Magnus-Hirschfeld-Gesellschaft e.V. Forschungsstelle zur Geschichte der Sexualwissenschaft

Der Sexualreformer Magnus Hirschfeld (1868-1935). Ein Leben im Spannungsfeld von Wissenschaft, Politik und Gesellschaft

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Internationale Tagung
Eine Veranstaltung des Moses Mendelssohn Zentrum für europäisch-jüdische Studien in Verbindung mit Kulturwissenschaftliches Seminar der Humboldt Universität zu Berlin Magnus-Hirschfeld-Gesellschaft e.V
11.-13. Mai 2003
Altes Rathaus Potsdam

Als Sohn eines jüdischen Sanitätsarztes wurde Magnus Hirschfeld am 14.5. 1868 in Kolberg/Pommern geboren. Nach seinem Studium der Philosophie, Philologie und Medizin ließ er sich 1893 als Arzt in Magdeburg nieder. Ab 1895 lebte er in Berlin und gründete dort zweijahre später das »Wissenschaftlich-humanitäre Komitee« (WhK). Hirschfeld trat seither massiv für eine Reform des Paragraphen 175 (StGB) ein. in Anlehnung an die Theorien voll Karl Heinrich Ulrich vertrat Hirschfeld die Auffassung, dass Homosexualität weder als Krankheit noch als Laster, sondern als »natürlich angeborene Variante sexueller Neigungen« zu werten sei und setzte sich fortan wissenschaftlich mit dieser Thematik auseinander. Gemeinsam mit Kurt Hiller gab er ab 1908 die »Zeitschrift für Sexualwissenschaften« heraus und gründete zwei Jahre später die »Ärztliche Gesellschaft für Sexualwissenschaft und Eugenik«. 1919 erfolgte schließlich die Gründung des Berliner »Instituts für Sexualwissenschaften«, das Hirschfeld bis Zur Zwangsschließung 1933 leitete.

Die Tagung widmet sich dem Leben und Werk des Sexualwissenschaftlers und spannt dabei auch einen Bogen der Wirkungsgeschichte Hirschfelds von seinen Lebzeiten bis in unsere Tage hinein. Mit der Neuauflage seiner 1914 veröffentlichten Schrift »Die Homosexualität des Mannes und des Weibes«, 1984 von Prof. Haeberle herausgegeben, trat Hirschfelds »Zwischenstufen-Theorie« ins Blickfeld der Genderforschung. In den Geisteswissenschaften findet Hirschfeld sowohl im Bereich der deutsch-jüdischen
Beziehungsgeschichte, der Sozialgeschichte als auch in den Kulturwissenschaften zunehmend Beachtung.

Programm

Sonntag 11. Mai 2003

16.00 Begrüßung Dr Elke-Vera Kotowski und Prof Dr Julius H. Schoeps

SEKTION 1 BIOGRAPHISCHES

16.15 Ralf Dose M.A., Berlin: »Wo meine Wiege, meiner Eltern Bahre stand … « Die Familie Hirschfeld aus Kolberg
16.45 Alexandra Ripa, Berlin: Hirschfeld privat. Seine Haushälterin erinnert sich. Ein kommentierter Filmbeitrag
17.15 Dr. Marita Keilson-Lauritz, Bussum/Niederlande: Magnus Hirschfeld und seine Gäste. Das Exil-Gästebuch 1933-1935
17.45 Diskussion
anschließend Eröffnung der Ausstellung
19.15 Öffentlicher Vortrag Prof. Dr. Friedemann Pfäfflin, Ulm: Die Relevanz Hirschfelds hier und heute
20.00 Kleiner Empfang

Montag 12. Mai 2003
SEKTION 2 WISSENSCHAFTLICHE KONZEPTE

9.30 Dr. Cornelie Usborne, Roehampton/Großbritannien: Geburtenkontrolle in der Weimarer Republik und Magnus Hirschfelds widersprüchliche Interessen
10.00 Prof. Dr. Bernd-Ulrich Hergemöller, Hamburg: Magnus Hirschfeld und Hans Blüher
10.30 Diskussion
11 00 Andreas Pretzel, Berlin: »Disziplinierungsbestrebungen« – »Magnus Hirschfeld und die >Ärztliche Gesellschaft für Sexualwissenschaft«
11.30 Manfred Herzer, Berlin: Drei Dritte Geschlechter: Magnus Hirschfeld, Adolf von Harnack und Leo Baeck
12.00 Diskussion

SEKTION 3 DAS INSTITUT FÜR SEXUALWISSENSCHAFT

14.00 Dr. Rainer Herrn, Berlin: Vom Traum zum Trauma – Magnus Hirschfelds Institut für Sexualwissenschaft (1919 – 19 33)
14.30 Prof. Dr. Atina Grossmann, New York/USA: Magnus Hirschfeld, Sexualreform und die Neue Frau: Das Institut für Sexualwissenschaft und das Weimarer Berlin
15.00 Dr. Ralph Leck, San Bernardino/USA: Magnus Hirschfeld and Wilhelm Reich: Competing Visions of an Anti-Fascist Sexual Politics
15.30 Diskussion
16.30 Dr. Joachim Schlör, Potsdam: Nächtliche Erkundungen in Berlin. Auf den Spuren von Magnus Hirschfeld
17.00 Dr. Hermann Simon, Berlin: N.O. Body – Aus eines Mannes Mädchenjahren
17.30 Diskussion
20.00 Podiumsdiskussion: Ein schwuler Jude und die deutsche Erinnerungskultur. Mit J. Edgar Bauer (Heidelberg), Sophinette Becker (Frankfurt/M), Christina von Braun (Berlin), Manfred Herzer (Berlin), Rüdiger Lautmann (Hamburg), Rosa von Praunheim (Berlin) [ angefragt], Julius H. Schoeps (Potsdam)

Dienstag 13. Mai 2003
SEKTION 4 »PER SCIENTIAM AD JUSTITIAM«

9.30 Prof. Dr. Christina von Braun, Berlin: Ist die Sexualwissenschaft eine »jüdische Wissenschaft«?
10.00 Dr. Edgar J. Bauer, Heidelberg: »Ahasverische Unruhe« und »Menschheitsassimilation«. Zu Magnus Hirschfelds Auffassung vom Judentum
10.30 Diskussion
11.00 Ofer Nur, Los Angeles/USA: Magnus Hirschfeld’s Visit to the Kibbutzim of Emekjesreel in 1932: Family, Gender and Society
11.30 Prof. Dr. Rüdiger Lautmann, Hamburg: Mit dem Strom – gegen den Strom. Magnus Hirschfeld in der Sexualkultur um 1900
12.00 Diskussion

SEKTION 5 HIRSCHFELDREZEPTIONEN IN POLITIK UND LITERATUR

14.00 Andreas Seeck M.A., Berlin: » … im Dunstkreis der Täter«? Zur kritischen Hirschfeldrezeption
14.30 Dr. Susanne zur Nieden, Berlin: » … heroische Freundesliebe« ist »dem Judengeiste fremd«. Antisemitismus und Maskulinismus
15.00 Diskussion
15.45 Prof. Dr. Julius H. Schoeps, Potsdam: Christopher Isherwood, Magnus Hirschfeld und das Berlin am Vorabend der NS-Diktatur
16.15 David Prickett, M.A., Cincinnati/USA: »Mein Verhältnis zur schönen Literatur … «:Literarische Auseinandersetzungen mit Magnus Hirschfeld
16.45 Diskussion
ca. 17.00 Konferenzende
20.00 20 Jahre Magnus-Hirschfeld-Gesellschaft

Aus diesem Anlass hat die Magnus-Hirschfeld-Gesellschaft zu einer Lesung mit Aris Fioretos im Café am Ufer in Berlin-Kreuzberg eingeladen: Die Wahrheit über Sascha Knisch

Literatur

  • Elke-Vera Kotowski; Julius H. Schoeps: Magnus Hirschfeld. Ein Leben im Spannungsfeld von Wissenschaft, Politik und Gesellschaft
    Berlin: be.bra wissenschaft 2004