er als Choreograph ans Badischen Landestheater Karlsruhe, wo er mit eigenen Choreographien hervortrat und trotz eines ersten Strafverfahrens wegen homosexueller Beziehungen weiterbeschäftigt wurde. 1933 ging er ans Schlesische Oberlandestheater in Beuthen (Bytom), wo er zwei Jahre als Ballettmeister wirkte. Im April 1935 wurde er vom dortigen Landgericht wegen seiner Liebe zu Männern zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt. Gleichzeitig erfolgte sein Ausschluß aus dem Künstlerverband, was einem Berufsverbot gleichkam.

Nach seiner Entlassung ging Fritz Heilscher zurück nach Berlin und fand dort eine Anstellung als Lagerarbeiter in einer Firma für Reitstiefel, wo er als geschätzter Mitarbeiter eine neue Existenz fand. Ende 1941 wurde er erneut verhaftet und wegen seiner Zuneigung für junge Männer zu acht Monaten Gefängnis verurteilt. Die Strafjustiz lieferte ihn im Anschluß daran der Kriminalpolizei aus, die seine Einlieferung ins KZ Sachsenhausen veranlaßte. Nach zwei Monaten kam er dort während der Mordaktion an Homosexuellen im Klinkerwerk des Lagers ums Leben.