Magnus-Hirschfeld-Gesellschaft e.V. Forschungsstelle zur Geschichte der Sexualwissenschaft

Ein unwillkommenes Geschenk – Dr. jur. Hans Holbein und die Holbein-Stiftung

während der Hirschfeld-Tage 2016 in Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt

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Dr. jur. Hans Holbein (1864 Apolda – 1929 Weimar) war langjähriges Mitglied des Wissenschaftlich-humanitären Komitees (WhK) von Magnus Hirschfeld und von 1907 bis zu seinem Tode auch Mitglied des sogenannten Obmännerkollegiums des WhK. 1919 schenkte er der Universität Jena eine größere Summe mit der Auflage, aus den Erträgen der Holbein-Stiftung einen Lehrauftrag zur Sexualwissenschaft (mit besonderer Berücksichtigung der Bi- und Homosexualität) zu finanzieren.

In seinem Testament setzte er die Universität Jena als Universalerbin ein. Während die Universität die Schenkung von 1919 annahm — wenn auch mit einigen Vorbehalten — schlug sie die Erbschaft wegen der damit verbundenen Bedingungen aus. Hans Holbeins Testament machte deutlich, dass er Forschung und Lehre über Bi- und Homosexualität im Sinne Hirschfelds verstanden wissen wollte, was die Universität unannehmbar fand. Die Holbein-Stiftung existierte bis 1938 — das Restvermögen wurde dem Pathologischen Institut zugewiesen.

Der Vortrag geht dem Leben eines engagierten Homosexuellen aus einer thüringischen Mittelstadt nach (er lebte bis 1926/27 in Apolda) und beschreibt das Scheitern seiner Stiftung anhand von erhaltenen Archivalien.